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Weltwirtschaftsforum in Davos : Auf der Suche nach der neuen Welt

Der Vorhang zu und alle Fragen offen: Viele Diskussionen haben keine klaren Antworten gebracht Bild: REUTERS

Auf dem Weltwirtschaftsforum freut man sich, dass die Finanzkrise derzeit keine Rolle spielt. Für die langfristigen Herausforderungen fehlt es jedoch an Antworten.

          Davos, Konferenzzentrum, Dienstag bis Freitag: Der Winter zeigt sich selbst in Graubünden zurückhaltend. Seit Dezember sei es zu warm, verrät die Hotelwirtin bei der Anreise. Die Landschaft ist weiß, aber auf den Straßen hält sich der Schnee nicht. Dafür geht es im Konferenzzentrum weniger heiß her als in den Vorjahren, auch wenn wiederum rund 2500 Teilnehmer aus aller Welt – überwiegend Manager, Politiker, Wissenschaftler und Journalisten – gekommen sind.

          Denn die Banker sind da, aber sie stehen gut sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise dieses Mal nicht im Mittelpunkt. In der deutschen Delegation wird immerhin vermerkt, dass sich die aktuelle Führung der Deutschen Bank und der frühere Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann unter einem Dach aufgehalten haben – ein nicht alltägliches Ereignis.

          Entwarnung, oder schläft die Krise nur?

          Aber in Davos gibt es weitaus Wichtigeres: Ob die Finanzkrise vorbei ist, wie nicht wenige Teilnehmer denken, oder ob die Krise nur schläft, bleibt umstritten. Zu einer bemerkenswerten Auseinandersetzung kommt es in einer Debatte am Mittwoch. Auf der einen Seite standen mit Anthony Jenkins (Barclays) und Douglas Flint (HSBC) hochrangige Vertreter zweier britischer Großbanken. Aus ihrer Sicht ist das internationale Finanzsystem in den vergangenen Jahren sicherer geworden, weil es dank interner Wandlungen und neuer Regulierungen keine geschäftlichen Exzesse in den Banken mehr gebe, wie man sie vor der Finanzkrise gesehen habe.

          Anat Admati, Professorin in Amerika und Ko-Autorin eines mit dem deutschen Ökonomen Martin Hellwig verfassten Buches („Des Bankers neue Kleider“), hielt mit Blick auf die immer noch hohe Verschuldung vieler Banken dagegen. Admati und Hellwig fordern deutlich höhere Eigenkapitalquoten. Unterstützung erhielt Admati durch den Fondsmanager Paul Singer, dessen Vertrauen in die Solidität der Banken ebenfalls nicht sehr groß scheint. Eine Abstimmung unter den Zuhörern ergab, dass gut 60 Prozent mit Jenkins und Flint das Finanzsystem heute für sicherer halten als vor ein paar Jahren.

          Amerikas Großbanken haben mehr Spielraum

          Getragen von diesen Debatten um die Stabilität der Banken, in deren Mittelpunkt nicht zuletzt europäische Banken stehen, sehen nicht wenige Marktteilnehmer in den kommenden Jahren eine erhebliche Veränderung der Gewichte im internationalen Bankgeschäft entstehen, die eindeutig zugunsten der großen amerikanischen Banken gehen dürfte. Denn amerikanische Großbanken mögen zwar auch Strafzahlungen zu leisten haben. Aber die Politik und die Aufsichtsbehörden in den Vereinigten Staaten halten die amerikanischen Banken trotz aller Regulierungen offenbar nicht davon ab, weiterhin mit großem Aufwand Investmentbanking zu betreiben und international zu expandieren.

          Auf der Suche: Teilnehmer des Forums orientieren sich im Internet

          Über dieses Thema redet aber in Davos kaum ein Banker öffentlich, auch wenn es in informellen Zirkeln erwähnt wird. Daher ist das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr kein Ort, an dem sich revolutionäre Erkenntnisse über das Finanzwesen gewinnen lassen. Das ist auch nicht schlecht, denn die Wirtschaftsgeschichte zeigt: Langfristig sind der technische Fortschritt und eine gelungene Kombination der Produktionsfaktoren Kapital und Arbeit die Träger von Wirtschaftswachstum und Wohlstand.

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