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Hohe Verschuldung : Weltbank warnt vor indischer Krise

Der amtierende indische Ministerpräsident Narendra Modi Bild: AFP

Die Lage der Banken wird prekärer. Von faulen Krediten im Volumen von rund 150 Milliarden Dollar ist die Rede. Nun schlagen die Probleme aus dem Finanzsektor auf die Binnenwirtschaft durch.

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          Die Weltbank hat ihren Ausblick für Asiens drittgrößte Volkswirtschaft dramatisch zusammengestrichen. War sie im April noch von einer Wachstumsrate von 7,5 Prozent für Indien in diesem Fiskaljahr (bis 31. März) ausgegangen, hat sie die Erwartung ein halbes Jahr später auf nur noch 6 Prozent gesenkt. In einer Umfrage der Weltbank rechneten indische Ökonomen sogar nur noch mit einem Wachstum von 5,7 Prozent für ihr Heimatland.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die deutliche Anpassung nach unten stellt zum einen die Vorhersagemethoden und den Sinn solcher Planzahlen in Frage; auf der anderen Seite aber spiegelt sie mit Blick auf Indien auch die für manchen überraschende Rückkehr zur Realität auf dem Subkontinent. Der Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi war es gelungen, sie vor seiner Wiederwahl mit Großversprechen zu überdecken. Moody’s Investor Service hat gerade seine Erwartungen von bislang 6,2 auf nur noch 5,8 Prozent Wachstum zurückgefahren. Es ist der bislang schlechteste Wert einer internationalen Institution mit Blick auf Indien.

          „Indien erlebt eine ernste Verlangsamung“, warnen die Weltbanker. „Mehr als 65 Prozent der befragten indischen Ökonomen sehen strukturelle und zyklische Faktoren als Grund für die Verlangsamung an. 25 Prozent geben nur strukturelle Gründe an, und nur 10 Prozent sehen die Verlangsamung ausschließlich zyklisch begründet“, erklärte die Weltbank. 

          Da drückt jede Bank auf die Bremse

          Als Ursache für den Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität im Vergleich zu den vergangenen Jahren betrachtet sie die mangelnde heimische Nachfrage – denn von den internationalen Handelswirren ist Indien weitgehend unberührt. „In einem so schwachen Wirtschaftsumfeld treten strukturelle Probleme zu Tage und der schwache Finanzsektor lastet auf dem Wachstum“, kritisieren die Weltbanker. Im vergangenen Quartal wuchs Indien selbst offiziellen Daten nach nur noch um 5 Prozent, so gering, wie zuletzt unter der dafür scharf kritisierten Vorgängerregierung 2013.

          Immer lauter werden die Warnungen vor einer Bankenkrise auf dem Subkontinent. In der ersten Jahreshälfte 2020 werden mehr als 10 Milliarden Dollar Hauskredite fällig. Fitch Ratings warnt davor, dass diese Bürde auf die Geschäftsbanken durchschlagen könnte, wenn weitere Schattenbanken, die den Immobiliensektor versorgen, unter notleidenden Krediten zusammenbrechen. Wohnprojekte im Wert von rund 63 Milliarden Dollar werden in Indien derzeit nicht mehr weitergebaut, schätzt Anarock Property Consultants, die sie als „Zombie Buildings“ bezeichnet.

          In den nächsten zwei Jahren könnte eine Kreditsumme von rund 24 Milliarden Dollar für die Schattenbanken ausfallen. In den vergangenen vier Jahren haben sie ihre Ausleihungen vor allem an den Immobiliensektor auf 438 Milliarden Dollar verdoppelt. Der Bankensektor soll auf faulen Krediten im Volumen von rund 150 Milliarden Dollar sitzen. Unter solchen Bedingungen drückt jede Bank auf die Bremse. Damit aber wird die Nachfrage im Land abgeklemmt – was etwa im Automobilsektor dramatisch zu spüren ist. Er reagiert auf einen Absatzrückgang von mehr als 30 Prozent in Jahresfrist mit dem Abbau von Stellen im so wichtigen Industriesektor.

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