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Im Gespräch: Nestlé-Präsident Brabeck-Letmathe : „Mehr Geld für die Landwirtschaft“

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Essen für die Welt: Peter Brabeck-Letmathe, Präsident des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, hält es für inakzeptabel, dass die Zahl der Hungernden seit 2008 wieder auf mehr als eine Milliarde gestiegen ist Bild: REUTERS

Wovon sollen immer mehr Menschen leben? Die hohen Agrarpreise werden nicht einfach verschwinden, sagt Nestlé-Präsident Peter Brabeck-Letmathe im F.A.Z.-Gespräch am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Dennoch könnte die Welt mit richtiger Landwirtschaft 9,5 Milliarden Menschen ernähren.

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          Herr Brabeck, in der jüngsten Biographie über Sie schreiben Sie einleitend über Ihre Erlebnisse am knapp 7000 Meter hohen Aconcagua in den Anden. Was bedeuten Ihnen die Berge?

          Ich habe mein ganzes Leben lang ein enges Verhältnis zu den Bergen gehabt. Dort reifen viele meiner Gedanken und Entscheidungen. In den Bergen kann man sich auf sich selbst konzentrieren. Es gibt für gute Entscheidungen keinen schlechteren Platz als den Schreibtisch.

          Und dennoch treffen wir Sie auf dem „Rummelplatz“ WEF in Davos.

          Es kommt darauf an, was man daraus macht. Natürlich kann man sich auf Cocktailpartys tummeln. Aber Davos bietet eine einmalige Plattform, um wichtige Anliegen voranzubringen. Als ich dort 2008 das Wasser-Thema lancierte, waren vielleicht zehn Leute im Saal. Heute ist es zu einer Art „Menschheitsprojekt“ geworden. Dies wäre nicht möglich gewesen ohne die einmalige Plattform Davos, auf der Entscheidungsträger aus der ganzen Welt anwesend sind.

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          Wie kommen Sie mit der Wasser-Initiative, die Sie mit der Weltbank und McKinsey lanciert haben, voran, oder sind Ihren Ansprechpartnern andere Themen wichtiger?

          Im vergangenen Jahr haben wir aus 154 Wasserreservoirs Projekte in drei Ländern – nämlich in Indien, Jordanien und Mexiko – ausgewählt. Die Analyse der dort in den Blick genommenen Gewässer bildet die wissenschaftliche Basis für politisches Handeln. Die Untersuchungsergebnisse werden wir auf dem diesjährigen WEF vorlegen. Wir sind damit von der Theorie zu konkreten Studien gelangt und haben das Interesse weiterer Länder geweckt. Insgesamt begleiten inzwischen 14 Staaten – von Südafrika bis zur Mongolei – unsere Bemühungen.

          Welche weiteren Schwerpunkte setzen Sie in Davos?

          Neben der Nutzung von Wasser werde ich mich intensiv mit der künftigen Nahrungsmittelversorgung vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Preissteigerungen vieler Rohstoffe und mit der veränderten Rolle von Unternehmen befassen.

          Was ist damit gemeint?

          Ich denke, wir sollten intensiver über den „Profit“ nachdenken. Nur auf die Ziffern zu schauen halte ich nicht mehr für ausreichend. Vielmehr geht es vermehrt darum, zwischen bloßem Gewinn unabhängig von dessen Zustandekommen und einem Gewinn zu unterscheiden, der sozialen Nutzen stiftet. Dies können Arbeitsplätze sein, ein besserer Schutz der Umwelt oder auch die Förderung der Gesundheit. Wer so denkt, muss zum Beispiel die Nutzung von Feldfrüchten für die Gewinnung von „Biodiesel“ für absoluten Wahnsinn halten. Den Gewinn hieraus zahlen die Ärmsten der Armen. Im Übrigen läuft diese Produktion nur über hohe Subventionen, und es wird das Ziel der Kohlendioxidverminderung verfehlt, wie wissenschaftliche Studien heute belegen.

          „Sozialer Gewinn“ klingt gut. Machen wir den Praxistest. Sind Pizzas von Nestlé gesundheitsfördernd?

          Dieser Einwurf ist so nicht berechtigt. Ernährungswissenschaftler betonen immer wieder, wie gesund mediterrane Küche ist, und dazu gehören Pizzas. Dort werden Sie nichts Gesundheitsschädliches finden. Unbeschadet solcher Beispiele ist die allgemeine Richtung wichtig. Bisher haben sich verantwortungsvolle Unternehmen darauf beschränkt, geschäftliche Ziele zu verfolgen, die Rechtsnormen zu beachten und nachhaltig zu wirtschaften. Jetzt geht es darum, zusätzlich auf eine gemeinsame Wertschöpfung mit ihrem sozialen Umfeld zuachten.

          Das wird den Aktionären nicht gefallen.

          Die Aktionäre müssen darunter nicht leiden. Es geht nicht um weniger Profit, sondern um alternative Wege zum selben Niveau. Die verantwortungsvolle Art der Gewinnerzielung muss Teil der Unternehmensstrategie werden.

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