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Davos : Kommt das hyper-personalisierte Internet?

Kommt nun das hyper-personalisierte Internet? Bild: dpa

Das Internet soll für alle Nutzer sicherer werden. Doch wie kann das funktionieren? Die Lösung heißt hyper-personalisiertes Internet.

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          Das Internet muss in den kommenden Jahren so umgebaut werden, dass es dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis seiner Nutzer Rechnung tragen kann. Diese Forderung formulierte Paul Jacobs, der Verwaltungsratsvorsitzende des amerikanischen Anbieters von Mobilfunktechnik Qualcomm, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Das Internet sei in seiner Historie „von unten nach oben“ gewachsen, ohne dass dabei viele Gedanken an Sicherheit und Datenschutz verschwendet worden seien. „Das müssen wir ändern“, sagte Jacobs – und sein Konzern arbeite daran. Allerdings gelte es, dafür zu sorgen, dass zum Beispiel der Staat weniger selbstverständlich als bisher auf bestimmte Daten zugreifen könne. Und auch für Nutzungsbedingungen, die man bei diversen Angeboten im Internet akzeptieren müsse und die vermutlich so gut wie niemand lese, brauche man einen neuen Ansatz, sagte Jacobs.

          Er könne sich vorstellen, dass Nutzer in Zukunft bestimmte Typen grundsätzlicher Einwilligungen hinterlegten – über die sie dann inhaltlich aber auch Bescheid wüssten. Unter diesen Voraussetzungen indes steht für Jacobs dem, so wie er es nennt, „hyper-personalisierten“ Internet nichts mehr im Weg. Das mobile Internet und die zugehörigen Endgeräte würden sich zu einer Art „digitalem siebten Sinn“ entwickeln – und Jacobs empfindet dieses Szenario nicht als Bedrohung. Vielmehr freut er sich auf die Vernetzung von Menschen und Dingen – bis hin zu einer Zukunft, in der Technik dazu in der Lage sein wird, laufend das menschliche Blut zu analysieren um darin Hinweise auf Krankheiten wie zum Beispiel Krebs zu erkennen.

          Ein Ende ist nicht abzusehen

          Jacobs, der recht unprätentiös auftritt und wohl auch deshalb trotz der großen Bedeutung seines Unternehmens in der Mobilfunktechnik nie zu einem Star der Branche geworden ist, klingt sehr glaubwürdig, wenn er die Zukunft beschreibt – denn er hat in den vergangenen Jahren erlebt, wie stürmisch sich seine Branche entwickelt hat. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Jahr 2014 hat die Mobilfunkindustrie Umsätze in Höhe von fast 3,3 Billionen Dollar gemacht, mehr als 11 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Das hatte Qualcomm jüngst von der Boston Consulting Group (BCG) analysieren lassen.

          Innerhalb von weniger als 15 Jahren ist die Zahl der besonders schnellen Mobilfunkverbindungen über das sogenannte 3G- und 4G-Netz auf nahezu 3 Milliarden angewachsen. Bis zum Jahr 2020 wird eine Zahl von über 8 Milliarden Verbindungen erwartet. Um das volle Potential mobiler Technologien zu nutzen, sind in den kommenden fünf Jahren nach Ansicht der BCG allerdings erhebliche Investitionen in Forschung und Entwicklung notwendig. Zwischen 2009 und 2013 wurden mehr als 1,8 Billionen Dollar in die Technologie investiert; mindestens weitere 4 Billionen Dollar werden bis 2020 erforderlich sein. Paul Jacobs wird sich darauf gewiss schon heute freuen.

          Andere sind besorgt, dass die IT-Märkte und die auf der „Hyper-Personalisierung“ aufbauenden Daten-Geschäfte dauerhaft von ausländischen Konzernen dominiert werden – und die Deutschen ihre Chance verpassen. Dabei kann es sich durchaus um Vertreter amerikanischer Softwareunternehmen handeln, in diesem Fall um Wolf Lichtenstein, den für Deutschland zuständigen Geschäftsführer von SAS: „Die Bundesregierung hat eine digitale Agenda. Viel zu viele deutsche Unternehmen haben keine. Sie warten darauf, dass die Politik ihnen den Weg bahnt“, sagte er dieser Zeitung am Rande des Weltwirtschaftsforums.

          Dabei seien sie den Amerikanern nicht unterlegen: „Sicher, Google und Co. haben respektable eigene Technologien für die Analyse von Massendaten entwickelt und verfügen damit über eine Schlüsselkompetenz der digitalen Wirtschaft.“ Es gebe aber zum Beispiel Big-Data-Analytics-Programme, die frei auf dem Markt verfügbar seien. „Jeder Unternehmer kann das nutzen und in seinem Geschäftsfeld sogar besser sein als die großen Datensammler“, sagt Lichtenstein.

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