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Davos : Folgt Josef Ackermann auf Klaus Schwab?

  • -Aktualisiert am

Josef Ackermann in Davos Bild: AFP

Die spannendste Personalie in der deutschen Finanzwelt ist immer noch ungelöst: die Nachfolge für Josef Ackermann, an der Spitze der Deutschen Bank. Das hindert den Schweizer nicht, sich allmählich Gedanken über die Zeit danach zu machen.

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          Die spannendste Personalie in der deutschen Finanzwelt ist immer noch ungelöst: die Nachfolge für Josef Ackermann, an der Spitze der Deutschen Bank. Das hindert den Schweizer nicht, sich allmählich Gedanken über die Zeit danach zu machen. Sein Vertrag endet im Frühjahr 2013. Spätestens dann hat sich für ihn das Thema Tagesgeschäft als Manager erledigt, lässt Ackermann, der demnächst 63 wird, stets durchblicken. Der Ausstieg auf eine einsame Insel scheidet ebenfalls als Zukunftsperspektive aus.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Was also tun? Etwas Akademischeres schwebt dem Banker vor, angesiedelt irgendwo auf dem weiten Feld zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik. Abgesehen von Aufsichtsratsmandaten, drängen sich nicht allzu viele Positionen auf, die sich mit den Ansprüchen eines Deutsche-Bank-Chefs vertragen: Wie also wäre es mit dem Job als Präsident des Weltwirtschaftsforums? In Davos wurde der Gedanke in den vergangenen Tagen von Hochkarätern schon mal durchgespielt, zumal Ackermann der Idee durchaus zugetan sei, wie zu hören war. Der Posten entspräche jedenfalls seiner Kragenweite: international, prestigeträchtig, intellektuell fordernd.

          Ackermann ist Stammgast in Davos

          Eine emotionale Nähe zum World Economic Forum (WEF) kann im Fall von Ackermann vorausgesetzt werden, schließlich ist er Stammgast in Davos, schon als aufstrebende Führungskraft der Schweizer Bankerszene fuhr er dorthin, später hat er als Co-Chair an der Konzeption des Gipfeltreffens mitgearbeitet. Zudem dürfte sein Schweizer Pass im Fall einer Kandidatur hilfreich sein.

          WEF-Chef Klaus Schwab

          Einziger Haken an der Sache: Die Stelle ist gegenwärtig nicht frei, zumindest nicht offiziell, weswegen Ackermann einen Teufel tut, sich zu den Spekulationen zu äußern. Denn noch regiert in Davos Klaus Schwab, der 1938 in Ravensburg geborene Gründer des Weltwirtschaftsforums. Obwohl er das Rentenalter längst erreicht hat, erklärte der Präsident in diesen Tagen, er wolle auch das 50.WEF-Jubiläum noch im Amt erleben: Das wäre dann im Jahr 2020, und Schwab jenseits der 80. Als Erfinder des Promi-Auftriebs in den Bergen ist der Mann praktisch unkündbar, er müsste von sich aus abtreten - und sei es mit einem großartig klingenden Ehrentitel getröstet.

          Zu viel Rummel, zu wenig Inhalt

          Einige der Konzerne, die mit sechsstelligen Mitgliedsbeiträgen den Davos-Zirkus finanzieren, hätten nichts einzuwenden gegen frischen Wind nach 41 Jahren unter Klaus Schwab. "Das Format hat sich überlebt", hadert der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Konzerns. Zu viel Rummel, zu wenig Inhalt, die Themen auf den Podien zu beliebig, lautet die Kritik. Auch über die Inszenierung Schwabs als Weltgewissen, dem "nur aus Versehen noch nicht der Friedensnobelpreis verliehen wurde", mokiert sich mancher Top-Manager.

          Nachgesagt werden Schwab zudem dynastische Erwägungen, mit dem Ziel, das Weltwirtschaftsforum als Familienbetrieb an die nächste Generation zu übergeben: Tochter Nicole Schwab, die zunächst die "young global leaders" in Davos betreut hat, läuft sich bereits warm mit dem Modethema Gender Equality.

          Der Deutsche-Bank-Chef wäre da ein anderes Kaliber. "Würde ein professioneller Headhunter den nächsten Präsidenten für das Weltwirtschaftsforum suchen, dann wäre Josef Ackermann der ideale Kandidat", sagt ein ihm wohlgesonnener Vorstandsvorsitzender. Wer, wenn nicht der Chef der Deutschen Bank, so geht die Argumentation, erfüllt die Anforderungen an diesen Job: Charme, Charisma, internationales Renommee, exzellente Fähigkeiten als Manager, gleichzeitig begeistert für Fragen jenseits einer Bankbilanz.

          Perfekte Voraussetzungen, nur wie gesagt: Präsident Schwab müsste weichen. Außerdem ist zuerst die leidige Nachfolge in der Deutschen Bank zu klären. Der Empfang, zu dem Ackermann in der Nacht zum Samstag die wichtigsten Kunden der Bank ins Hotel Belvedere in Davos eingeladen hat, ließ darüber keine Rückschlüsse zu. Der als Favorit gehandelte Anshu Jain, Chef der Investmentbanker in der Deutschen Bank, war zwar da, ohne jedoch kronprinzenmäßig in den Vordergrund geschoben zu werden. Und wer weiß, wer sonst noch als Aspirant auftaucht. Das Rennen ist noch nicht gelaufen. mec.

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