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Davos : China stiehlt Amerika die Show

Übergroß: die Bedeutung der Chinesen in Davos Bild: AFP

In Davos hadern die Amerikaner mit sich und ihrer Lage. Die Chinesen sind plötzlich selbstbewusster, die Deutschen erfolgreicher. Viele klingen pessimistisch, doch manche halten dagegen.

          Die Moderatorin Maria Bartiromo ist das Aushängeschild des amerikanischen Wirtschafts-Fernsehsenders CNBC, und das ist sie schon seit Jahren. Anfangs war sie eine reine Börsenreporterin. Später wollten die amerikanischen Manager und Anleger sie immer häufiger sehen. Sie hatte das Glück, zu Beginn ihrer Karriere kurz vor der Jahrtausendwende über stetig steigende Aktienkurse berichten zu können. Aber auch die wirtschaftlichen Wirren der vergangenen zehn Jahre konnten sie nicht vom Bildschirm vertreiben, im Gegenteil: Längst trägt sie den Spitznamen „Money Honey“. Der Titel suggeriert Oberflächlichkeit, trifft die Lage der Dinge aber nicht. Denn Bartiromo hätte in Amerika keine solche Karriere gemacht, glänzte sie nicht durch eine in der Regel gute Vorbereitung auf ihre Gespräche und Gesprächspartner.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos ist Bartiromo schon lange Stammgast. Die von ihr moderierte Fernsehdebatte am Eröffnungstag hat Tradition. In diesem Jahr ging es um die Zukunft der Arbeit. Wer der Debatte lauschte, bekam schnell einen guten Eindruck von der aktuell mehr als nur ein wenig deprimierten Gemütslage der Amerikaner: Die Stunde in Davos erlaubte einen Blick auf ein Volk, das aus dem Auge verloren zu haben scheint, welche Erfolgsgeschichten das Land in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder geschrieben hat. Aufstiegs-Storys wie die von Bartiromo sind derzeit jedenfalls kein Thema.

          „Die Psyche der Amerikaner muss gerade einen großen Wandel nachvollziehen“

          Es geht um die Krise, auch an den Tagen nach der kämpferischen „State of the Union“-Rede von Präsident Barack Obama. Der hatte davon gesprochen, dass Amerika angesichts der Herausforderungen, vor denen es steht, mit einem neuen „Sputnik“-Moment konfrontiert sei. Gemeint waren damit die Entscheidungen Präsident John F. Kennedys nach dem Start des ersten russischen Satelliten, die für die Amerikaner den letztlich siegreichen Wettlauf zum Mond eröffnen sollten. Heute stehe der schnellste Computer der Welt in China, nicht in Amerika, und Haushalte in Südkorea hätten besseren Zugang zum Internet als amerikanische, hatte Obama gesagt. Das neue „Apollo“-Programm für Amerika müsse die Energiepolitik sein.

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          Nicht wenigen Amerikanern scheint zu Beginn des Jahres 2011 aber der Glaube daran zu fehlen, dass es ihr Land auch dieses Mal mit einer vergleichbaren Dynamik schafft, Anschluss in einem internationalen Wettrennen zu finden. In Davos kann man sich auf die Suche nach den Gründen dafür machen: „Die Psyche der Amerikaner muss gerade einen großen Wandel nachvollziehen“, beschreibt der für das Tagesgeschäft der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young verantwortliche Chief Operating Officer John Ferraro die Stimmung in seinem Land. „Wir sind es nicht gewohnt, dass auf der Welt jemand mit einer noch lauteren Stimme als unserer den Ton angibt“, sagt Ferraro mit Blick auf das neue Selbstbewusstsein von Schwellenländern, insbesondere von China.

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