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Trudeau sendet Botschaft : Kanada schließt Freihandelsabkommen mit Asiaten ab – und ohne Trump

  • Aktualisiert am

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau beim Weltwirtschaftsforum in der Schweiz. Bild: AFP

Erst Ceta, jetzt TPP: Der kanadische Premierminister ist sich sicher, ein „progressives Abkommen“ beschlossen zu haben. Gleichzeitig spricht er eine Warnung in ungewohnter Klarheit aus.

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          Der kanadische Premierminister Justin Trudeau ist mit einer starken Botschaft für den Freihandel zum Weltwirtschaftsforum gekommen. Er gab am Mittwochabend im Schweizer Bergort Davos bekannt, dass sein Land zuvor in Tokio mit zehn asiatischen Ländern das Freihandelsabkommen TPP abgeschlossen habe. Trudeau sprach von einem „progressiven Abkommen“, das gut sei für alle Kanadier.

          Die teilnehmenden Staaten verpflichten sich dazu, Zölle und Handelsbeschränkungen abzubauen. Nicht dabei sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Deren Präsident Donald Trump hatte vor einem Jahr den Ausstieg aus den Verhandlungen beschlossen, die sein Vorgänger Barack Obama noch vorangetrieben hatte.

          Die Tür für Amerika sei „weiter offen“

          Trudeau sagte mit Blick auf den Nachbarn: „Die Tür ist weiter offen.“ Der Kanadier steht derzeit auch der Industriestaatengruppe G7 vor. Trudeau lobte auch das zuletzt mit der europäischen Union geschlossene Abkommen Ceta, gegen das vor allem in Deutschland der Widerstand groß war.

          Er mahnte aber auch, dass alle Menschen den Nutzen von Freihandel spüren müssten, nicht nur einige wenige. „Sonst wird das System scheitern“, warnte der Kanadier mit ungewöhnlich klaren Worten. An die Adresse der politischen und wirtschaftlichen Führer des Weltwirtschaftsforums richtete er den Appell: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen, die nicht in Davos sind.“

          Zuvor hatte der indische Premierminister Narendra Modi in Davos für eine stärker auf Regeln basierende Weltordnung plädiert. Ohne die Vereinigten Staaten ausdrücklich zu nennen, beklagte Modi, dass immer mehr Länder, zum Beispiel durch die Erhebung von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, mehr an sich selbst dächten als an das globale Wohlergehen. „Die internationalen multilateralen Handelsabkommen stoßen an ihre Grenzen“, beklagte Modi, der auch Zweifel an den Agenden internationaler Organisationen wie der Vereinten Nationen äußerte, da diese in vielen Ländern keine Resonanz mehr fänden.

          Das Wachstum globaler Angebotsketten ist nach Modis Worten ebenso zu einem Halt gekommen wie grenzüberschreitenden Direktinvestitionen in ärmere Länder. Dies seien schwierige Zeiten für die Globalisierung, die auch in vielen ärmeren Ländern heute kritischer gesehen werde als früher.

          Modi stellte das heutige Indien als ein Land dar, das die Globalisierung willkommen heiße und darin eine Rolle spielen wolle. Seine Regierung fühle sich einer alten Weisheit Mahatma Gandhis verpflichtet: „Ich will nicht, dass die Mauer und Fenster meines Hauses geschlossen sind. Ich will, dass die Winde der Kulturen aller Länder es durchwehen. Ich werde jedoch nicht akzeptieren, dass diese Winde meine Füße ihrer Wurzeln entreißen.“

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