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Weltwirtschaft : Ein ganzer Kranz guter Konjunkturdaten

So schlecht wie zu Jahresbeginn viele Schwarzseher sagten, geht es der Weltwirtschaft natürlich nicht. Bild: dpa

Wie geht’s der Weltwirtschaft? Neue Daten aus Amerika, der Währungsunion und China deuten darauf hin, dass die Weltuntergangs-Prognosen wieder falsch sind.

          Wie steht es wirklich um die Weltwirtschaft? Diese Frage stellt sich nicht erst, seit namhafte Forscher fordern, die Notenbanken sollten „Helikoptergeld“ über den Menschen ausschütten und so die Nachfrage ankurbeln. Die Sorgen begannen schon zu Beginn des Jahres, als das Börsenbeben in China Finanzmärkte auf der ganzen Welt erschütterte und Befürchtungen vor einer Abkühlung der globalen Konjunktur hervorrief. Verschiedene Indikatoren ließen nun am Freitag aber auf eine leichte Frühjahrsbelebung in einigen wichtigen Wirtschaftsregionen hoffen – wenngleich es auch Dämpfer gab.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Verunsichert schauen viele Fachleute derzeit auf die Vereinigten Staaten. Die Arbeitsmarktdaten lieferten am Freitag ein gemischtes Bild. So sind im März zwar 215.000 neue Stellen entstanden, wie das Arbeitsministerium mitteilte, Ökonomen hatten einen Zuwachs von 205.000 erwartet. Die Arbeitslosenquote stieg aber um 0,1 Punkte auf 5 Prozent. Die Löhne, ein Frühindikator für Inflation, legten im Jahresvergleich um 2,3 Prozent zu. Ihre Entwicklung liegt derzeit im Fokus der Anleger, da sie wichtig ist für die Frage, wie oft die Notenbank Fed in diesem Jahr noch die Leitzinsen anheben wird. Die Geschäfte der amerikanischen Industrie legten ebenfalls zu. Nach Veröffentlichung der Daten verlor der deutsche Aktienindex Dax um bis zu 2,9 Prozent, der Euro fiel unter die Marke von 1,14 Dollar.

          Die amerikanischen Währungshüter blicken mit Sorge auf die Abkühlung der Konjunktur in China. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt lieferte am Freitag allerdings einen Grund zum Durchatmen. Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes signalisierte im März erstmals seit neun Monaten wieder Wachstum. Er stieg auf einen Wert von 50,2 Punkten gegenüber 49 im Vormonat. Ein Wert von mehr als 50 wird als Wachstum interpretiert, darunter als Schrumpfen. Der Februar-Wert war der niedrigste Stand seit sieben Jahren gewesen. Anlass zur Hoffnung gab aber auch der Dienstleistungssektor, der für China wichtiger wird. Der Einkaufsmanagerindex im Dienstleistungsgewerbe war im Februar noch gefallen und hatte die Frage aufgeworfen, ob der Regierung in Peking der Umbau der Wirtschaft gelingt. Nun stieg der Index von 52,7 auf 53,8 Punkte.

          Im Euroraum hellte sich die Stimmung in den Industrieunternehmen ebenfalls auf. Das zeigt der Einkaufsmanagerindex des Analyseunternehmens Markit. Er kletterte der endgültigen Schätzung zufolge im März um 0,4 auf 51,6 Punkte – 0,2 Zähler mehr als zunächst angenommen – und signalisierte damit ein moderates Wachstum. Insgesamt handle es sich allerdings um die zweitniedrigste Wachstumsrate des Industriesektors im Euroraum seit mehr als einem Jahr, kommentierte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Damit habe er die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gebremst.

          Deutlicher Dämpfer aus Japan

          Das gilt insbesondere für die beiden größten Volkswirtschaften des Euroraums, Deutschland und Frankreich. In Deutschland liegt das Barometer nach einem Plus von 0,2 Punkten nun bei 50,7 Zählern, dem zweitniedrigsten Wert der vergangenen 16 Monate. Die Industrie sei abermals „nur im Schneckentempo“ vorangekommen, sagte Markit-Ökonom Oliver Kolodseike. „Sogar der Motor der deutschen Industrie, der Exportbereich, beginnt der schwächelnden globalen Konjunktur Tribut zu zollen und verzeichnete im März kaum noch Wachstum.“ In Frankreich schrumpfen die Geschäfte sogar.

          Einen deutlichen Dämpfer gab es am Freitag aus Japan. Die Sorgen um das Wachstum auf wichtigen Exportmärkten und der stärkere Yen haben das Wirtschaftsklima in dem asiatischen Land stark eingetrübt. In der vierteljährlichen Tankan-Umfrage der Bank von Japan sackte der Stimmungsindex für die Großunternehmen des verarbeitenden Gewerbes von 12 auf 6 Punkte ab. Damit überwiegen zwar noch die Optimisten. Doch liegt der Index nun so niedrig wie zuletzt vor fast drei Jahren. An der Börse in Tokio reagierten die Anleger verschreckt. Der Nikkei-Index fiel um 3,6 Prozent auf 16.164 Punkte.

          Als Gastgeber des Gipfeltreffens der Siebenergruppe (G7) der großen Industriestaaten im Mai macht Japan Druck, dass die G-7-Staaten gegen die globale Wachstumsschwäche angehen. Die Industriestaatenorganisation OECD hatte zuletzt ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft auf 3 Prozent gesenkt. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte in Washington während eines Gesprächs mit dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama, die G7 sollte eine klare Botschaft für nachhaltiges globales Wachstum aussenden. Er wirbt für mehr fiskalische Impulse. Für das G-7-Gipfeltreffen zeichnet sich damit abermals ab, dass Deutschland dem Drängen Japans und Amerikas zu mehr Staatsausgaben weitgehend allein gegenüberstehen wird.

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