https://www.faz.net/-gqe-96fqr

Theresa May in Davos : „Wollen Weltmarktführer der Künstlichen Intelligenz werden“

Theresa May in Davos Bild: AP

Die britische Premierministerin skizziert auf dem Weltwirtschaftsforum die digitale Zukunft ihres Landes – und warnt vor zu viel Pessimismus. Über den Brexit hingegen schweigt sie sich aus.

          Die britische Premierministerin Theresa May hat sich dagegen ausgesprochen, die Perspektiven der Welt zu schwarz zu malen. „Wir haben Grund zum Optimismus“, sagte sie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. „Das Wirtschaftswachstum in der Welt ist ansehnlich und im vergangenen Jahren haben politische Parteien der extremen Rechten wie der extremen Linken bei manchen Wahlen schlechter abgeschnitten als befürchtet.“

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          May setzte auch einen eigenen Akzent in der Frage des internationalen Handels. „Großbritannien wird nach dem Austritt aus der Europäischen Union ein Befürworter des Freihandels bleiben“, versicherte die Premierministerin. „In diesem Geiste werden wir bilaterale Abkommen schließen.“ Nach Ansicht Mays sind auch in unserer Zeit Fortschritte im internationalen Handel zu verzeichnen, aber häufig passe die Freihandelsrhetorik von Politikern in Davos nicht zu ihrem Handeln in der Praxis. Sie beklagte, dass im Rahmen der Welthandelsorganisation die Verhandlungen über die Liberalisierung der Dienstleistungen seit langer Zeit nicht voran kämen, obgleich die Dienstleistungen heute fast zwei Drittel des Welthandels ausmachten.

          Für Gründer attraktiver werden

          Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Rede war die Darstellung Großbritanniens als eines Landes, das moderne Technologien annimmt und als ein attraktives Zielland für Investitionen gelten will. „Die Technologie ist eine Quelle des Fortschritts“, sagte May. „Regierungen und Unternehmen müssen zusammenarbeiten, um eine industrielle Strategie zu entwickeln, die neue Arbeitsplätze schafft. Damit wird Großbritannien zu einem der attraktivsten Länder in der Welt für Unternehmensgründer.“

          Besondere Anstrengungen seien notwendig, um neue Berufsbilder für Menschen zu schaffen, deren Arbeitsplatz dem technologischen Wandel unwiderruflich zum Opfer fällt. „Dies können wir nicht alleine dem Markt überlassen“, betonte die Premierministerin, die sich für eine Zusammenarbeit von Staat und Unternehmen aussprach. Als Beispiel für eine solche Partnerschaft erwähnte sie Anlagen zur Erzeugung von Windenergie in der Nordsee, bei denen Siemens der industrielle Partner ist.

          Weltmarktführer der Künstlichen Intelligenz werden

          In einem zehnjährigen Programm sollen in einer gemeinsamen Anstrengung von Staat und Wirtschaft 80 Milliarden Pfund für Forschung und Entwicklung aufgebracht werden. Großbritannien wolle ein Weltmarktführer auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz werden, kündigte May an. Seit drei Jahren werde im Schnitt jede Woche ein Unternehmen gegründet, das sich mit Künstlicher Intelligenz befasse.

          Auch die Gesetzgebung müsse auf den Wandel reagieren, wie ihn beispielsweise Uber verkörpert. „Die Antwort kann nicht darin bestehen, Unternehmen wie Uber zu verbieten“, sagte May. „Aber es müssen Regeln geschaffen werden, die dafür sorgen, dass die Menschen dort sicher transportiert werden.“ Die Premierministerin mahnte zudem eine internationale Zusammenarbeit an, um Standards für die digitale Welt zu entwickeln. Auch dies sei nicht nur eine Aufgabe für die Regierungen, sondern auch für die Unternehmen. Die Internetkonzerne müssten größere Anstrengungen unternehmen, damit auf von ihnen bereitgestellten Seiten keine verbrecherischen Inhalte mehr erscheinen könnten.

          Weitere Themen

          Stillstand beim BVG Video-Seite öffnen

          Warnstreiks im Berufsverkehr : Stillstand beim BVG

          Wegen der laufenden Tarifverhandlungen kommt es zu Warnstreiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Menschen in der Hauptstadt mussten deswegen im morgendlichen Berufsverkehr auf U-Bahn, Straßenbahn und die meisten Busse verzichten.

          Topmeldungen

          Hollywood prägt das Bild der Reichen: Leonardo di Caprio in „The Wolf of Wall Street“ als wunderbares Beispiel dafür, dass Wohlhabende in Filmen meist betrügerisch und dekadent wirken.

          Ruf nach neuer Umverteilung : Attacke auf die Reichen!

          Jeder zweite Deutsche hält Reiche für rücksichtslos und gierig. Jeder zweite Berliner will Hauseigentümer enteignen. Die SPD prescht mit Umverteilungsplänen vor. Was ist in Deutschland los?

          Bericht über Wahlkampf-Video : Tritt der Held der Jugend gegen Trump an?

          Manche Demokraten glauben bis heute, dass Bernie Sanders Donald Trump 2016 geschlagen hätte. Nun spricht immer mehr dafür, dass der Sozialist 2020 noch einmal antreten wird. Beide Männer sind sich treu geblieben – auf ihre Art.

          Politiker Bijan Kaffenberger : So lebt es sich mit dem Tourette-Syndrom

          Seltsame Laute, Schimpftiraden und Muskelzuckungen – dafür ist das Tourette-Syndrom bekannt. Ist das nur ein Klischee? Und wie lebt es sich mit der unheilbaren Krankheit, wenn man in der Öffentlichkeit steht? So wie der Politiker Bijan Kaffenberger.

          Seehofer gegen de Maizière : Wie war das mit der „Herrschaft des Unrechts“?

          Der frühere Innenminister de Maizière schreibt in seinem neuen Buch, im Herbst 2015 hätten vor allem bayerische Politiker eine Registrierung von Flüchtlingen im Grenzgebiet abgelehnt. Seehofer widerspricht. Wer hat recht? Wir haben bei drei Landräten nachgefragt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.