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Goldman Sachs in Davos : Geld, Macht - Nutzen

Lloyd Blankfein hat lernen müssen, mit negativen Schlagzeilen umzugehen. Der Vorstandsvorsitzende von Goldman Sachs scheut trotzdem nicht die Bühne des Weltwirtschaftsforums Bild: REUTERS

Goldman Sachs gebraucht Davos als Plattform. Die Botschaft beschreibt das pragmatische Kalkül der führenden Investmentbank: Wir sind Menschen, wir stellen uns der Kritik - und ziehen Konsequenzen. Der Erfolg ist umstritten.

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          Es gibt Tage, da setzt man einfach auf das falsche Pferd. So etwas kann selbst der führenden Investmentbank der Welt passieren. Goldman Sachs jedenfalls hatte im amerikanischen Wahlkampf keinen Hehl daraus gemacht, dass vier Jahre mit Präsident Barack Obama in den Vereinigten Staaten ausreichend sind - das Geld der Bank stützte Mitt Romney von den Republikanern. Doch Romney verlor, und Anfang dieser Woche hat Obama in Washington seine zweite Amtszeit angetreten. Nun müssen die pfiffigen Banker zusehen, wie sie damit klarkommen.

          Passieren kann es auch, dass man eine Idee zur falschen Zeit hat. Als Anfang dieses Jahres die ersten Berichte gedruckt waren, Goldman wolle Bonuszahlungen in Großbritannien so verschieben, dass darauf künftig ein geringerer Steuersatz anfalle, brach nicht nur in London ein Sturm der Entrüstung los. Selbst der Premierminister schaltete sich ein. Der Tenor: Was legal sei, müsse für eine Bank wie Goldman noch lange nicht legitim sein. So etwas dürfe sich eine solche Bank einfach nicht erlauben.

          Das Durchatmen währt nur kurz

          Und manchmal reicht es einfach. Dann hat Goldman keine Lust mehr, als „vampire squid“, als gieriger Blutsauger beschimpft zu werden. Schließlich habe man mit den Skandalen, die in den vergangenen Monaten weiterhin für heftige Kritik an der Finanzwirtschaft gesorgt haben, nichts zu tun gehabt. Libor? Geldwäsche? Beihilfe zur Steuerhinterziehung? Alles nicht mit Goldman. Stattdessen wird ein Programm aufgelegt, in dessen Rahmen 10.000 schon etablierten, aber noch kleinen Unternehmen in Amerika geholfen werden soll, in eine neue Wachstumsphase einzutreten und Arbeitsplätze zu schaffen. Dann wird die ganze Website so umgekrempelt, dass die so geheimnisvolle Investmentbank dort ihr menschliches Gesicht zeigt und zu vermitteln versucht, was man macht - und wozu das Geschäft gut ist.

          Danach reist man nach Davos. Man tritt ein in das Gravitationszentrum von Klaus Schwab, des vornehmen Kritikers kapitalistischer Auswüchse. Dort wird in den Tagen, in denen das Forum läuft, ein Gesprächsmarathon mit mehr als 100 Kunden absolviert. Und man sagt, man habe die Botschaft gehört. Tatsächlich beweisen zu Beginn des Forums vorgelegte Medienanalysen, dass die Bank ihren Ruf in den vergangenen zwölf Monaten stabilisieren konnte. Andere Banken, zum Beispiel die britische Barclays, stehen wegen des Libor-Skandals in der öffentlichen Meinung viel schlechter da. Doch das Durchatmen währt nur kurz, denn dann kommt - gleichsam als Kontrapunkt - Greenpeace in die Berge von Graubünden gereist und verleiht Goldman Sachs den Schmähpreis „Public Eye Award“.

          In der Begründung heißt es, das Goldman an fast jeder größeren Krise kräftig mitverdiene. Dabei schrecke die Bank auch nicht vor Geschäften zurück, die ganze Staaten in den Ruin stürzten. So habe Goldman mit Buchungstricks die Hälfte von Griechenlands Staatsschulden gegen horrende Honorare versteckt. Zudem hätten allein die zwölf führenden Investmentbanker Boni von zusammen 100 Millionen Dollar erhalten. Goldman Sachs sei also „die Geldmaschinerie schlechthin mit einem undurchsichtigen, einzigartigen Netz an Verbündeten in höchsten Positionen“.

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