https://www.faz.net/-gqe-a1ci2

Welternährungsbericht : Corona verschärft den Hunger

  • -Aktualisiert am

Ein Baby, das auf der Station für unterernährte Kinder in einem Krankenhaus im Jemen behandelt wird. Bild: dpa

Fast 690 Millionen Menschen litten im Jahr 2019 Hunger. Durch die Corona-Krise droht ein sprunghafter Anstieg. Er könnte auch viele Kinder treffen.

          2 Min.

          Die Coronavirus-Krise droht die Ernährungssituation in vielen Regionen der Welt weiter zu verschlechtern. Das geht aus dem Jahresbericht zur Welternährung hervor, der am Montag in Rom vorgestellt wurde. Herausgegeben wird der Bericht von verschiedenen Organisationen der Vereinten Nationen, darunter die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, das Welternährungsprogramm WFP und die Gesundheitsorganisation WHO.

          Svea Junge
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Laut dem Bericht litten im Jahr 2019 fast 690 Millionen Menschen Hunger, das sind 10 Millionen mehr als 2018 und fast 60 Millionen mehr als noch vor fünf Jahren. Durch die Corona-Krise könnte es nochmals einen sprunghaften Anstieg geben: 2020 könnten zusätzlich zwischen 83 und 132 Millionen Menschen von Unterernährung betroffen sein – auch in Ländern und Bevölkerungsgruppen, die sonst nicht gefährdet sind. Gleichzeitig werden vor allem diejenigen unter den Folgen der Pandemie leiden, die heute schon am verletzlichsten sind, heißt es in dem Bericht. 

          Damit entfernen sich die Vereinten Nationen zunehmend von ihrem Ziel, bis 2030 den Hunger zu beenden sowie Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung zu erreichen. Vielmehr könnte die Zahl der Hungernden innerhalb der nächsten zehn Jahre auf 840 Millionen ansteigen – die Folgen der Corona-Krise noch nicht einmal berücksichtigt –, heißt es in dem vorgestellten Bericht. Nachdem die Zahl derer, die Hunger leiden, Jahrzehnte lang abgenommen hatte, lassen Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels, Konflikte und Handelsspannungen die Ernährungsunsicherheit wieder ansteigen.

          In Asien hungern die meisten Menschen

          Auch bei den Zielen, die sich die Vereinten Nationen bei der Gruppe der Kinder gesetzt haben, sehen die Autoren Nachholbedarf: Noch immer sind 144 Millionen Kinder auf der Welt von Mangelernährung betroffen. Bei den unter fünf Jahre alten Kindern sind 7 Prozent unterentwickelt und rund 5,6 Prozent übergewichtig.

          Am weitesten verbreitet ist der Hunger in Afrika. Dort sind mit 250 Millionen Menschen 19,1 Prozent der Bevölkerung von Hunger betroffen – mit steigender Tendenz. Nur in Asien gehen abends noch mehr Menschen hungrig ins Bett bei einer allerdings größeren Bevölkerung. Gleichwohl konnte die Unterernährung in der Region in den vergangenen Jahren reduziert werden, und die Verbreitungsrate liegt mit 8,3 Prozent noch unter dem globalen Durchschnitt von 8,9 Prozent. Am stärksten zugenommen hat der Hunger hingegen in Lateinamerika und der Karibik. Binnen fünf Jahren ist die Zahl der von Unterernährung betroffenen Menschen um 8 Millionen auf insgesamt 48 Millionen angestiegen.

          Insgesamt haben über 2 Milliarden Menschen keinen regelmäßigen Zugang zu sicherer, nahrhafter und ausreichender Nahrung – darunter auch 88 Millionen Menschen in Nordamerika und Europa.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Dafür: Winfried Kretschmann will eine Impfpflicht für ganz Deutschland

          Gutachten aus Stuttgart : Impfpflicht ja, Impfzwang nein

          Die Impfpflicht in Deutschland wird vermutlich kommen. Aber ist sie auch rechtens? Baden-Württembergs Ministerpräsident hat sie früh gefordert - und eine Kanzlei sie prüfen lassen. Das ist ihr Ergebnis.
          Jerome Powell hat seine Einschätzungen zur Inflation inzwischen verändert.

          Geldpolitik : Fed fürchtet hartnäckige Inflation

          Amerikas Notenbank prüft eine raschere Straffung ihrer Geldpolitik. Ihr Präsident Jerome Powell hält den Preisanstieg nicht mehr nur für vorübergehend.