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Davos : „Ich werde diese Zahlen wiederholen, immer wieder“

Zurück in Davos: Klimaaktivistin Greta Thunberg spricht mit anderen Jugendlichen auf dem Weltwirtschaftsforum. Bild: AFP

Durch ihren Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum im vergangenen Jahr ist Greta Thunberg zur Ikone einer weltumspannenden Klima-Bewegung geworden. Nun ist sie zurück – mit anderen.

          3 Min.

          Greta Thunberg ist gekommen. Zu Wochenbeginn noch machten Gerüchte in Davos die Runde, dass die junge Klimaaktivisten erkrankt sei und die Frage war, ob sie ihre Auftritte während des Weltwirtschaftsforums überhaupt würde wahrnehmen können – an diesem Dienstag, an dem auch der amerikanische Präsident Donald Trump seinen großen Auftritt in den Schweizer Alpen haben wird, ihr wohl prominentester Gegenspieler in der Klimafrage. Doch nun sitzt sie zu früher Stunde auf der Bühne des brechend vollen Konferenzraumes, zusammen mit drei anderen jungen Menschen und soll über „einen nachhaltigen Weg in eine gemeinsame Zukunft“ reden.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Moderator Edward Felsenthal, im Hauptberuf Chefredakteur des Time-Magazins, will von Thunberg wissen, was sich innerhalb des vergangenen Jahres getan hat, seitdem die junge Schwedin mit ihrem Davos-Auftritt zur Ikone der weltumspannenden Fridays-for-Future-Bewegung geworden ist. „Auf der einen Seite sehr viel“, sagt Thunberg. Niemand könne bei dem Klimathema heute mehr weghören, es stehe auf der Agenda. „Aber auf der anderen Seite hat sich aber nichts getan, der CO2-Ausstoß auf der Welt hat sich nicht reduziert.“

          „Ich werde diese Zahlen wiederholen, immer wieder“

          Doch der Kampf gehe weiter, sagt Thunberg. „Das ist erst der Anfang.“ Sie redet auffallend leise und wirkt angeschlagen. Die Botschaften sind altbekannt. Ganz anders die anderen Podiumsteilnehmer: Eine 13 Jahre alte Kanadierin, die sich dem Wasserschutz in ihrer Heimat verschrieben hat, ein junger Mann aus Puerto Rico, der sich um den Wiederaufbau nach dem Hurrikan Maria im Jahr 2017 verdient gemacht hat, und Natasha Mwansa aus Sambia, die eine eigene Stiftung leitet und sich unter anderem für die Recht von Frauen und Kindern einsetzt. Sie sind Teil einer vom Forum zusammengestellten Gruppe von jungen Persönlichkeiten, die sich im Umwelt- und Klimaschutz hervorgetan haben. Der Gedanke dahinter: Man bindet Thunberg in das Programm ein und verhindert gleichzeitig, dass Davos zur großen Greta-Show mutiert.

          Die Rechnung scheint aufzugehen. Vor allem die junge Afrikanerin sprudelt vor Energie und Begeisterung, bringt den Saal auch mal zum Lachen. Ihre Botschaft an die Mächtigen in Davos ist klar: „Seht zu, dass die jungen Leute in die Entscheidungen integriert werden. Denn sie haben gute Ideen“, ruft sie dem Saal zu. „Das hier ist ein guter Start, denn ihr hört mir alle zu. Aber passieren muss etwas zuhause, wenn Davos vorbei ist.“

          Auch Salvador aus Puerto Rico will Resultate sehen: „Wir sind es leid, hier zu reden daheim geschieht nichts.“ Es gehe hier nicht nur um den 50. Geburtstag, ruft er den Jubilaren vom Weltwirtschaftsforum zu. „Wir warten nicht darauf, dass was passiert wir tun etwas. Wenn es keine Veränderung durch die Politik gibt, dann machen wir das irgendwann.“

          Und Greta? Die sitzt fast unsichtbar zwischen den anderen Teilnehmern. Irgendwann fragt der Moderator, ob sie während des vergangenen Jahres das Gefühl gehabt habe, dass ihre Botschaft gehört und umgesetzt werde? „Ich kann mich nicht darüber beschweren, nicht gehört zu werden“, sagt Greta und ein Lächeln huscht mal über ihr Gesicht. Aber die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel stünden nicht im Mittelpunkt der Debatte, wird sie gleich wieder ernst. Wiederholt hat sie das schon beklagt.

          Gegen Ende will der Moderator dann noch wissen, wie die jungen Menschen mit der Kritik an ihrem Engagement umgehen, vor allem mit der unsachlichen, den „Hatern“ im Internet. „Ich ignoriere es einfach“, sagt die Kanadierin, „es ist deren Meinung, aber die ist unwichtig.“ Dann ist die Reihe an Thunberg. Wichtiger als der Umgang mit Hassrede sei doch ihre Botschaft, sagt die Schwedin und kramt einen Notizzettel hervor, von dem sie abliest.

          Welt­wirt­schafts­forum in Davos – Jahrestagung 2020

          Tag 1

          • 10:45 Uhr
            Offizielle Eröffnung
          • 11:30 Uhr
            Rede US-Präsident Donald Trump
          • 13:00 Uhr
            Klimadiskussion mit Beitrag von Aktivistin Thunberg
          • 14:15 Uhr
            Rede chinesischer Vizepremier Han Zheng

          Auch wenn sie später noch an einer entsprechenden Veranstaltung teilnimmt, weist sie jetzt schon auf die Notwendigkeit zur Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad hin und zitiert aus Studien. „Seit letztem Jahr wiederhole ich diese Zahlen“, schließt sie und schaut grimmig in die Runde. „Ich weiß, ihr wollt nicht darüber berichten und nicht darüber diskutieren. Aber ich sage Euch, ich werde diese Zahlen wiederholen, immer wieder.“ Da war zum Abschluss doch noch einmal der wütende Teenager, der der Welt die Leviten liest.

          Der Auftritt hat seine Wirkung nicht verfehlt, die Stimmung ist merklich abgekühlt. Da kann auch die quirlige Afrikanerin nicht mehr viel machen. Salvador ist immerhin um eine Versöhnung mit den Medien und der Öffentlichkeit bemüht. „Unsere Beispiele sind gute Geschichten, die geteilt werden müssen, um andere zu inspirieren. Da können die Medien sehr hilfreich sein“, findet er. Dann ist Schluss.

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