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Weltwirtschaftsforum-Gründer Schwab : „Die erste große Herausforderung der Globalisierung“

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Gedanken über die Zeit nach der Krise: Klaus Schwab Bild: AP

Klaus Schwab hält das von ihm gegründete Weltwirtschaftsforum, das am Mittwoch in Davos beginnt, für nötiger denn je. Es gelte, auch ein Zeichen gegen den vorherrschenden Pessimismus setzen, sagt Schwab im Gespräch mit der F.A.Z. Seine Maßgabe: Weg vom Ego-Kapitalismus, hin zum Öko-Kapitalismus.

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          Klaus Schwab hält das Weltwirtschaftsforum für nötiger denn je. In Davos gelte es, Antworten zu finden auf die erste große Herausforderung der Globalisierung. Dies gelinge nur über mehr Kooperation und eine nachhaltigeres Wirtschaften, weg vom Ego-Kapitalismus hin zum Öko-Kapitalismus.

          Herr Schwab, viele möchten die Mächtigsten der Welt in einer regelmäßigen großen Konferenz versammeln, nur Sie schaffen es wirklich. Verraten Sie uns Ihr Geheimrezept?

          Es gibt kein Geheimrezept. Ich muß nicht als Werbetreibender für Davos rund um die Welt reisen. Der Erfolg speist sich vielmehr aus der Notwendigkeit, die wichtigsten gesellschaftlichen Gruppen aus allen Teilen der Welt zum Gespräch zusammen zu führen. Dabei stammt etwa die Hälfte der Teilnehmer aus den größten Unternehmen. Als zweites achten wir darauf, dass das World Economic Forum einen repräsentativen Querschnitt auf hohem Niveau abbildet. So schicken inzwischen alle bedeutenden Regierungen mindestens einen Kabinettsminister nach Davos. Vielfach kommen sogar die Regierungschefs oder die Staatsoberhäupter.

          Aber dennoch steht und fällt das Forum mit Ihrer Person, oder nicht?

          Ich bin kein Marketingmann in eigener Sache, sondern - wenn Sie so wollen - eine asoziale Figur. Lange Abendessen oder Empfänge interessieren mich nicht. Mir geht es vielmehr um die geistige Auseinandersetzung. Das ist mein Metier. Das gilt im übrigen für das gesamte Forum. Denken Sie zum Beispiel daran, dass rund 80 Prozent der 350 Mitarbeiter mit der inhaltlichen Vorbereitung und späteren Nacharbeit befasst sind.

          Da formulieren Sie einen hohen Anspruch. Kritiker behaupten hingegen, dass das Großereignis im Lauf der Jahre zu einer Art Party und Geschäftstreffen in den Bergen verkommen sei. Man denke nur an die vielen gesellschaftlichen Veranstaltungen rund um das offizielle Programm.

          Natürlich ist Davos in den Tagen des Weltwirtschaftsforums auch ein Ort der Geselligkeit. Aber eine Partymeile war das Forum nie, und dieses Mal ist wirklich kein Jahr des Feierns. Gefeiert wurde früher nur zum Schluß am Samstag abend. Dies machen wir nun ebenfalls mehr zu einem kulturellen Anlass. Ansonsten stehen auch die Mittagessen und Abendveranstaltungen stets im Zeichen des geistigen Austausches, ganz abgesehen vom anspruchsvollen Tagesprogramm.

          Ist es angesichts der besonders hohen Teilnehmerzahl und der noch stärkeren Prominenz in diesem Jahr nicht sogar so, dass Davos von Krisen geradezu profitiert?

          Ich erinnere mich daran, wie vor einigen Monaten gefragt wurde, ob überhaupt noch viele Leute nach Davos kämen. Dann schrieb mir der CEO eines großen europäischen Konzerns: „Das Forum ist notwendiger denn je“. Dies drückt, glaube ich, die Überzeugung vieler Teilnehmer aus.

          Die Überzeugung, etwas zu erreichen?

          Wir müssen ein Zeichen gegen den vorherrschenden Pessimismus setzen. Die Krise können nicht Banker der Wall Street an ihren Computern lösen, sondern dies gelingt nur durch eine umfassende und interdisziplinäre Interaktion auf hoher Ebene.

          Die Krise scheint kein Ende zu nehmen, sondern im Gegenteil immer weitere Kreise zu ziehen. Wo stehen wir Ihrer Meinung nach?

          Ich meine, wir befinden uns immer noch in der heißen Phase. Weitere „unangenehme Überraschungen“ will ich daher nicht ausschließen. Aber in Davos geht es nicht nur um die Krisenbewältigung. Wir müssen uns noch mehr Gedanken über die Zeit danach machen. Bedenken Sie bitte, wir stehen in der ersten großen Herausforderung der Globalisierung. Sie kann nur durch eine umfassende Kooperation bewältigt werden. Aber die Mittel, die wir hierfür entwickelt haben, sind unvollständig und unzureichend.

          Welche Mittel halten Sie für nötig?

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