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Welternährungs-Bericht : Mehr Dicke als Unterernährte

  • -Aktualisiert am

500 Millionen Menschen gelten weltweit als fettleibig Bild: AFP

Während die Zahl der weltweit Unterernährten sinkt, hat sich die Anzahl der Übergewichtigen seit 1990 verdoppelt. Fettleibigkeit ist längst nicht mehr nur ein Problem der Industriestaaten.

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          Die Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung hat sich laut den Vereinten Nationen deutlich verbessert. 12,5 Prozent der Weltbevölkerung oder 868 Millionen Menschen seien noch unterernährt, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Welternährungsbehörde FAO. Als dieser 1947 erstmals veröffentlicht wurde, war noch die Hälfte der Weltbevölkerung unterernährt.

          Die Verringerung des Hungers sei „eine bemerkenswerte Leistung“, die aufgrund von Produktivitätssteigerungen der Land- und Ernährungswirtschaft möglich geworden sei, steht in dem Bericht. Im Vergleich zum Jahr 1990 halbierte sich die Gesamtzahl der Unterernährten nochmals. Derweil verdoppelte sich die Zahl der Übergewichtigen.

          Großes Angebot „verführt“ zu Fehlernährung

          Dies sind laut Bericht auf der ganzen Welt damit schon fast doppelt so viele, wie es Unterernährte gibt, und zwar 1,4 Milliarden Menschen, von denen 500 Millionen als fettleibig gelten. Die Fehlernährung insgesamt koste die Weltwirtschaft, etwa die Gesundheitssysteme, im Jahr rund 3,5 Billionen Dollar, heißt es in dem Jahresbericht zur Welternährung.

          In nahezu allen Teilen der Welt verbesserte sich die Versorgung. Von den Kindern in Entwicklungsländern galten noch im Jahr 1990, je nach Erdteil, zwischen 40 und 50 Prozent als unterernährt, zuletzt waren dies zwischen 25 und 35 Prozent. Das betraf auch weite Teile Afrikas, mit Ausnahme einiger Subsahara-Staaten. In Asien waren bei den Kindern zwei Drittel weniger fehlernährt.

          Als Ursache für beides - Mangelernährung und Fettleibigkeit - nannte die FAO die „modernen Handels- und Verarbeitungsstrukturen“ der Land- und Ernährungswirtschaft. Diese könne den Hunger weiter verringern, aber andererseits „verführe“ sie die Menschen durch übergroßes Nahrungsangebot zur Fehlernährung. Das ist keineswegs nur ein Problem der Industriestaaten.

          Auch in Afrika gibt es heute deutlich mehr Übergewichtige und Fettleibige als noch vor 30 Jahren - und zwar rund doppelt so viele, ebenso ist es in Asien und Lateinamerika. Zweifel an „industrialisierter Landwirtschaft“, wie sie von den Grünen und Naturschutzverbänden in Deutschland geäußert werden, nährt der Bericht nicht.

          Ohne die „grüne Revolution“ - Maschinisierung durch Traktoren, agarchemischer Pflanzenschutz - wären die Nahrungsmittelpreise auf der Welt zwischen 35 und 65 Prozent höher als heute, schreibt die FAO mit Bezug auf Studien. Der Bericht zeigt auch, dass in denjenigen 38 Staaten auf der Welt, wo kleinbäuerliche Landwirtschaft nahe der Selbstversorgung gängig ist, die Unterernährungsproblematik enorm ist.

          Der FAO-Bericht empfiehlt auch, in den Entwicklungsländern mehr tierische Produkte herzustellen. Fleisch- und Milchkonsum könnten den Gesundheitszustand „von Kindern deutlich verbessern“. Während der Bericht auf das umstrittene Thema der Gentechnik nicht eingeht, bleiben die Lösungsvorschläge für das Problem der Fettleibigkeit vage: Fett- oder Salzsteuern seien am ehesten dazu gut, um aus den Steuereinnahmen Ernährungsaufklärung zu finanzieren.

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