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Davos 2019 : Die Welt wird zum Computer

Auch der Microsoft-Vorstandsvorsitzende Satya Nadella ist dieses Jahr in Davos. Bild: AP

Es fehlt an Plattformunternehmen, Geschäftsmodellen und wohl auch am richtigen Netz. Was folgt daraus – vor allem für Deutschland? Ein Vorstand macht einen radikalen Vorschlag.

          Die Welt wird zum Computer, sagt der Microsoft-Vorstandsvorsitzende Satya Nadella – und die Menschheit weiß noch nicht genau, was daraus folgen wird. Wenn in den kommenden Jahren beinahe jeder Mensch Zugang zum weltumspannenden Datennetzwerk haben wird und immer mehr Maschinen ebenso, erlebt die Welt nach den Worten von Rajeev Suri, dem Vorstandsvorsitzenden von Nokia, endlich den großen Produktivitätssprung durch die Informationstechnologie, der nicht nur von Volkswirten schon länger vermisst wird.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dieser Effekt werde sich, erklärte Suri am Randes des Weltwirtschaftsforums in Davos, schon innerhalb der kommenden fünf Jahre einstellen. Durch neue drahtlose Hochgeschwindigkeitsnetze im 5G-Funkstandard werde höchste Rechenleistung über die digitale Datenwolke Cloud bald dezentral überall verfügbar sein, woraus viele neue Dienstleistungsangebote entstünden, die es heute noch gar nicht gebe. Ken Hu, der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei, ist zudem überzeugt davon, das von dieser Technologie breite Bevölkerungsschichten auch wirtschaftlich profitieren können.

          Sicher ist, dass sich die Wertschöpfung immer stärker weg von Produkten und sogar Software hin zu Plattformen verlagert, darauf hat zum Beispiel SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert in Davos hingewiesen. Hier aber seien die deutschen Unternehmen bei allen Fortschritten zum Beispiel von Siemens, Bosch oder Trumpf nach wie vor zu zurückhaltend.

          Frauen müssen eine größere Rolle spielen

          Letztlich wolle jeder die Kontrolle über die eigenen Daten behalten, was zwar verständlich sei, die Chancen der Plattformökonomie aber erheblich verringere – sowohl mit Blick auf die Wachstumsmöglichkeiten an sich, als auch mit Blick auf die Möglichkeiten zu einer sinnvollen Auswertung der Daten durch Künstliche Intelligenz. Auch das ist ein Grund, warum acht der zehn wertvollsten Plattformanbieter der Welt aus den Vereinigten Staaten kommen und zwei aus China, sagt Svenja Falk vom Dienstleister Accenture.

          Und noch eine andere Entwicklung sollte deutsche Unternehmen aufschrecken: Flatrate-Angebote für Musik, Videos oder andere Dienstleistungen werden im Netz immer populärer, wovon vor allem der Erfolg von Netflix oder Amazon Prime zeugt. „Das funktioniert aber nur dann, wenn der Kunde wirklich das Gefühl hat, dass das Angebot genau auf seine Interessen zugeschnitten ist“, sagte Alfred Kelly, der Vorstandsvorsitzende des Zahlungsdiensleisters Visa. Deutsche Anbieter spielen bei Abo-Modellen im Netz ebenso wie bei den Plattformen eine eher untergeordnete Rolle. Offenbar fehlt es sowohl an der richtigen Idee, als auch an der konsequenten Kundenorientierung.

          So viel Nachholbedarf es in Deutschland also mit Blick auf die Plattformökonomie und neue digitale Geschäftsmodelle gibt, so sehr beginnt sich das Land von der Entwicklung hin zu immer schnelleren Netzwerken zur Datenübertragung abzukoppeln. Leukert sieht die Diskussion um die Vergabe künftiger 5G-Mobilfunktlizenzen dabei nur als einen kleineren Teil der Debatte an – und machte auf dem Weltwirtschaftsforum einen radikalen Vorschlag: Aus seiner Sicht muss sich der Staat überlegen, ob er den Ausbau und Betrieb von Netzen zur Datenübertragung wirklich – wie bisher – allein privaten Unternehmen überlassen wolle, oder ob es nicht besser sein, wichtige Teile dieser kritischen Infrastruktur aus eigener Hand aufzubauen und zu betreiben.

          Neben diesem Ruf nach dem Staat müssen sich aber auch die Vorstandsvorsitzenden selbst aus Davos viel Kritik anhören. Mitarbeiter würden nicht ausreichend weitergebildet, es gebe nicht genug Mitsprachemöglichkeiten in der Entwicklung der künftigen Strategie, für eine neue Generation selbstbewusster und gut ausgebildeter Mitarbeiter seien die aktuellen Führungskräfte oft zu wenig gerüstet.

          Denn bei aller Mitsprache gilt, dass die Mitarbeiter am Ende von ihren Chefs eine klare Strategie sehen wollten, wie die digitale Zukunft zu meistern sei. Und ganz sicher sei, dass Frauen dabei künftig eine erheblich größere Rolle spielen müssten als bisher, zeigte sich Visa-Chef Kelly überzeugt.

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