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Weltwirtschaftsforum : Die Generation Facebook stürmt Davos

  • -Aktualisiert am

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wird in Davos über Werbung von morgen sprechen Bild: REUTERS

Der Star von Davos wird in diesem Jahr ein junger Mann sein, der gern in Adiletten das Haus verlässt: Facebook-Gründer Zuckerberg wird beim Weltwirtschaftsforum zu Gast sein. Und nicht nur er. Pioniere der Internetszene haben sich ihren Platz in der ökonomischen Elite erobert.

          Jede Saison hat ihre Lieblinge. Das gilt in der Kunst, in der Mode - und in Davos. Nächste Woche wird dort ein junger Mann als Star auftreten, der gerne in Adiletten das Haus verlässt: Mark Zuckerberg, Anfang 20 und zumindest auf dem Papier Milliardär. Der Bursche hat Facebook gegründet. Bill Gates hat ihm 240 Millionen Dollar dafür bezahlt; für 1,6 Prozent der Anteile, wohlgemerkt.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mag die Internet-Szene das Label Web 2.0 allmählich abgeschmackt finden, die sozialen Netzwerke und ihre Helden erobern jetzt ihren Platz in der ökonomischen Elite. Die Generation Facebook und Youtube entert das „World Economic Forum“ (WEF). Pioniere wie Zuckerberg verleihen dem Gipfeltreffen, in dem sich Konzernlenker um krawattenlose Lockerheit bemühen, jugendliche Frische. Über „Werbung von morgen“ wird Zuckerberg am Abschlusstag diskutieren, wenn die Risiken der Weltwirtschaft durchdekliniert sind.

          Youtube verschafft einfachen Leuten Einlass

          Allein muss er sich nicht fühlen unter den Staatsmännern, Industriebossen und Bankern. Davos gibt sich mächtig modern, eine regelrechte Gier nach Gründergeist scheint ausgebrochen. Wikipedia-Pionier Jimmy Wales tritt auf, Flickr-Erfinderin Caterina Fake, Chad Hurley von Youtube. Mit dem Videoportal haben die Veranstalter eine Partnerschaft geschlossen.

          Wikipedia-Pionier Jimmy Wales tritt dieses Jahr auf

          „Die Kraft der gemeinsamen Innovation“ lautet das Oberthema des 38. Forums. Und die Youtube-Gemeinde bestimmt die „Davos-Frage“: „Was ist das Wichtigste, um die Welt 2008 besser zu machen?“ Nahezu eine Million Menschen hätten sich bereits an der Aktion beteiligt, berichtet WEF-Chef Klaus Schwab. Youtube verschaffe einfachen Leuten Einlass nach Davos, zeige den Mächtigen der Welt, wie der Bürger tickt, tönen die Manager des Videoportals.

          Taktik der Umklammerung

          Die Gipfel-Organisatoren, stets auf der Suche nach dem Zeitgeist, hören solche Sprüche gerne. Schließlich schadet eine frische Brise auch nicht dem vielbeschworenen Geist von Davos. 1971 hatte Klaus Schwab die Idee, in dem literarisch vorbelasteten Kurort einen Managementgipfel einzuberufen. Die Kleinstadt wurde so zum Ausflugsziel für die „Superreichen und ihre weiblichen Trophäen“, wie der amerikanische Ökonom Paul Krugman einst spottete.

          Der „Davos-Mensch“, als Prototyp der globalen Wirtschaftselite von Samuel Huntington eingeführt, mauserte sich zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung - mit dem globalisierungkritischen „Seattle-Menschen“ als Antipoden. Die wüstesten Schlachten mit den Kapitalismuskritikern sind heute geschlagen.

          Der Gipfel übt sich seit Jahren in der Taktik der Umklammerung: Niemand kritisiert schärfer die „Auswüchse der Globalisierung“ als Schwabs WEF, das die Weltverbesserung schon im Untertitel trägt. In der Folge stieg die Zahl von Gästen aus dem Showbetrieb, die auf dem Gipfel anprangern, was gerade anzuprangern ist. Die wahren Stars in Davos aber, das bleiben die unternehmerischen Pioniere. Leute wie Zuckerberg. Oder davor die Google-Gründer. Oder noch früher der junge Bill Gates. Der hatte in Davos im Jahr 1996 prophezeit, dass da etwas heranwächst, was die Welt verändert: „Internet wird eine Massenerscheinung.“

          Davos geht am Dienstag los

          Mehr als 2500 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft treffen sich vom kommenden Dienstag, 23. Januar, an im Schweizer Kurort Davos. Von den 100 führenden Konzernen der Welt sind 74 vertreten. Globale Marken wie Pepsi, Coca-Cola oder Nestlé entsenden selbstverständlich ihre Chefs.

          Unternehmer wie Bill Gates und Michael Dell gehören zu den Stammgästen. Im Zeichen der Subprime-Krise sind besonders spannende Diskussionen unter den Stars der Finanzbranche zu erwarten: Josef Ackermann (Deutsche Bank), Lloyd Blankfein (Goldman Sachs), James Dimon (JP Morgan), Marcel Ospel (UBS), Stephen Schwarzman (Blackstone) und viele mehr wollen anreisen, ebenso die Präsidenten von Internationalem Währungsfonds (Dominique Strauss-Kahn) und Europäischer Zentralbank (Jean-Claude Trichet).

          Deutschland ist mit einer Reihe von Vorstandschefs vertreten: Peter Löscher (Siemens) fliegt für zwei Tage ein. Jürgen Großmann (RWE) und Eckhard Cordes (Metro) werden erstmals im Namen ihrer neuen Firmen auftreten. Angesagt haben sich auch Jürgen Hambrecht (BASF), Henning Kagermann (SAP), Werner Wenning (Bayer), Wolfgang Ziebart (Infineon) und Klaus Zumwinkel (Deutsche Post).

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