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Davos 2019 : Spahn will Krebs heilen, nicht auf den Mond fliegen

Jens Spahn (CDU) und der Schweizer Innenminister Alain Berset in Davos. Bild: dpa

Der Bundesgesundheitsminister hat eine neue Initiative im Kampf gegen Krebs angekündigt. Derweil erkranken immer mehr Menschen – und die Medikamente werden immer teurer.

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          Immer mehr Menschen erkranken an Krebs, die Kosten für neue Medikamente steigen so stark wie nie zuvor, die Heilungschancen verändern sich. Für Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist das Grund genug, am kommenden Dienstag gemeinsam mit Forschungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) sowie dem Deutschen Krebsforschungszentrum und der Deutschen Krebshilfe die „Nationale Dekade gegen den Krebs“ auszurufen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          „Unser Ziel ist es Forschung und Krankenhäuser besser zusammenbringen“, sagte Spahn auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Biotech-Unternehmen müssten besser eingebunden werden, Familien und Patienten.

          Eine deutsche Initiative allein reiche zudem nicht aus. „Nach den Europawahlen ist es mein Ziel, ein solches Projekt auch in Europa zu beginnen“, sagte Spahn. Andere Nationen hätten sich entschieden, wieder zum Mond zu fliegen, die Menschen hätten aber mehr davon, wenn in Initiativen mit konkretem Nutzen für jeden einzelnen Patienten investiert werde.

          „Wir sind nicht erfolgreich genug“

          Tatsächlich wird Krebs mit der alternden Bevölkerung auf der ganzen Welt ein immer größeres Problem. Allein im vergangenen Jahr sind 18,1 Millionen neue Erkrankungen diagnostiziert worden, und 9,6 Millionen Menschen sind im selben Jahr an ihrer Krankheit gestorben.

          Die Krankheit wird auch in immer mehr Schwellenländern zu einem ernsten Problem. „Trotz aller Fortschritte sind wir im Kampf gegen Krebs nicht erfolgreich genug. Zudem werden die Menschen werden immer älter, dadurch ergeben sich Veränderungen im Erbgut der Menschen, die noch viel zu wenig erforscht sind“, sagte Julie Louise Gerberding, Managerin des amerikanischen Pharmakonzerns MSD.

          Auch wegen der stark steigenden Forschungsaufwendungen sind die Preise für die neuen Krebsmedikamente erheblich gestiegen. Im Jahr 2017 betrug der Durchschnittspreis für eine Gesamttherapie 100.000 Euro; im vergangenen Jahr ist kein neues Medikament auf den Markt gekommen, dessen Kosten für eine Gesamttherapie weniger als 100.000 Euro betragen hätten.

          „Die Medikamente sind so teuer, weil sie wirken“, sagte Gerberding. Die Kosten ließen sich besser kontrollieren, sobald man besser wisse, wer wie reagiere. Zudem hätten die Therapien gegen Aids gezeigt, dass Preise auch wieder sinken könnten.

          Derzeit aber sei die überraschend gute Wirkung der neuen Immuntherapien Grund genug, weiter viel Geld in die Forschung zu stecken. „Viele, die auf Immuntherapie ansprechen, sind schon sehr alt. Das Immunsystem wird also stark angesprochen, aber wie kann das in dem Alter noch sein? Solche Dinge müssen wir herausfinden“, sagte Gerberding.

          Hiroshi Mikitani, der Vorstandsvorsitzende des japanischen Internetunternehmens Rakuten, hofft zudem auf neue Einflüsse auf die Krebsforschung durch die immer größere Bedeutung der Informationstechnologie: „Das Start-up-Denken aus dieser Szene wird Unternehmergeist in Medikamentenentwicklung hinein bringen.“

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