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Studie zu Weltwirtschaftsforum : Wer zweimal lügt, dem glaubt man nicht

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Bild: dpa

Die Menschen verstehen die Welt nicht mehr. Ihr Vertrauen in Institutionen und Entscheider schwindet. Vorstandschefs, Politikern und vor allem Bankern glaubt man nicht, wohl aber Freunden, Familie – und Wissenschaftlern.

          6 Min.

          Die Menschen vertrauen einander, sie glauben an ihre Familie, aber nicht mehr an ranghohe Chefs und ihre Versprechungen. Sie wollen Transparenz, sie setzen auf unabhängige Wissenschaftler. Aber sie misstrauen Innovationen und dem Profitstreben von Unternehmen. Das sind die Ergebnisse von zwei Umfragen und Analysen, die zu Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht werden. Eines davon ist das aufwendig erstellte sogenannte Vertrauensbarometer der Kommunikationsberatung Edelman, und es ist eine Ohrfeige für Politiker, Vorstandsvorsitzende und diverse andere Vertreter öffentlicher Institutionen.

          Carsten Knop
          Herausgeber.

          Denn die Bürger sind und bleiben skeptisch. Ihr Misstrauen erreicht in den Messwerten die Tiefen, die zuletzt auf dem Höhepunkt der jüngsten Wirtschafts- und Finanzkrise zu sehen waren: Die Zahl der Menschen, die in die Regierungen, in die Wirtschaft, in die Medien und in Nichtregierungsorganisationen noch Vertrauen setzen, ist in zwei Dritteln der von Edelman analysierten Länder auf unter 50 Prozent gefallen. Darunter sind die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Deutschland und Japan.

          Bild: F.A.Z.

          Zum dritten Mal in Folge setzen die Menschen dabei weniger Vertrauen in Vorstandsvorsitzende als glaubwürdige Vertreter ihrer Unternehmen. Vorstandschefs (43 Prozent) und Regierungsvertreter (38 Prozent) sind damit nach wie vor die am wenigsten glaubwürdigen Quellen. Sie liegen weit hinter den Werten von Wissenschaftlern (70 Prozent) oder dem Vertrauen, das durchschnittlichen Bürgern entgegengebracht wird (63 Prozent).

          Die Umfrage ist ernst zu nehmen. Befragt wurden immerhin 27.000 Menschen aus der allgemeinen Bevölkerung und zusätzlich 6000 Menschen, die Teil einer besonders gut informierten Öffentlichkeit sind. Zur Einordnung in diese Gruppe gelten die Kriterien Hochschulabschluss, überdurchschnittliches Haushaltseinkommen und eine regelmäßige Information über das wirtschaftliche und politische Geschehen. Abgefragt wurden die Meinungen in zwanzigminütigen Online-Interviews, die im Oktober und November des vergangenen Jahres stattgefunden haben. Die Ergebnisse werden in ihren Grundsätzen zudem von einer Auswertung bestätigt, die das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Media Tenor vorgenommen hat. Analysiert wurde hier die Berichterstattung über Wirtschaftsthemen in den führenden Medien der Welt. Ziel war es, ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Branchen derzeit den besten Ruf haben – und wie schon im Vorjahr wurde bei den Banken besonders genau hingeschaut.

          Ergebnis für Vertreter der Banken erschütternd

          Das Ergebnis liegt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung exklusiv vor, und es ist für die Vertreter der Banken abermals erschütternd. Trösten können sie sich in Deutschland allenfalls damit, dass die Deutsche Bank den größten Teil der negativen Berichterstattung auf sich zieht, da sie gewaltige Erblasten mit sich schleppt und sogar selbst einräumt, strategisch nicht perfekt für die Zukunft aufgestellt zu sein. Nur die Skandalinstitute Hypo Real Estate und Bayerische Landesbank schnitten 2014 in der Berichterstattung noch schlechter ab. Die deutsche KfW, die Commerzbank und die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hingegen haben es geschafft, ein leicht positiveres Bild von sich zu vermitteln. Grundsätzlich stellt Media Tenor aber fest, dass beim Misstrauen gegenüber dem Bankensektor die Talsohle möglicherweise noch nicht erreicht ist. Zinsmanipulationen, Fragen zur Stabilität der Bankbilanzen, Selbstmorde von Mitarbeitern, zu große Unterschiede in der Bezahlung der ranghohen Führungskräfte und der durchschnittlichen Mitarbeiter: Das sorgt laut Media Tenor allein in dieser Branche für eine anhaltende Vertrauenskrise.

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