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Kevin Spacey : House of Cards in Davos

Ist Präsident Frank Underwood nach Davos gekommen? Wenn Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen. Bild: Carsten Knop

Kommt Präsident Frank Underwood aus der Fernsehserie „House of Cards“ nach Davos? Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen bei Kevin Spaceys Auftritt beim Weltwirtschaftsforum. Die Manager hängen an seinen Lippen.

          Die Rollen verschwimmen: Kommt Präsident Frank Underwood nach Davos? In dieser Rolle ist der amerikanische Schauspieler Kevin Spacey derzeit in der Fernsehserie „House of Cards“ zu sehen - und er macht das überzeugend. Wer ihn in der Rolle gesehen hat, will in der Politik erst recht an nichts Gutes mehr glauben. Was ist Fiktion? Was ist Wirklichkeit? „Auch die Politiker, die mich auf die Rolle ansprechen, sind sich nicht einig“, sagte Spacey am Rande des Weltwirtschaftsforums: „Die einen sagen, nein, so läuft das nicht. Die anderen sagen: Ihr seid verdammt nah an der Wirklichkeit.“

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dazu muss man wissen, dass Spacey in seiner Rolle als Präsident Underwood vor keiner Niedertracht zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Wenn er dort in einem Dialog zur Frist Lady sagt: „Wir sind die Überlebenden“, dann ist das ernst gemeint. Denn Menschenleben können in der Serie den Aufstieg von Spacey in das Amt des Präsidenten nicht aufhalten.

          Natürlich wird Spacey in Davos sofort auf den Wahlkampf in den Vereinigten Staaten angesprochen. Wer mag schon Donald Trump? Spacey interessiert an Trump vor allem die Art, wie er seinen Wahlkampf führt. Denn der Schauspieler ist immer auf der Jagd nach einer guten neuen Geschichte. Trump aber erfüllt dieses Kriterium nicht: „Immer frontal gegen die Medien argumentieren? Das haben andere vor ihm auch schon gemacht“, sagt Spacey. Er selbst ist, wie sehr viele Schauspieler Hollywoods, ein Anhänger der Demokraten und hat schon im Jahr 1980 Wahlkampf für Ted Kennedy gemacht. Insofern stört es ihn vor allem, dass Trump ihn in Davos wegen der entsprechenden Fragen Zeit im Rahmen seines gut halbstündigen Auftritts kostet.

          Der wahre Spacey ist interessanter als seine Rollen

          Denn der wahre Spacey ist noch viel interessanter als seine Rollen. Wer ihm zuhört, erfährt, worauf es im Leben ankommt, wenn man erfolgreich sein will. Und die Manager in Davos hängen an seinen Lippen. Spacey macht mit Überzeugung das, was er schon mit acht Jahren machen wollte. Er lebt seine Passion. Wenn er davon erzählt, hebt und senkt er seine Stimme, changiert zwischen leise und laut, interagiert mit dem Publikum, hat das perfekte Gefühl für den richtigen Witz zur exakt passenden Zeit - und lässt seinen Gefühlen freien Lauf. Was für ein Unterschied zu den Vertretern aus Wirtschaft und Politik, die hier sonst zu hören sind.

          „Ich wusste, dass ich Schauspieler werden wollte, als ich mit acht Jahren merkte, dass es mir sehr leicht gelang, meine Mutter zum Lachen zu bringen“, sagt Spacey. „Denn das war das Schönste, was ich jemals gehört habe.“ Schweigen im Publikum. Spacey nutzt die Zeit, um einige launige Szenen vom Vorsprechen bei seinem großen Mentor Jack Lemmon zu erzählen. Das Publikum lacht. „Wir alle, auch Sie in der Wirtschaft, sind doch im Geschäft, um Geschichten zu erzählen“, sagt Spacey dann. „Oder macht Starbucks wirklich den besten Kaffee der Welt? Hat American Express die günstigste Kreditkarte? Ich weiß es nicht. Aber wenigstens erzählen diese Unternehmen erfolgreich ihre Geschichte.“

          Wenn man sich mit Geschichten befasse, solle man sein Publikum aber nicht für dumm verkaufen. „Ich habe mein Publikum immer für intelligent gehalten. Schnelle Schnitte, das ist nicht mein Ding. Die guten Filme fangen die Menschen mit der Kamera ein und geben ihnen Raum.“ Immer komme es auf die richtigen Inhalte an, auch deshalb habe er selbst in ein Filmstudio investiert - um selbst entscheiden zu können, auf der anderen Seite der Kamera.

          Veränderungen durch Technologie

          Was die Zukunft bringt? Eine solche Frage muss sein in Davos. Spacey ist um eine Antwort nicht verlegen. Technologie werde vieles verändern. Mit Virtual-Reality-Brillen könne man schon bald so dicht in Sportereignisse eintauchen wie wenn man auf dem Spielfeld stehe - und wichtiger noch: In Klassenräumen rund um die Welt könnten bald überall die besten Lehrer unterrichten. Die Technik werde es möglich machen. „Und die Brillen, die man dafür braucht, werden nicht mehr lange so klobig aussehen wie heute, sie erinnern mich an die Frühzeit der Mobiltelefone.“

          Mit Blick auf die Herausforderungen in der arabischen Welt erinnert sich Spacey an Schauspiel-Workshops, vor allem an einen in Doha. Er habe darum gebeten, dass dort nur Schauspielschülerinnen zugelassen waren und habe sich diejenige zum Vorsprechen herausgesucht, die am zurückhaltendsten in der Ecke gesessen habe. Nach einigem Bemühen sei es ihr gelungen, echte Gefühle zu zeigen, so wie Spacey es bei Lemmon gelernt hat. Tränen seien geflossen. Später habe die junge Frau ihm einen Brief geschrieben: „Ich bin im meinem Leben noch nie dazu aufgefordert worden, meine Emotionen zu teilen“, erinnert sich Spacey an den Wortlaut. „Und das steht doch für alles, was falsch läuft in diesem Teil der Welt.“ Inzwischen strebe die Frau an, in London eine Schauspielausbildung zu machen. „Damit hatte sich alle Mühe gelohnt.“

          Nein, Kevin Spacey ist nicht Frank Underwood. Aber was ist schon Wirklichkeit, was Fiktion? „Underwoodyness gibt es überall“, sagt Spacey. Und er weiß, dass er an dem Tag ein paar Dinge gesagt hat, die lustiger waren.

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