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Weltwirtschaftsforum in Davos : Vergesst Trump

Im vergangenen Jahr war er noch dabei: Teilnehmer verfolgen die Übertragung der Rede des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf einem großen Bildschirm beim 48. Weltwirtschaftsforums im Jahr 2018 Bild: dpa

Amerikas Präsident kommt dieses Jahr nicht zum Weltwirtschaftsforum in Davos, das heute inoffiziell beginnt. Das macht aber nichts, die Abwesenheit Trumps ist eine Chance.

          Davos muss in diesem Jahr ohne seinen „Cheerleader“ auskommen. Als einen solchen Vortänzer seines Landes hatte sich der amerikanische Präsident Donald Trump im vergangenen Jahr bezeichnet, während er auf dem Weltwirtschaftsforum in den Schweizer Alpen seinen großen Auftritt hatte. Alle wollten hören, was der mächtigste Mann der Welt zu den großen Fragen unserer Zeit zu sagen hatte. Dass daraus letztlich eine mittelmäßige Verkaufsshow in eigener Sache wurde, tat dem gewünschten Ergebnis keinen Abbruch: Die volle Aufmerksamkeit war dem Gast aus Washington gewiss.

          Ein Jahr später haben sich die Vorzeichen verändert. Der Konflikt im Kongress um Amerikas Finanzen überschattet die Innenpolitik. Wenn rund 800.000 Staatsbedienstete im längsten „Shutdown“ der Geschichte ihr Salär nicht bekommen und die öffentliche Verwaltung partiell lahmgelegt wird, macht sich eine Europa-Reise des Präsidenten nicht gut. Auch seinen Ministern für Finanzen, Handel und Äußeres strich Trump kurzerhand den Flug über den Atlantik.

          Es sind nicht die einzigen prominenten Lücken auf der Gästeliste. Großbritanniens Premierministerin Theresa May muss an diesem Montag in der Heimat zur nächsten Runde in den Brexit-Ring steigen, und der französische Präsident Emmanuel Macron bleibt ebenfalls zu Hause. Bundeskanzlerin Angela Merkel und der japanische Premier Shinzo Abe führen nun die Liste der politischen Schwergewichte an, der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro muss die Rolle des großen Unbekannten mit hohem Skandalpotential ausfüllen.

          Misstrauen gegenüber den Tech-Konzernen wächst

          Die große Polit-Show ist diesmal also nicht zu erwarten – na und? Nutzt diese Chance, möchte man dem Forum und seinen 3000 Teilnehmern zurufen: Vergesst Trump! Anstatt die gesamte Woche schon auf den finalen Auftritt hinzufiebern, müssen die Inhalte wieder stärker in den Vordergrund treten. Das Treffen im Kanton Graubünden ist vor mehr als einem halben Jahrhundert schließlich entstanden mit dem Gedanken, dass sich die Eliten fernab des Alltages über die langfristigen Herausforderungen auf der Welt Gedanken machen. Die großen Linien von ökonomischen, politischen, gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen erkennen und gemeinsam über mögliche Auswirkungen und daraus resultierende Aufgaben diskutieren, das ist der Geist von Davos. Ob es dabei um die Öffnung Chinas und die Transformation der postkommunistischen Länder nach dem Fall des Eisernen Vorhangs im vergangenen Jahrhundert ging oder die Folgen der Weltfinanzkrise vor zehn Jahren – Davos war für einen breiten Dialog eine gute Plattform.

          An Herausforderungen mangelt es auch heute freilich nicht. Klaus Schwab, der Gründer und bis heute der Mann an der Spitze des Weltwirtschaftsforums, hat in einem Beitrag in der F.A.Z. einen „Neustart für die Globalisierung“ gefordert. Es geht dabei letztlich um nicht weniger als die Aussöhnung der Gesellschaft mit der Technik. Derzeit erleben wir, dass die Segnungen der Digitalisierung nicht mehr flächendeckend als solche empfunden werden. In den klassischen Industrieländern fürchten viele Menschen um ihre Arbeitsplätze und damit ihre Existenzgrundlage, während in den Entwicklungsländern die Sorge besteht, beim nächsten Technologiesprung den Anschluss gänzlich zu verlieren. Zudem hat nach diversen Skandalen um Datenmissbrauch das Vertrauen in die großen Tech-Konzerne deutlich abgenommen. Die Facebook-Managerin Sheryl Sandberg hat gerade in einem Interview mit der F.A.S. Fehler im Umgang mit den Nutzern und ihren Daten eingeräumt und Besserung gelobt.

          Die Welt hat sich mit Schulden vollgesogen

          Doch reichen diese Selbstreinigungsprozesse der Branche aus? Oder brauchen wir nicht auf der Welt eine abgestimmte Regulierung, wenn schon aus Amerika Lob kommt für die Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union? Und würde es der Unbill der Bürger nicht entgegenwirken, wenn sie wüssten, dass die rund um den Globus agierenden Konzerne Gewinne nicht mehr dort verbuchen können, wo sie am wenigsten Steuern zahlen müssen, sondern am Ort der Wertschöpfung? So, wie der Ladeninhaber um die Ecke das auch tun muss?

          Auch sind die Folgen der Finanzkrise noch längst nicht überwunden. Die Frage, was der Auslöser einer möglichen Finanzkrise sein könnte, beschäftigt nicht nur die Profis an den Börsen. Nach dem Zusammenbruch von Lehman hat sich die Welt mit Schulden vollgesogen, um die Weltwirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Was passiert, wenn in diesem fragilen Gebilde ein Stein ins Wanken kommt? Wenn etwa Unternehmen in Schwellenländern bei einem raschen Zinsanstieg in Amerika ihre in Dollar begebenen Anleihen wie Mühlsteine um den Hals hängen?

          Die angekündigte Tempoverlangsamung der amerikanischen Notenbank Fed bringt in dieser Frage allenfalls Zeit für die Suche nach Lösungen, keine Antworten. Zu einem solchen Schritt hatte Donald Trump die Zentralbank übrigens mit barschen Worten gedrängt. Insofern hat der Mann seinen Beitrag für spannende Debatten in diesem Jahr schon im Vorfeld geleistet. Ein Cheerleader eben.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

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