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Davos : Die Flut an Falschinformationen weckt Interesse an Seriosität

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales in Davos Bild: Reuters

Warum sich „Fake News“ so schnell verbreiten, ist auch Thema in Davos. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales sieht im Bedürfnis vieler Menschen an mehr Seriosität gute Chancen für Qualitätsmedien.

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          Das Vertrauen vieler Menschen in die von ihnen konsultierten Medien ist erschüttert, aber gerade in einer Zeit, in der Falschinformationen für viele Menschen ein Ärgernis darstellen, bieten sich für Qualitätsmedien gute Chancen, Kunden zu gewinnen. Diese Botschaft spielte eine wichtige Rolle in einer Veranstaltung des Medienunternehmens Reuters in Davos. Nach einer Befragung in 38 Ländern vertrauten nur 49 Prozent der Menschen den von ihnen genutzten Medien, sagte Rasmus Kleis Nielsen, der Direktor des Reuters Institute. Dabei seien von Politikern geäußerte und von Medien häufig unkritisch verbreitete Falschinformationen kein neues Phänomen. Als Beispiele nannte Nielsen Angaben amerikanischer Politiker im Irak-Krieg sowie das Leugnen des menschlichen Beitrags zum Klimawandels durch manche Politiker.

          In der Veranstaltung herrschte Konsens, dass die grundsätzliche positive Möglichkeit von Menschen, sich in sozialen Netzwerken zu äußern, die Verbreitung von Falschinformationen erheblich erleichtert. Denn in vielen sozialen Medien existiert keine ausreichende Möglichkeit, Beiträge vor ihrer Veröffentlichung auf Richtigkeit zu kontrollieren.

          Die Neigung vieler Menschen, nur Informationen für richtig zu halten, die ihrem Weltbild entsprechen, trägt dann zur Bildung sogenannter Echokammern oder Filterblasen bei, in denen Gleichgesinnte sich kritiklos zusammenschließen. Mit ihren Algorithmen, die Nutzern vor allem solche Informationen anbieten, die zu ihrem Profil passen, trügen die sozialen Netzwerke zu diesen Tendenzen bei, sagte Hao Li, Professor für Computerwissenschaften an der University of Southern California.

          Die Diskussionsrunde in Davos: Moderatorin Alessandra Galloni, die frühere Premierministerin von Neuseeland Helen Clark, der indische Zentralbanker Rajnish Kumar, Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, der Informatiker Hao Li und der Direktor des Reuters-Instituts Rasmus Kleis Nielse (v.l.n.r.)

          Gegen eine generelle Verdammung sozialer Medien wandte sich entschieden Jimmy Wales, der Gründer von Wikipedia. Die Wikipedia sei alles andere als perfekt, aber sie habe ein Modell entwickelt, wie an der Sache interessierte Menschen unentgeltlich an der Sicherung der Qualität von in Wikipedia veröffentlichten Angaben arbeiteten. "Fake News ist für uns kein großes Problem", sagte Wales. Aus dem Interesse vieler Menschen an und ihrem Engagement für Seriosität leite sich ein Potential für Qualitätsmedien ab, auch zahlende Kunden zu gewinnen. 

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