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Davos : Gemeinsam gegen die Hacker

Gegen Hacker muss gemeinsam vorgegangen werden. Bild: dpa

Die Gefahr von Hackern dürfe man nie unterschätze, raten Fachleute in Davos. Sie fordern Kooperation und mahnen, dass traditionelle Sicherheitskonzepte nicht mehr ausreichen.

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          Israelische Fachleute für Computersicherheit haben Unternehmen auf dem Weltwirtschafsforum in Davos dazu aufgefordert, beim Thema Cybersicherheit sehr viel stärker als bisher zusammenzuarbeiten. „Sie müssen besser in Netzwerken kooperieren, viel mehr Informationen über Hackerattacken austauschen und dabei voneinander lernen“, sagte Nadav Zafrir, ein ehemaliger General der israelischen Armee, der auf dem Gebiet nun als Unternehmer tätig ist. Avi Hasson, der Chefwissenschafter der israelischen Regierung, pflichtete ihm bei: „Ohne das Wissen von Wettbewerbern, Wissenschaftlern und die Erkenntnis von Regierungen kann man der Bedrohung nicht mehr begegnen.“

          Zudem dürfe man die Gefahr zu keinem Zeitpunkt unterschätzen. „Die erfolgreichen Hackerangriffe, von denen wir erfahren, sind nur ein winzig kleiner Teil dessen, was sich jeden Tag auf der Welt abspielt“, sagte Hasson. Es reiche auch nicht mehr, schneller zu sein als ein Wettbewerber. „Denn es ist möglich, dass es der Hacker gar nicht auf den Konkurrenten abgesehen hat, sondern ganz gezielt auf Ihr Unternehmen – aus welchem Grund auch immer“, sagte Zafrir. Die jüngsten Angriffe auf Sony seien dafür ein gutes Beispiel. Das Unternehmen sei gezielt ausgewählt worden, und eben nicht der Wettbewerber Walt Disney.

          Cyber-Sicherheit ist mehr als eine technische Angelegenheit

          Damit steht für die Fachleute in Davos fest: Cyber-Sicherheit ist mehr als eine technische Angelegenheit, sie hat sehr viel mit den handelnden Personen zu tun. „Sichere Organisationen entstehen nur dann, wenn man einige sehr harmlos klingende Dinge, nämlich Kooperation, Partnerschaft und Kompetenz, mit der sichersten Hard- und Software kombiniert“, sagte auch Luis Alvarez, der Vorstandsvorsitzende von BT Global Services, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos im Gespräch mit dieser Zeitung. Denn Cyberangriffe würden technisch immer ausgefeilter und heimtückischer, Alvarez spricht von „Multi-Vektor-Hacking gegen gewöhnliche Organisationen“. Allein das Wort klingt schon bedrohlich genug, selbst wenn man kaum in der Lage ist nachzuvollziehen, worum es dabei technisch genau geht.

          Traditionelle Sicherheitskonzepte jedenfalls, wie etwa Firewalls und oder sogenannte „Intrusion-Prevention“-Systeme, die Eindringlinge abwehren sollen, böten nicht mehr den nötigen Schutz vor den neuesten Techniken der Hacker. Das sei auch der Grund dafür, warum immer wieder auch namhafte Unternehmen Cyberangriffen zum Opfer fielen. Die Folge seien Datendiebstahl, finanzielle Verluste und Schäden für den Ruf der Marke. Insofern sei es unglaublich, dass nach den Ergebnissen einer von BT in Auftrag gegebenen Umfrage 69 Prozent der Vorstandsvorsitzenden die Sicherheit ihrer IT-Systeme und Daten noch immer nicht ernst genug nähmen, findet Alvarez.
          Die Fachleute aus Israel machen sich über die weitere Entwicklung keine Illusionen: „Das Rennen mit den Hackern um die ausgefeilteste Technik wird nie zu Ende sein, bei diesem Thema wird man sich nicht mehr zurücklehnen können“, sagte Zafrir. Man müsse auch lernen, dass es nicht möglich sei, alle Daten zu jedem Zeitpunkt zu schützen. Gerade deshalb sei es entscheidend, jederzeit die wichtigsten Daten unter Kontrolle zu behalten.

          Für Alvarez ist noch ein weiterer Punkt wichtig: „Die Mitarbeiter sind oft die Ursache für Sicherheitsverletzungen, nicht absichtlich, sondern einfach aus Unwissenheit oder Unachtsamkeit.“ Zu viele Unternehmen würden ihre Mitarbeiter in Fragen der Computersicherheit nicht ausreichend schulen. Aber die Entwicklung einer sicherheitsbewussten Kultur müsse – wie bei allen kulturellen Fragen – von den Führungskräften kommen. Gerade in diesem Punkt gibt es nach Ansicht von Alvarez viel zu große Defizite in den Unternehmen, und das gelte ganz besonders mit Blick auf die Sicherheitsbedrohungen im mobilen Internet.

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