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Banker rechnen vor : „Es droht keine globale Schuldenkrise“

Spezialkräfte der Schweizer Polizei bewachen das Weltwirtschaftsforum in Davos. Bild: EPA

Die Verschuldung in der Welt ist seit der Finanzkrise stark gestiegen. Fachleute der Credit Suisse sorgen sich vor allem um zwei Länder.

          Die globale Verschuldung belief sich Mitte des vergangenen Jahres auf annähernd 250 Billionen Dollar oder annähernd das Dreifache der globalen Wirtschaftsleistung. Damit ist die Verschuldung in den vergangenen Jahren nicht nur absolut weiter gestiegen. Auch in Relation zur Wirtschaftsleistung bewegt sich die Verschuldung auf einem Niveau, das zuletzt im Zweiten Weltkrieg und davor in den Napoleonischen Krisen erreicht wurde. Ist daraus der Schluss zu ziehen, die Welt stehe vor einer schweren und umfassenden Schuldenkrise?

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Fachleute der schweizerischen Großbank Credit Suisse relativieren in einer umfangreichen Studie zur globalen Schuldenentwicklung diesen Eindruck. „Unsere Studie kommt zu dem Schluss, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer systemischen Krise wie jene im Jahr 2008 in Grenzen hält“, hieß es in einer Präsentation am Rande des Weltwirtschaftsforums. „Hingegen bestehen diverse punktuelle Risiken, die einer genauen Beobachtung bedürfen. Der stärkste Schuldenanstieg ist auf eine relativ geringe Anzahl von Ländern und Sektoren konzentriert.“

          In der Summe von fast 250 Billionen Dollar sind die Schulden von Staaten und Gebietskörperschaften, Unternehmen, privaten Haushalten und Finanzunternehmen zusammengefasst. Wo verbergen sich die erwähnten punktuellen Risiken? Auch wenn die Staatsverschuldung generell als ein Problem bezeichnet wird, blicken die Ökonomen der Credit Suisse unter anderem argwöhnisch nach China. „China hat seit 2008 entscheidend zum Schuldenwachstum beigetragen“, heißt es in der Studie.

          Schuldenentwicklung Amerikas „Anlass zu größter Sorge“

          Auch wenn die Staatsverschuldung Chinas nach offiziellen Zahlen nicht überaus hoch erscheine, sei zu berücksichtigen, dass ein großer Teil des Schuldenwachstums seit der Finanzkrise im Staatsbesitz befindliche Unternehmen betreffe. Deren Verbindlichkeiten müsste den Staatsschulden zugerechnet werden.

          Die Regierung in Peking sei seit einiger Zeit bemüht, wenigstens die Verschuldung der Finanzunternehmen zurückzuführen. Dieser an sich lobenswerte Prozess könne noch einige Jahre weitergehen, als Nebenwirkung aber auch das Wirtschaftswachstum belasten, heißt es bei der Credit Suisse. Die Ökonomen erwähnen auch, dass die starke Zunahme der Verschuldung in den vergangenen Jahren nicht sehr zum Wirtschaftswachstum in der Volksrepublik beigetragen habe.

          Sehr kritisch bewertet die schweizerische Großbank die Schuldenentwicklung in den Vereinigten Staaten. Dies betrifft zum einen die stark gewachsene Verschuldung der Unternehmen, aber zunehmend auch die Staatsverschuldung: „Die Staatsverschuldung in den Industrienationen ist teilweise langfristig nicht tragbar. Nach den aktuellen Prognosen gibt die Entwicklung der Staatsverschuldung in den Vereinigten Staaten den größten Anlass zur Sorge. Um wieder zu einem tragbaren Schuldenniveau zu kommen, wäre eine grundlegende Korrektur der Fiskalpolitik erforderlich, die vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Situation unwahrscheinlich erscheint.“

          Damit will die Credit Suisse nicht das Bild eines Bankrotts der Vereinigten Staaten an die Wand malen. Vielmehr erwartet sie eine Abwertung des Dollars, wenn in einer eventuellen Konjunkturschwäche die Federal Reserve die Zinsen senke und gleichzeitig die Verschuldung stark zunähme.

          Zur Lage in der Eurozone äußerte sich die Credit Suisse differenziert. „Die Finanzkennzahlen sind besser als bisweilen dargestellt“, schreiben die Ökonomen. Die Tragfähigkeit der Schulden sei jedoch wegen der immer noch lückenhaften Währungsunion und der Gefahr politischen Unheils gefährdet. In diesem Zusammenhang spiele besonders Italien eine wichtige Rolle; für Italien spreche aber, dass es einen Primärüberschuss im Staatshaushalt habe. „Italien gibt ein gemischtes Bild ab“, hieß es.

          Und wie kommt es, dass die Verschuldung historisch hoch ist, das Risiko einer globalen Schuldenkrise aber als eher gering eingeschätzt wird? Die Ursache ist in einer Kombination aus sehr niedrigen Zinsen und einem wenn auch in den meisten Ländern nicht sehr hohen Wirtschaftswachstum zu suchen.

          Das muss aber nicht so bleiben und im Falle eines steigenden Zinsniveaus sähen viele Schuldner deutlich schlechter aus als heute. Wie schnell dann Staatsbankrotte drohen, wird nach Ansicht der Credit Suisse nicht zuletzt von der Bereitschaft der Notenbanken abhängen, im Falle einer Krise Staatsanleihen zu kaufen.

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