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Diskussion in Davos : Die hohen Kosten des Menschenhandels

Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums im Kongresszentrum in Davos. Bild: AFP

Nach Schätzungen wird im Jahr Geld im Wert zwischen 800 und 2000 Milliarden Dollar gewaschen. Rani Hong erklärt, warum das nicht alles ist.

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          Rani Hong war erst sieben Jahre alt, als sie von Menschenhändlern im südlichen Indien entführt wurde. Später wuchs sie dann bei Adoptiveltern in den Vereinigten Staaten auf. Heute kämpft Hong als Vorstandsvorsitzende der Organisation Freedom Seal Global im Dialog mit Regierungen und Unternehmen gegen den Menschenhandel und gegen andere Formen der Sklaverei.

          „Es dürfen nicht nur die finanziellen Kosten von Wirtschaftsverbrechen betrachtet werden“, sagte Hong auf einer Veranstaltung des Medienkonzerns Refinitiv am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Die menschlichen Kosten sind ebenfalls erheblich.“

          Als geradezu empörend betrachtet sie die Strafen, die Menschenhändler vor allem in Südostasien erwarten. „Viele befinden sich nach sechs Monaten Gefängnis wieder auf freiem Fuß“, schildert sie.

          Menschenhandel ist auch ein finanzielles Verbrechen. „Manche Verbrecher stellen Kreditkarten auf die Namen ihrer Opfer aus, um so illegale Zahlungen zu verschleiern“, sagte Hong. „Andere benutzen ihre Opfer als Drogenkuriere.“ Manche Verbrecher nutzen moderne Formen der Technologie. „Zwischen den Kriminellen auf der einen Seite und den Finanzhäusern und staatlichen Stellen auf der anderen Seite findet ein technologisches Wettrüsten statt“, berichtete Tim Adams, der Präsident des Institute of International Finance (IIF), einer vor allem von internationalen Banken getragenen Organisation.

          Zu wenig Aufklärung

          Dem Eindruck, dass die Verbrecher oft einen Vorsprung vor den Kämpfern gegen das Verbrechen haben, wollte Adams nicht widersprechen: „Es gibt Länder, in denen Regulierer nicht einmal wissen, was Künstliche Intelligenz überhaupt ist.“

          Zahlen über verbrecherische Geldbewegungen auf der Welt sind wenig zuverlässig. Nach Schätzungen wird im Jahr Geld im Wert zwischen 800 und 2000 Milliarden Dollar gewaschen; das entspricht 2 bis 5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Die großen Unternehmen geben heute rund 3 Prozent ihres Umsatzes für die Bekämpfung von Verbrechen aus – Tendenz steigend.

          Aber die Aufklärungsquoten bleiben gering. Im vergangenen Jahr wurden von Finanzhäusern in den Vereinigten Staaten 2 Millionen und in Großbritannien eine halbe Million verdächtiger Geldbewegungen an die Behörden gemeldet. Aber es geschah nicht viel, obgleich gerade Großbritannien als besonders engagiert in der Bekämpfung finanzieller Verbrechen gilt.

          Zwei wichtige Verbesserungsvorschläge hatte Adams parat. Zum einen müssten die staatlichen Stellen finanziell besser ausgestattet werden; außerdem brauche es eine bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den Finanzhäusern und den staatlichen Stellen. Die internationale Zusammenarbeit leidet vor allem unter unterschiedlichen nationalen Regelungen zum Persönlichkeits- und Datenschutz. Den europäischen Regierungen empfiehlt Catherine de Bolle, Direktorin bei Europol, eine baldige Umsetzung der im vergangenen Jahr in Brüssel beschlossenen Fünften EU-Richtlinie zur Bekämpfung der Geldwäsche.

          De Bolle verwies noch auf ein weiteres Problem in der Zusammenarbeit zwischen Banken und staatlichen Stellen. So funktioniere die Finanzierung von Terrorismus vor allem auf der Basis kleiner und unregelmäßiger Zahlungen. Die Banken würden aber vor allem größere Zahlungen melden, die ihnen verdächtig vorkämen. „Die staatlichen Verbrechensbekämpfer müssen den Finanzhäusern mehr Informationen zukommen lassen“, sagte de Bolle.

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