https://www.faz.net/-gqe-a6bpk

Wegen Corona : Das Weltwirtschaftsforum findet in Singapur statt

Statt Schnee schwüle Hitze: Das WEF veranstaltet seine nächste Ausgabe in Singapur. Bild: EPA

Der Gipfel zieht im Mai aus der Schweiz in den Stadtstaat um. Es soll das erste Mal nach Beginn der Pandemie sein, dass sich die führenden Wirtschafts- und Regierungsvertreter der Welt persönlich treffen.

          2 Min.

          Das Weltwirtschaftsforum (WEF) wird seine jährliche Konferenz im Mai nächsten Jahres statt in der Schweiz in dem südostasiatischen Stadtstaat Singapur abhalten. „Nach eingehenden Beratungen und vor dem Hintergrund der derzeitigen Lage mit Blick auf die Corona-Fälle ist entschieden worden, dass Singapur die besten Bedingungen für das Treffen bietet“, heißt es beim Forum. „Der Wechsel des Standortes verweist auf die Priorität, die das Forum auf die Gesundheit und Sicherheit der Teilnehmer und der gastgebenden Gesellschaft legt.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Singapur ist es gelungen, durch einen sehr harten Kurs die Fallzahlen mit wenigen Ausnahmen auf null zu drücken. Nur zu Beginn der Krise hatte es Tausende Fälle in den Baracken der Gastarbeiter gegeben.

          Die Verlagerung des WEF „spreche laut und deutlich für das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft in Singapurs Umgang mit der Pandemie bis heute“, erklärte Singapurs Minister für Handel und Industrie, Chan Chun Sing. Zum üblichen Termin der West-Jahreskonferenz im Januar in Davos wird es lediglich einen digitalen Austausch geben. Den konkreten Umzug nach Singapur betrifft das für Mai geplante Treffen, das mit bis zu 1200 Teilnehmern ursprünglich auf den Bürgenstock in der Nähe von Luzern stattfinden sollte.

          Erst der zweite Umzug des WEF

          Es ist erst das zweite Mal, dass das WEF an einem anderen Ort abgehalten wird; aus Solidarität mit Amerika zog es 2002 nach den Anschlägen auf das World Trade Center nach New York um. 2022 soll das WEF dann wieder in Davos zusammenkommen. Zu dem Gipfel reisen traditionell Hunderte Staats- und Regierungschef, Manager und Vertreter weltweiter Institutionen.

          Singapur kämpft schon länger um seinen Rang als Veranstaltungsort von Weltrang, wie etwa beim ersten Treffen zwischen Amerikas Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un im Sommer 2018. Den Reichen hat sich die Stadt spätestens mit der Ausrichtung des ersten Formel-1-Rennens der Welt vorgestellt. Schon 2013 hatte Singapur den Ostasiatischen Wirtschaftsgipfel des WEF ausgerichtet, an dem damals rund 800 Wirtschaftsvertreter teilnahmen.

          Die Wiederauferstehung nach der Krise

          Die Nachricht der Verlagerung im kommenden Mai erhielt Singapur während einer in Hybrid-Form abgehaltenen Doppelkonferenz, dem Singapore Fintech Festival (SFF), an dem Regierungschefs und Minister, Stifter Bill Gates und Vorstandschefs wie Satya Nadella (Microsoft) und Sundar Pichai (Google) teilnehmen, und dem Asien-Gipfel des amerikanischen Milken Institute. Diese Konferenz wird erstmals rund um die Uhr – nachts treten Europäer und Amerikaner auf – abgehalten.

          Die selbsterklärte „smart nation“ Singapur will sich mit dem WEF an die Spitze der digitalen Wiederauferstehung nach der Corona-Krise setzen. Nach der Generalprobe mit der SFF bietet Singapur auch dem WEF erstmals eine „virtuelle Komponente“, um die Teilnehmerzahl heraufzufahren. Die Konferenz ist auch deshalb für Singapur wichtig, weil sie in die Zukunft weisen soll: „Ein weltumspannender Führungsgipfel ist von entscheidender Bedeutung, um herauszufinden, wie wir uns alle zusammen aus der Krise herausarbeiten können“, sagte Klaus Schwab, der Gründer des WEF. Die Konferenz soll die erste nach dem Ausbruch der Pandemie in China im vergangenen Jahr sein, wo sich „Führer aus dem Geschäftsleben, den Regierungen und der Zivilgesellschaft wieder von Angesicht zu Angesicht treffen können.“

          Weitere Themen

          Die Pandemie geht in die Verlängerung

          F.A.Z.-Newsletter : Die Pandemie geht in die Verlängerung

          Bund und Länder ringen trotz Mutanten-Gefahr um Öffnungsperspektiven. Der Streit um die Organisation der Impfungen dauert an. Wenig gestritten wurde dagegen in Baden-Württemberg. Was sonst wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.

          Mahner gegen Ungeduldige

          Lockerungs-Diskussion : Mahner gegen Ungeduldige

          Wieder gibt es kurz vor dem nächsten Bund-Länder-Gipfel zur Corona-Krise viele Forderungen. Ärzteverbände raten zur Vorsicht, die Menschen in den Bundesländern bewerten die bisherigen Maßnahmen sehr unterschiedlich.

          Topmeldungen

          Musste zurückziehen: Neera Tanden im Februar in Washington

          Amerikanische Regierung : Bidens erste Niederlage

          Neera Tanden sollte das Haushaltsbüro von Joe Bidens Regierung leiten. Ihr Scheitern im Senat zeigt das Gewicht der Zentristen in der demokratischen Partei.
          Das Finanzimperium von Lex Greensill steht vor dem Aus.

          Finanzaufsicht sperrt Bank : Aufstieg und Fall des Lex Greensill

          Hinter der in Schieflage geratenen Greensill Bank steht die steile Karriere eines australischen Bauernsohns. Die findet jetzt ein abruptes Ende: Sein Finanzimperium kollabiert, Gläubigerschutz wurde beantragt. Auch deutsche Sparer sind betroffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.