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Davos : Deutsche Manager werden pessimistischer

Mit dem Flugzeug nach Davos Bild: dpa

Die Flüchtlingskrise wird zu einem großen Risiko, denn unter den Managern wächst die Angst vor gesellschaftlichen Verwerfungen. Optimisten haben es derzeit schwer.

          3 Min.

          Die Wirtschaft wächst, den Unternehmen geht es glänzend, aber zum Jahresauftakt ist die Stimmung unter den Managern auf der Welt trotzdem schlecht. Das hat in Deutschland auch mit der Flüchtlingskrise zu tun. Zu wenig gesellschaftliche Stabilität wird in den Augen der Manager zu einem ernstzunehmenden Wachstumsrisiko. In den Prognosen für 2016 herrscht damit große Einigkeit: Es wird kein Erfolgsjahr. Nur noch 27 Prozent der Topmanager glauben, dass sich die Weltwirtschaft in diesem Jahr verbessern wird; das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Großkonzerne und kleinere Unternehmen beobachten mit Sorge, dass geopolitische Auseinandersetzungen zunehmen, die staatliche Regulierung zunimmt und Währungsschwankungen die Exporte erschweren, Letztere vor allem geprägt durch die Entwicklung des Ölpreises und die wirtschaftliche Situation Chinas. Darüber hinaus verunsichert viele die Geschwindigkeit von Veränderungen durch neue Technologien und die zunehmende Cyberkriminalität. In der Summe sehen 66 Prozent der Topmanager mehr Gefahren für Wachstum als vor drei Jahren, das sind sieben Prozentpunkte mehr als 2015.

          Bild: F.A.Z.

          In den deutschen Chefetagen herrscht zumindest größere Klarheit als im vergangenen Jahr, je nach Gemütslage im Guten oder im Schlechten: Damals gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, die Weltwirtschaft werde mehr oder weniger stabil bleiben, waren also eher unentschieden in ihrer Einschätzung. „Nun sehen wir mit 40 Prozent zwar mehr Optimisten, aber auch doppelt so viele Pessimisten wie im Vorjahr: 24 Prozent der deutschen Manager erwarten eine schrumpfende Weltwirtschaft“, sagt Norbert Winkeljohann, der Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungshauses PWC - und blickt dabei auf die Daten einer Umfrage unter 1409 führenden Managern aus 83 Ländern, die PWC nun schon zum 19. Mal zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos vorgelegt hat.

          „Nur die Schweizer Manager sind noch pessimistischer als ihre deutschen Kollegen“

          Obwohl die Befragung schon Mitte November abgeschlossen wurde, gibt es einen klaren Hinweis darauf, wie groß die Sorgen der deutschen Manager gerade beim Thema Flüchtlinge geworden sind: Im Januar 2015 gaben nur 28 Prozent der deutschen Manager an, dass fehlende gesellschaftliche Stabilität eine Gefahr für das Wachstum ihres Unternehmen darstellt. Daraus sind in diesem Jahr nun 57 Prozent geworden, der Wert hat sich also verdoppelt. „Und nur noch 28 Prozent der deutschen Manager rechnen für dieses Jahr damit, dass ihr Unternehmen Wachstum erzielen wird“, fährt Winkeljohann fort: Das seien sieben Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. „Nur die Schweizer Manager sind weltweit noch pessimistischer als ihre deutschen Kollegen“, sagt der deutsche PWC-Chef. „Wir sind in schwierigen Zeiten - und das wird sich in diesem Jahr nicht ändern.“

          Mittelfristig seien die deutschen Manager aber etwas optimistischer. So sehen zwar 60 Prozent von ihnen mehr Risiken für Wachstum als vor drei Jahren, aber das sind immerhin zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Für die nächsten drei Jahre sind 45 Prozent der deutschen Manager sehr zuversichtlich, Wachstum für das eigene Unternehmen erzielen zu können. „Angesichts all der Veränderungen und Unsicherheiten ist das ein Lichtblick, aber auch nicht mehr“, sagt Winkeljohann. Die Topmanager auf der ganzen Welt indes setzten denn auch nach wie vor große Hoffnungen in den deutschen Markt: Hinter den Vereinigten Staaten und China liege Deutschland auf Rang drei der ertragreichsten Exportziele.

          Am meisten überrascht hat Winkeljohann die einhellige Einschätzung der Befragten, dass eine echte „Globalisierung“ der Wirtschaft eher eine Utopie bleibe: Statt politischer oder wirtschaftlicher Unionen, auf der ganzen Welt geltender Handelsrechte, gemeinsamer Werte und einer Weltbank in einem einzigen großen Weltwirtschaftsraum erlebten und erwarteten die Manager auch für die Zukunft verstärkt national abgeschottete Märkte mit unterschiedlichen Wirtschaftssystemen, höchstens regionalen Wirtschaftsräumen, unterschiedlichen Gesetzen und Wertesystemen sowie lokalen Bankinstituten. Die jüngsten Erfahrungen in der EU trügen zu dieser Meinung ebenso bei wie die schwierigen Verhandlungen vieler Handelsabkommen, zu denen auch das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP gehöre. Nur im freien Zugang zum Internet sehen 72 Prozent der Manager noch einen echten Globalisierungstreiber.

          In einem Punkt indes sind nach den Worten von Winkeljohann keine großen Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr zu sehen: Einstellungen planen 43 Prozent und damit ein etwas größerer Anteil als 2015. Einen Personalabbau sieht jedes dritte Unternehmen in Deutschland, auch hier stieg die Zahl etwas an. Dennoch werden weiterhin qualifizierte Mitarbeiter gesucht: 60 Prozent der deutschen Manager sehen hier einen Mangel auf dem Arbeitsmarkt.

          Aus Sicht der Wirtschaft sei deshalb zu hoffen, dass es gelingen wird, die in Deutschland bleibenden Flüchtling möglichst gut zu integrieren, was gerade auch für die Arbeitswelt gelte. „Denn wir dürfen nicht vergessen, dass in Deutschland langfristig dringend Arbeitskräfte benötigt werden - wir gehen davon aus, dass durch den demographischen Wandel bis zum Jahr 2030 zwischen zwei und vier Millionen Erwerbstätige weniger zur Verfügung stehen werden“, sagt Winkeljohann.

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