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Befragung „Global CEO Survey“ : Unter den Chefs wächst die Globalisierungs-Skepsis

Düstere Aussichten für die Globalisierung? Bild: dpa

Manager bleiben für das Wachstum so zuversichtlich wie 2016, zeigt eine Befragung unter mehr als 1000 Vorständen. Doch gerade bei den Deutschen offenbart sich ein etwas anderes Bild.

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          Trotz aller Unsicherheiten durch die politischen Veränderungen und terroristischen Bedrohungen auf der Welt sind 29 Prozent der Vorstandsvorsitzenden zuversichtlich, dass die globale Wirtschaft auch im kommenden Jahr wächst. Die Zuversicht ist damit genau so stark ausgeprägt wie im vergangenen Jahr. Nur in Deutschland blickt man von hohem Niveau etwas sorgenvoller in die Zukunft. Und doch hat sich in den vergangenen zwölf Monaten etwas Wichtiges verändert: Selbst die Entscheider sehen die Globalisierung zunehmend skeptisch.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dies ergab eine Befragung unter 1379 Managern aus 79 Ländern für den „Global CEO Survey“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC, der in diesem Jahr schon zum zwanzigsten Mal erschienen und am ersten Tage des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht worden ist. Zweifel über den positiven Einfluss der Globalisierung äußern sie insbesondere mit Blick auf die Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich (44 Prozent), im Hinblick die Fairness im globalen Steuerwettbewerb (35 Prozent) sowie auf die Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit (28 Prozent).

          In diesem Zusammenhang dürften die einschlägigen Analysen der Verteilung von Vermögen auf der Welt eine Rolle spielen, aber auch die geringe Steuerquote international tätiger Konzerne wie zum Beispiel Apple. Von positiven Auswirkungen der Globalisierung sind die Manager vor allem mit Blick auf die Freizügigkeit von Kapital, Gütern, Menschen und Informationen per se überzeugt (jeweils 95 Prozent) – doch gerade daraus ergeben sich auch die Schwierigkeiten, die zunehmend beklagt werden.

          Kulturelle und politische Abschottung nehmen zu

          In den zwei Jahrzehnten seit dem ersten Erscheinen des „CEO Survey“ konnten rund 1 Milliarde Menschen aus tiefer Armut befreit werden. Die weltumspannenden Handelsströme haben sich vervierfacht, Kapitalströme verfünffacht. Das Internet mutierte vom Nischendasein zum Motor des technologischen Fortschritts und der Globalisierung. Beides, Globalisierung und Digitalisierung, bringen die Welt zusammen.

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          In jüngster Zeit wächst aber auch das Trennende. Was in den vergangenen sechs bis sieben Befragungswellen der Vorstandsvorsitzenden vorhergesehen worden ist, wird nun deutlich spürbar: Der Rückzug ins Nationale, kulturelle und politische Abschottung nehmen zu. Deutlich mehr als die Hälfte der Befragten stimmen der These zu, dass es schwerer wird, die richtige Balance zwischen freiem und offenem globalem Handel einerseits und zunehmender nationaler Abschottung andererseits zu finden. Nur jeder zehnte Befragte widerspricht. In Deutschland stimmen der These sogar fast zwei Drittel aller Befragten zu.

          Erstmals sind zu den zentralen Themen des „CEO Surveys“ auch Konsumenten befragt worden (5351 Befragte aus den 21 Märkten, davon 29 Prozent aus Westeuropa): In den kurzfristigen Wachstumserwartungen sind die Verbraucher sogar etwas optimistischer als die Vorstandsvorsitzenden.

          Nur jeder Zehnte erwartet eine Rezession

          Allerdings ist mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) davon überzeugt, dass Wachstumsraten für ihr persönliches Wohlergehen unerheblich sind. Einig sind sich Chefs und Verbraucher über den Einfluss von Technologie auf Beschäftigung: Jeweils vier von fünf Befragten sind überzeugt, dass es in einigem oder sogar großem Umfang zu Stellenverlusten kommen wird.

          Die eigene Geschäftsentwicklung innerhalb der nächsten drei Jahre hingegen beurteilt jeder zweite Vorstandsvorsitzende optimistisch (51 Prozent). Zwei von fünf Vorstandschefs (38 Prozent) geben sogar an, „sehr zuversichtlich“ zu sein, dass das eigene Unternehmen in den nächsten zwölf Monaten wächst. Hier ist die Entwicklung erfreulich. Denn im vergangenen Jahr hatte das nur ein knappes Drittel der Vorstandschefs angegeben.

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