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Davos : Großes Kino in den Bergen

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sind ab Dienstagabend wieder glanzvolle Auftritte garantiert. Eine umfassende Bilanz fällt nüchterner aus. Unser Autor ist seit 16 Jahren dabei - und schildert seine Eindrücke.

          Nach 16 Jahren steht das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos nicht mehr in meinem Kalender. Genug des Rummels in den Bergen, des Gegensatzes zwischen vollmundiger Weltverbesserungsrhetorik und simplen Geschäftsanbahnungen, genug auch der Selbstdarsteller unter den Vertretern aus Wirtschaft und Politik sowie der mehrfach irrigen Prognosen. Der Trubel, der zusammen mit den umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen inklusive Armeeeinsatz Davos in der letzten Januarwoche zu einer Festung macht, überlagert indes einen Jahresauftakt nach Maß: Die vielen Veranstaltungen mit hochkarätigen Teilnehmern und Themen aus fast allen Lebensbereichen bringen die mehr als 2500 Teilnehmer stets auf neue Ideen für das gesamte Jahr. Darüber hinaus ist das WEF eine Kontaktbörse, die ihresgleichen in der Welt sucht. Insofern erscheint das jährlich laut verkündete Motto am WEF-Sitz im noblen Genfer Vorort Cologny zweitrangig.

          Wer das erste Mal nach Davos kommt, fühlt sich fast erschlagen von der Fülle an Aktivitäten und Terminen in der höchstgelegenen Stadt der Alpen. Der Veranstaltungsreigen beginnt um 7 Uhr morgens mit informellen Arbeitsfrühstücken, gefolgt vom offiziellen Programm, und endet meist erst gegen Mitternacht nach den letzten privaten Einladungen. Die Vorstandsvorsitzenden der 1000 bedeutendsten Unternehmen in der Welt, die den Kern des früheren Managertreffens von 1971 bilden, stellen fast unisono fest: Für uns ist Davos der bedeutendste Branchentreff des Jahres.

          Natürlich gibt es amtsbedingte und auch unfreiwillige Wechsel. Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers spielte bis zu ihrem Untergang in der Finanzkrise eine wichtige Rolle auf dem WEF. Unter den Vertretern aus Deutschland waren einst zum Beispiel Post-Chef Klaus Zumwinkel, Klaus-Peter Müller von der Commerzbank, Siemens-Mann Heinrich von Pierer, Eckhard Cordes von Metro und Thomas Middelhoff, ehemals Bertelsmann und Arcandor, immer wieder dabei. Zu den Stars über die Jahre zählt auf der anderen Seite neben dem Davos-Fan Angela Merkel bis heute ein Mann, der sich früher, mit einem kleinen Notizbuch versehen, in den Veranstaltungen meist in die hinteren Reihen setzte. Sein Name: Ferdinand Piech, der mächtigste Auto-Patron zumindest in Europa.

          Alle reisen in die Berge, weil auch die anderen erscheinen

          Unauffällig wirkt auch der Mann, an dem die Jahreshauptversammlung der Weltelite nach wie vor hängt: Klaus Schwab, 75 Jahre alt, geboren in Ravensburg und Gründer des WEF. Sein Englisch ist gewöhnungsbedürftig, sein Auftritt wirkt stets etwas sehr formell. Aber Schwab macht allen vor, wie man Netzwerke knüpft und erhält. Als „nachdenklicher Kapitalist“, wie er sich gerne bezeichnet, hält der Deutsche mit Schweizer Ehefrau die Kameradschaftstreffen der Wichtigen am Leben. Sie reisen alle in die spezielle Atmosphäre der verschneiten Berge, weil Schwab garantiert, dass auch die anderen erscheinen.

          Schon mein erstes WEF geriet zu einem Schlüsselerlebnis. Es war die Asien-Krise, welche 1998 die Gemüter bewegte. Viele lauschten dem mexikanischen Präsidenten Ernesto Zedillo. Sein Land hatte drei Jahre zuvor schwere Finanzturbulenzen zu bewältigen, ausgelöst durch einen Kapitalschub aus dem Ausland in den Jahren zuvor. Geholfen habe ein finanzielles Rettungspaket, das größer war als für den Augenblick gedacht, sowie reichlich Liquidität in Hartwährungen für die Banken, sagte der Mexikaner. Das klingt für die jüngste Wirtschaftskrise vertraut. Wer in den Aufzeichnungen von damals blättert, kann sein Gespür für die heutige Situation schärfen.

          Zugleich zeigt das jährliche Treffen, welche Veränderungen in der Weltwirtschaft möglich sind, wenn sie nur entschlossen angepackt werden. Wie aus einer anderen Zeit hallt das Urteil über Deutschland als dem kranken Mann Europas aus dem Forum von 2002 in New York nach. Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf E. Breuer sagte damals zerknirscht: „Wir tragen nun einmal im Wachstum die rote Laterne in Europa.“

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