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Heftige Diskussion in Davos : Renault-Chef Ghosn: „Dann werde ich gekreuzigt“

Carlos Ghosn ist der Vorstandsvorsitzende des Autoherstellers Renault. Bild: EPA

Entkommen Unternehmen der Tyrannei der Quartalsergebnisse? Und müssen sie mehr tun als Gewinn machen? Eine hochbrisante Debatte tobt auf dem Weltwirtschaftsforum. Sie begann mit einem Brief.

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          Immer noch hohe Wellen schlägt die Äußerung des Vorstandsvorsitzenden der Fondsgesellschaft Blackrock, Larry Fink, der gerade die Vorstände der Unternehmen rund um den Globus in einem Brief ermahnt hat, nicht alleine an die Maximierung des Gewinns, sondern auch an ihre Rolle in der Gesellschaft zu denken. „Ich gebe zu, dass ich meine Ansicht geändert habe“, sagt Theresa Whitmarsh, die Vorsitzende des amerikanischen Pensionsfonds Washington State Investment Board, auf einer Podiumsveranstaltung während des Weltwirtschaftsforums in Davos. „Ich muss im Interesse der Anleger, die ich vertrete, auf einer attraktiven Rendite unserer Aktienanlagen bestehen. Aber mir ist heute klar, dass eine kurzfristige Maximierung des Gewinns schlecht für die langfristige Entwicklung eines Unternehmens sein kann.“

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Indra Nooyi, die Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Nahrungsmittelkonzerns Pepsi, dämpfte allerdings zu hohe Erwartungen an ein Umdenken. „90 Prozent der Investoren, mit denen wir in Amerika sprechen, interessieren sich vor allem für die kurzfristige Geschäftsentwicklung bis hin zur Entwicklung der Wochenumsätze“, erzählte Nooyi. „Viele Anleger akzeptieren nicht die Ausrichtung eines Unternehmens an langfristigen Zielen, wenn die Konkurrenten sich bemühen, ihre Quartalsergebnisse zu maximieren.“

          „Die deutsche Wirtschaft ist der Gegenbeweis“

          Nooyi setzt sich seit Jahren mit Unterstützung ihres Verwaltungsrats für eine Orientierung an längerfristigen Zielen aus, aber sie räumt ein, dass ihre Erfahrungen „schmerzhaft“ seien, da viele Anleger und Analysten vor allem in Finanzkennziffern und Bilanzpositionen dächten, sich aber nicht für Strategie und Geschäftsmodelle interessierten. Quartalsergebnisse seien sicherlich wichtig, aber sie dürften nicht die einzige Messlatte für die Bewertung eines Unternehmens sein. Löhne seien für ein Unternehmen nicht nur ein Kostenfaktor. Ihre Forderung lautete: „Wir müssen die Anleger erziehen.“

          Eine differenzierte Einschätzung gab Carlos Ghosn, der Vorstandsvorsitzende von Renault. Je älter ein Unternehmen sei, umso wichtiger würden die Quartalsergebnisse, sagte er: „Ich kann mir langfristige Planungen nur so lange leisten, wie meine Quartalsergebnisse stimmen. Fallen sie schlecht aus, werde ich gekreuzigt.“ Aber auch Ghosn diagnostizierte ein Wahrnehmungsproblem: „Jeder versteht, was ein Quartalsergebnis ist. Unter langfristiger Planung versteht jeder etwas anderes.“

          Für junge Unternehmen seien Quartalsergebnisse nicht so wichtig, konzedierte Ghosn. So finden sich Unternehmen im Silicon Valley, die noch nie Geld verdient haben, aber an der Börse ein hohes Ansehen genießen. Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen wurde der auf dem Podium anwesende Ökonomie-Nobelpreisträger um Auskunft gebeten. „Wir Ökonomen fragen immer: Wie sehen die Eintrittsbarrieren in einen Markt aus“, erläuterte Joseph Stiglitz. „Und wenn wie bei manchen Unternehmen aus dem Silicon Valley die Eintrittsbarrieren als hoch eingeschätzt werden, sind die einzelnen Quartalsergebnisse nicht bedeutsam.“

          Freilich, so schränkte Stiglitz ein, könnten sich die in diese Unternehmen gesetzten Hoffnungen als unbegründet erweisen. Wer eine Aktie von Google oder Amazon kaufe, investiere nicht in die Annahme allmählich steigender Dividenden, sondern in die Hoffnung auf eine außerordentliche Geschäftsentwicklung, sekundierte Mark Weinberger, der Vorstandsvorsitzende des Beratungsunternehmens EY. Die Frage bleibe jedoch, ob die Anleger die Angaben der Unternehmen über ihre Geschäfte richtig einordnen könnten.

          „Milton Friedman hat vor Jahrzehnten gesagt, das einzige Ziel eines Unternehmens sei die Gewinnerzielung“, sagte Stiglitz. „Friedman lag nicht nur aus theoretischer Sicht falsch. Die Entwicklung der deutschen Wirtschaft  der vergangenen Jahrzehnte ist der Gegenbeweis.“ Zu einem aufgeschlosseneren Umgang der Unternehmen mit ihrer Rolle in der Gesellschaft rief auch Justin Trudeau, der Premierminister Kanadas, auf. „Wenn ihr mir nicht glauben wollte, glaubt Larry Fink“, empfahl er seinen Zuhörern in Davos.

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