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Weltwirtschaft : Der „Mythos“ der Globalisierung

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Konzerne: Global oder regional? Bild: dpa

Echte Globalisierung gibt es gar nicht - das besagt eine Studie aus Oxford. Der Ökonom Alan Rugman sieht in den Global Players eher Local Heros.

          Globalisierung ade. So lautet kurz und knapp die These einer ungewöhnlichen Studie aus Oxford. Der Wirtschaftswissenschaftler Alan Rugman hat ein Papier verfasst, in dem er anhand empirischer Untersuchungen zeigt, dass die meisten großen multinationalen Konzerne auf regionaler Basis operieren, anstatt auf globaler. „Altmodisch“ findet er die Ansicht, dass multinationale Konzerne die Weltwirtschaft dominieren. Rugman: „Neueste Erkenntnisse zeigen, dass Globalisierung ein Mythos ist“.

          „In den letzten Jahren ist es zunehmend normal geworden, dass Manager, Analysten und sogar Universitätsprofessoren über die fortschreitende Globalisierung sprechen“, bemängelt Rugman. Es gehe um die angebliche „Dominanz von riesigen multinationalen Konzernen, die gleichartige Produkte von Cairo in Illinois nach Cairo in Ägypten und von Lima in Ohio nach Lima in Peru verkaufen.“ Die so genannten Global Players seien aber alles andere als global. Vielmehr seien sie auf regionale Märkte gepolt. Mit Absicht: Diese „Regionalisierung“ steigere die ökonomische Effektivität, schreibt Rugman.

          Regionale Färbungen

          „Es gibt kein globales Auto“, so Rugman. „90 Prozent aller in Europa produzierten Pkws werden auch in Europa verkauft. Regionale Produktion und größtenteils lokaler Absatz sind auch in Nordamerika und Japan die Regel.“ Was für Autos gilt, das gelte auch für die allermeisten anderen Produktsparten, mit Ausnahme der Unterhaltungselektronik.

          Wenn nicht schon die Produkte in ihren Eigenarten eine eher regionale Färbung erfahren, so sei doch mindestens die strategische Planung der großen Firmen in den allermeisten Fällen regional geprägt, sagt Rugman. Die Entscheidungsfindung konzentriere sich auf die drei Regionen Nordamerika, Europäische Union und Japan.

          Globalisierung gibt es trotzdem

          Der Begriff „Globalisierung“ sei schwer zu definieren, sagt Jörn Kleinert vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Rugmans Definition ist eher eng gefasst, in Kiel fällt die Regionalisierung mit unter die hauseigene Definition für Globalisierung. Die Wissenschaftler des Instituts stimmen mit Rugman darin überein, dass die multinationalen Konzerne sich stärker auf ihre regionale Umgebung konzentrieren, als auf weltweite Präsenz. Think global, act local - das haben sich schließlich die meisten Multis inzwischen auf die Fahnen geschrieben.

          „Für meine Begriffe gibt es Globalisierung also trotzdem, wenn auch die regionale Komponente dominiert“, sagt Kleinert. Zur Globalisierung gehöre alles was mit transnationalem Handel, Wissenstransfer und länderübergreifenden Direktinvestitionen zu tun hat. Darunter falle auch der Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation oder die EU-Osterweiterung.

          Eventuelle Probleme, die die Globalisierung mit sich bringe, seien aber deshalb trotzdem aktuell, so Kleinert. „Rugmans Studie gibt dem Ganzen nur eine andere Dimension“. Ausbeutung der Dritten Welt durch multinationale Konzerne zu bemängeln, mache allerdings danach nur wenig Sinn.

          Ein anderes Wort für dieselbe Sache

          Rugman drückt das etwas rigoroser aus: „Es gibt keine Ausbreitung des amerikanischen Kapitalismus und auch keine globalen homogenen Märkte.“ Globalisierungsgegner, die auf dieser Basis argumentierten unterlägen einem Missverständnis.

          „Globalisierungsgegner müssen trotz allem gehört werden“, sagt Kleinert. „Selbst wenn die Entwicklungen größtenteils innerhalb der EU oder innerhalb Nordamerikas stattfinden.“ Ob nun Globalisierung oder „Regionalisierung“: Für die Forscher im Institut für Weltwirtschaft nicht viel mehr als andere Worte für dieselbe Sache.

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