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Adidas-Chef im Interview : „Eine Million Paar Laufschuhe aus Ozean-Plastik“

Kasper Rorsted gibt dieses Jahr seine Davos-Premiere als Vorstandsvorsitzender von Adidas. Bild: Edgar Schoepal

Kasper Rorsted ist zum ersten Mal als Adidas-Chef in Davos. Sein Blick richtet sich auf die Jugend und Projekte, wie Laufschuhe aus Plastik-Müll. Ein Thema liegt ihm ganz besonders am Herzen.

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          Herr Rorsted, wie schafft man es, in Ihrem neuen Umfeld als Chef von Adidas eine Marke für junge Leute attraktiv zu halten? Laut einer Umfrage jüngeren Datums hat unter den 14 bis 29 Jahre alten Kunden derzeit Ihr amerikanischer Rivale Nike die Nase vorn.

          2016 war ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr für uns. Wir haben ein tolles Team, dem es sehr gut gelungen ist, unsere Marke aufzufrischen, in Sachen Marken-Begehrlichkeit zuzulegen und vor allem bei der jungen Zielgruppe zu punkten. Wichtig ist es, ständig relevant für unsere junge Zielgruppe zu sein. Denn die Trends ändern sich in der digitalisierten Welt extrem schnell.

          Kann man auf dem Weltwirtschaftsforum hier in Davos denn Trends nachspüren, die in solchen Fragen weiterhelfen?

          Absolut. Jugendliche wachsen heute in einer sich schnell wandelnden Zeit auf und sind Komplexität und Ungewissheit gewöhnt. Ihr individuelles Verhalten wird stark durch das beeinflusst, was in der Welt insgesamt vor sich geht. Die Gemeinsamkeiten zwischen jungen Leuten in New York, Paris und Schanghai nehmen ständig zu, auch weil heute jeder mit der gesamten Welt vernetzt ist.

          Wir erleben das fast jede Woche, wenn wir neue Sneaker vorstellen: Über digitale Medien verbreiten sich Neuigkeiten rund um unsere Produkte in Windeseile, und die Meinungsbildung darüber, was cool und angesagt ist, findet digital und global statt. Die Diskussionen in Davos zeigen auf, welche Faktoren die nächste Generation beeinflussen werden und wie sich das Verhalten unserer Konsumenten somit entwickeln wird.

          Was bewegt junge Leute aus Ihrer Sicht heute?

          Ich nehme wahr, dass die junge Generation trotz aller Krisen weiterhin sehr optimistisch in die Zukunft blickt und neugierig auf die Welt da draußen ist. Das kann man ja zum Beispiel auch daran sehen, dass sich die jungen Erwachsenen in Großbritannien eindeutig gegen den Brexit ausgesprochen haben, weil sie die Freizügigkeit von Europa schätzen.

          Hier finden Sie die FAZ.NET-Themenseite zum Weltwirtschaftsforum in Davos

          Zudem können wir eine interessante Entwicklung beobachten. Auf der einen Seite orientieren sich unsere jungen Konsumenten verstärkt an globalen Trends, sodass die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen, global betrachtet, zunehmen. Auf der anderen Seite sind es vor allem die Themen in ihrer unmittelbaren Umgebung, die unsere junge Zielgruppe tagtäglich bewegen. Es ist der heimische Fußball- oder Basketballverein, der Freundeskreis oder die eigene Nachbarschaft, in der sie etwas bewegen möchten. Hier können sie sich ausprobieren. Das gibt ihnen Selbstbewusstsein, um im nächsten Schritt größer zu denken. Für mich ist dies das Faszinierende an dieser Generation – sie wollen sich einbringen und etwas bewirken.

          Und wie kann sich ein Unternehmen wie Adidas da einbringen – völlig jenseits des Produktmarketings?

          Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern an ganz konkreten Projekten, die den Nerv unserer Zielgruppe treffen und bei denen sie sich persönlich einbringen können. Ein Beispiel ist unsere Zusammenarbeit mit Parley for the Oceans, einer Organisation, die sich für den Schutz der Weltmeere einsetzt. Gemeinsam haben wir an Lösungen gearbeitet, wie wir Müll aus dem Ozean recyceln und somit die Verschmutzung der Meere verringern können.

          Diese Partnerschaft werden wir auch zukünftig weitertreiben und allein in diesem Jahr mehr als eine Million Paar Laufschuhe anbieten, die aus Ozean-Plastik gefertigt sind. Als Arbeitgeber setzen wir darauf, jungen Menschen früh Verantwortung zu geben und ihnen dabei zu helfen, ihre eigenen Fähigkeiten in unterschiedlichen Projekten und Aufgabenbereichen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

          Wie kann man die Arbeitnehmer künftig besser an den Automatisierungsdividenden beteiligen, die durch die Einführung von immer mehr Robotern generiert werden?

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