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Weltweite Preissteigerung : Banker und Ökonomen befürchten Inflation

Bild: F.A.Z.

Die warnenden Stimmen werden lauter: Immer mehr Finanzexperten in aller Welt befürchten für die absehbare Zeit steigende Inflationsraten in den Industrie- und Schwellenländern. Die deutschen Importpreise stiegen zuletzt so stark wie seit 1981 nicht.

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          Immer mehr Finanzfachleute erwarten in absehbarer Zukunft eine erhebliche Steigerung der Inflationsraten in Industrie- und Schwellenländern. „Wir bekommen eine Inflation – und die Risiken sind sehr viel größer, als es der Handel auf den Finanzmärkten derzeit suggeriert“, sagte Peter Sands, der Vorstandsvorsitzende der britischen Bank Standard Chartered auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Die Inflation werde auch nicht auf Preissteigerungen auf den Rohstoffmärkten beschränkt bleiben.

          Carsten Knop
          Herausgeber.
          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Meinung teilt Gary Cohn, der Präsident und Chief Operating Officer der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs. „Die Notenbanken stehen vor der großen Schwierigkeit, in vielen Ländern einerseits die Wirtschaft weiter ankurbeln zu müssen und andererseits mit der Inflationsbekämpfung zu beginnen.“ Die tatsächliche Inflation sei in vielen Ländern schon höher als die statistisch ermittelte, ist Sands überzeugt.

          Auch in China wird die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit verfolgt: „Wir sind über das Thema Inflation sehr besorgt“, sagte Liu Mingkang, der Vorsitzende der chinesischen Bankenaufsicht. Inflation könne wie eine Droge wirken, helfe sie doch, den Wert der Staatsverschuldung zu reduzieren. Zugleich sei es aber sehr schwierig, einen Inflationsprozess, der einmal in Gang gekommen sei, wieder zu stoppen.

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          Aus drei Gründen kämpfen die Schwellenländer mit hoher Inflation. Zum einen sind die Rohstoffpreise stark gestiegen, zum anderen droht ihre Konjunktur, vor allem in China, zu überhitzen. Dazu tragen die starken Kapitalzuflüsse aus Amerika bei. In China ist die Teuerungsrate über 5 Prozent geklettert. In Indien wird die Inflationsrate bis März auf 7 Prozent steigen, fürchtet die Zentralbank. In Russland ist sie schon nahe 9 Prozent.

          Treiber sind die steigenden Lebensmittelpreise, unter denen vor allem die arme Bevölkerung leidet. Reis ist heute 20 Prozent teurer als vor zwei Jahren. Der Weltmarktpreis für Weizen hat sich in einem Jahr beinahe verdoppelt, der Preis für Mais stieg um die Hälfte, Soja und Zucker verteuerten sich um knapp ein Drittel.

          Importpreise steigen so stark wie seit 1981 nicht

          Die weltweit anziehende Inflation hat die deutschen Importpreise steigen lassen. Sie lagen im Dezember 12 Prozent über dem Vorjahresstand, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch bekannt gab. Dies war der stärkste Anstieg seit 1981. Der Rohstoffindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) ist im vergangenen Jahr ohne Energie in Dollar gerechnet um 30 Prozent, in Euro gerechnet sogar um 41 Prozent gestiegen. Grund dafür seien zum einen Angebotsverknappungen, etwa wegen schlechter Ernten, Dürren und Überschwemmungen. Aber auch die lockere Geldpolitik sei ein Faktor, meinen die HWWI-Ökonomen. Aus Sorge vor Inflation würden vermehrt Anleger in Rohstoffe investieren.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve versucht, durch eine sehr expansive Geldpolitik das Wachstum anzuregen. Dazu hat sie eine zweite Runde der Quantitativen Lockerung begonnen und kauft für 600 Milliarden Dollar Wertpapiere, um die Kurse zu stützen und die langfristigen Zinsen weiter zu drücken.

          Die warnenden Stimmen werden lauter

          Anders als die Fed zeigen sich Europas Zentralbanken beunruhigt wegen der anziehenden Inflationsgefahr. In Großbritannien ist die Teuerungsrate im Dezember auf 3,7 Prozent gestiegen. Sie dürfte in den kommenden Monaten auf 4 bis 5 Prozent steigen, sagte Notenbankgouverneur Mervyn King. Im kommenden Jahr werde sie aber „ziemlich scharf“ abkühlen. Die Bank of England hat wie die Europäische Zentralbank (EZB) als Zielmarke eine Inflation von knapp unter 2 Prozent.

          EZB-Präsident Jean-Claude Trichet äußerte sich jüngst besorgt wegen der Rohstoffpreise. Im Euro-Raum hat die Inflationsrate im Dezember auf 2,2 Prozent zugenommen. Trichet sieht dies jedoch als „Buckel“ für einige Monate. Die Inflationserwartungen seien weiter fest verankert, betont er. Gleichwohl werden die warnenden Stimmen lauter. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, rechnet in zwei Jahren mit einer Inflationsrate von 2 bis 4 Prozent. Am Anleihemarkt standen die Kurse wegen der Inflationssorgen am Mittwoch unter Druck. Deutsche Bundesanleihen mit Fälligkeit in zehn Jahren rentierten 5 Basispunkte höher bei 3,19 Prozent.

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