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Nachhaltigkeit in Davos : Das Meeresplastik kommt wieder ins Regal

Plastikmüll am Strand von Ko Sih Chang, einer Insel im Golf von Thailand Bild: dpa

In Davos ist der Kampf gegen Plastikmüll eines der großen Nachhaltigkeitsthemen. Unternehmen wie Procter&Gamble arbeiten an Methoden, um altes Plastik wiederzuverwenden.

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          Virginie Helias erinnert sich gut an das Weltwirtschaftsforum 2017. Damals stellte der amerikanische Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) gemeinsam mit dem Entsorgungsspezialisten Terracycle eine neue Flasche für sein Shampoo Head & Shoulders vor. Das Besondere: Sie wurde zu einem großen Teil aus recycelten Plastikflaschen hergestellt, welche an Meeresstränden eingesammelt worden waren. Die internen Reaktionen aus dem Management seien überaus positiv gewesen, sagt die oberste Nachhaltigkeitsmanagerin im Konzern. „Viele fanden die Idee toll, da hat erstmal keiner gefragt, ob sich das auch rechnet.“ Anschließend wurden die Flaschen zunächst in Supermärkten der französischen Carrefour-Kette verkauft, später auf insgesamt 20 Länder ausgeweitet. Bis heute sind rund eine Million Flaschen über die Ladentheke gegangen. Ein anderes Projekt ist derzeit in der Umsetzung: Wenn in diesem Sommer die Gewinner der Olympischen Spiele in Tokio ihre Medaillen in Empfang nehmen, werden sie auf Podesten stehen, die ebenfalls aus Ozean-Plastik gemacht sind. Das Material sammelt P&G gerade ein.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          Solche Erfolge sind Leuchttürme, denen auch dank geschickter Vermarktung viel Beachtung geschenkt wird. Das eigentliche Problem des Plastikmülls in den Weltmeeren lässt sich dadurch jedoch nicht in den Griff bekommen, das weiß auch Virginie Helias. Doch in den vergangenen Jahren habe sich eine neue Dynamik entwickelt. „Die Frage ist heute nicht mehr, ob etwas getan werden muss, sondern was.“ Mittlerweile versuchten das die Unternehmen nicht mehr im Alleingang, sondern Wettbewerber arbeiteten zunehmend zusammen. Nur so könnten letztlich marktnahe Lösungen zustande kommen, die der Konsument auch akzeptiert. Denn nur rund 15 Prozent der Konsumenten seien bereit, spürbare Preiserhöhungen für den Umweltschutz klaglos in Kauf zu nehmen. Der Rest reagiere sehr sensibel auf höhere Ausgaben. Procter&Gamble hat sich einer Allianz gegen die Verschwendung von Plastik angeschlossen. Der Organisation mit Sitz in London gehören aus Deutschland Henkel und BASF an. Ziel sei es, sinnvolle und abgestimmte Projekte auf den Weg zu bringen. „Denn es mangelt nicht am Geld, sondern an den Projekten“, sagt Helias.

          In Davos ist der Kampf gegen Plastikmüll eines der großen Nachhaltigkeitsthemen. Der Getränkekonzern Coca-Cola und der chinesische Onlinehändler JD.com starteten zum Beispiel eine gemeinsame Initiative im Reich der Mitte zur Wiederverwertung von Einwegflaschen. In Schanghai läuft schon ein Pilotprojekt für 50.000 Haushalte: Wenn JD-Mitarbeiter die bestellte Ware ausliefern, sammeln sie gleichzeitig alte Plastikflaschen für die Wiederaufbereitung ein. Geplant ist eine Ausweitung auf weitere Städte. Coca-Cola hat vor zwei Jahren das Ziel ausgegeben, bis 2030 alle seine Verpackungen wiederverwerten zu wollen. Eine große Bühne bereitete das Weltwirtschaftsforum auch der 19 Jahre alten Indonesierin Melati Wijsen, die 2013 zusammen mit Ihrer Schwester auf Bali die Initiative „Bye bye plastic bags“ gründete. Nicht zuletzt dank des Engagements der beiden Schwestern gilt seit vergangenem Jahr ein Verbot von Plastiktüten auf der Insel. In Davos gehört sie zu einer Gruppe von jungen Personen, die durch ihr Engagement einiges erreicht haben.

          600.000 Tonnen Plastik am Ganges

          Das Plastikproblem der Ozeane müsse an der Wurzel angepackt werden, sagt auch P&G-Managerin Helias. Und die liege vor allem in Asien, da das meiste Meeresplastik aus den fünf Ländern China, Indonesien, Vietnam, Thailand und den Philippinen stamme. 93 Prozent dieses Abfalls werden aus zehn Flüssen in die Ozeane gespült, die fast alle in Asien liegen. Deshalb hat die Plastikallianz 2019 ihr erstes Projekt am Ganges gestartet, dem drittlängsten Fluss der Welt, in dem jedes Jahr zusätzlich 600.000 Tonnen Plastik landen. Über gezielte Kampagnen sollen die Fluss-Anwohner über die Folgen der Vermüllung aufgeklärt. Außerdem wird den Kommunen entlang des Flusses dabei geholfen, das Plastik aus dem Fluss zu fischen und dank moderner Technik wieder zu verwerten. Das kann sich durchaus lohnen, denn es handelt sich um eine begehrte Ressource.

          Bis zum Jahr 2025 fehlen Schätzungen der Ellen MacArthur Foundation zufolge rund 5 Millionen Tonnen, sagt P&G-Managerin Helias. Deshalb haben sich rund 30 Unternehmen zum Projekt „Holy Grail 2.0“ zusammengeschlossen, darunter auch P&G. Das Ziel ist es, die Sortierung zur Wiederverwertung effizienter zu machen. Dazu bekommen Verpackungen von Waschmitteln oder Lebensmitteln ein digitales Wasserzeichen verpasst, das in die Plastikverpackung eingearbeitet und für den Kunden praktisch unsichtbar ist. Das Wasserzeichen wird von einer Spezialkamera in der Müllsortierungsanlage ausgelesen und entsprechend sortiert. Das spare viele menschliche Arbeitsstunden, erklärt der zuständige Manager Gian De Belder. Entwickelt wurde das Projekt zwischen 2016 und 2019. Getestet wird es in Deutschland vom Sortierspezialisten Tomra in Koblenz.

          Im kommenden Jahr dann könnte das System in einem Testmarkt eingeführt werden. Deutschland sei einer der Kandidaten, verrät De Belder. Das digitale Wasserzeichen sei nicht nur auf das Recycling beschränkt, sondern könne auch in anderen Bereichen wie der Produktion oder dem Vertrieb zum Einsatz kommen. Wichtig sei, dass sich möglichst viele weitere Unterstützer fänden, sagt Nachhaltigkeitsmanagerin Helias, denn nur dann sei es wirtschaftlich zu betreiben. „Der Barcode hätte sich auch nicht durchgesetzt, wenn er nur von einem Unternehmen eingeführt worden wäre“, lautet ihr Vergleich.

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