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Weltbank senkt Prognose : Griechischer Euro-Ausstieg könnte Entlassungen in China auslösen

Abendverkehr in Peking Bild: dpa

Ausgerechnet ein so winziges Land wie Griechenland könnte dem Riesenreich China ein Bein stellen. Während die Weltbank vorerst nur ihre Prognose senkt, warnt Chinas größte Investmentbank vor einem Exporteinbruch und vor dem schwächsten Wachstum seit 20 Jahren.

          China leidet nach Ansicht von Fachleuten immer mehr unter der Abkühlung in den Industrieländern und könnte besonders großen Schaden nehmen, falls Griechenland den Euroraum verlässt. Nachdem schon verschiedene Banken wie UBS, Bank of America, Citigroup oder JP Morgan Chase ihre Wachstumsvorhersagen für China zurückgenommen hatten, senkte am Mittwoch auch die Weltbank ihre Prognose. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werde 2012 nicht, wie bisher erwartet, um real 8,4 Prozent steigen, sondern um 8,2 Prozent, heißt es in einer neuen Einschätzung der Bank. Das wäre die schwächste Entwicklung seit 13 Jahren. 2011 war das BIP noch um 9,2 Prozent gewachsen.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Die Weltbank riet der Regierung, ihre Steuerpolitik so zu ändern, dass der private Konsum angeregt würde. Staatliche Investitionsprogramme lehnt der Bericht aber ab. China versucht seit längerem, die Binnennachfrage zu stärken, um unabhängiger vom Export zu werden, von dem ein Viertel des BIP abhängt. China ist seit 2009 die mächtigste Ausfuhrnation vor Deutschland. Die Nachfrage aus Chinas wichtigsten Märkten, der EU und den Vereinigten Staaten, hatte zuletzt auf der Stelle getreten oder war sogar zurückgegangen. Am Wochenende hatte Regierungschef Wen Jiabao deshalb mehr Initiativen angekündigt, um „das Wachstum zu stabilisieren“. Einige Fachleute erwarten jetzt ein neues Konjunkturprogramm, vor allem für Investitionen in die Infrastruktur, andere glauben an eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

          Aufhorchen lässt eine Warnung von Chinas größter Investmentbank CICC. Sie hat errechnet, dass das chinesische Wachstum 2012 nur noch 6,4 Prozent betragen könnte, falls Griechenland den Euroraum verließe. Das wäre der schwächste Wert seit mehr als zwei Jahrzehnten. Das Institut legt dieser Rechnung die Annahme zugrunde, dass der Austritt Griechenlands das Wachstum der Weltwirtschaft halb so stark belasten würde wie die Finanzkrise 2008 und 2009. Damals hatte China mit dem umfassendsten Konjunkturprogramm und der größten Kreditschwemme aller Zeiten gegengesteuert.

          Auch diesmal müsse das Land die Investitionen und die Geldversorgung gezielt ausweiten, um eine große Entlassungswelle zu vermeiden und wenigstens das Mindestziel von 7,5 Prozent Wachstum zu erreichen, fordert die CICC. Falls Griechenland den Euroraum verlässt, würde Chinas Export den Berechnungen zufolge um 3,9 Prozent zurückgehen. In der zurückliegenden Exportkrise nach 2008 hatten schon einmal Millionen Wanderarbeiter ihre Stellen verloren. Sofern das Szenario nicht eintrete, sei ein Ausfuhrplus von 10 Prozent möglich, schreiben die Analysten, das BIP-Wachstum betrüge dann 8,1 Prozent.
           

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