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Doing-Business-Report : Weltbank manipulierte wichtige Länder-Rangliste

Die ehemalige Geschäftsführerin der Weltbank und heutige Chefin des IWF, Kristalina Georgiewa, spricht auf dem Weltwirtschaftsforum 2019 in Davos. Bild: dpa

Die Weltbank hat ein Ranking der Wirtschaftsfreundlichkeit von Volkswirtschaften geschönt, um China ruhig zu stellen. Das offenbart ein interner Bericht. Die neue IWF-Chefin Kristalina Georgiewa gerät daher ins Visier.

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          Der Doing Business-Report, einer der wichtigsten regelmäßigen Berichte der Weltbank, ist auf Druck der Weltbankführung manipuliert worden, um China bessere Plätze im Länderranking zu verschaffen. Die aktuelle Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgiewa, spielte dabei eine zentrale Rolle als damalige Vorstandschefin der Weltbank. Das geht aus einem Untersuchungsbericht der Rechtsanwaltskanzlei WilmerHale hervor, den die Weltbank jetzt veröffentlicht hat.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Neben Georgiewa machten die Anwälte den damaligen Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim als Strippenzieher der Manipulation aus. In ihrem Doing-Business-Report bewertet die Weltbank die Wirtschaftsfreundlichkeit von Ländern nach verschiedenen Kriterien wie bürokratischen Hindernissen für Unternehmensgründungen, Rechtssicherheit  oder Energieversorgung und vergibt entsprechende Rankings. Neben dem China-Ranking wurden auch die Zahlen von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nach oben manipuliert und das Ranking von Aserbaidschan absichtsvoll verschlechtert, ohne dass allerdings eine Involvierung der Weltbankführung nachgewiesen werden konnte.  

          Nach Darstellung des Untersuchungsberichts  war die chinesische Führung mit ihrem damaligen Rangplatz 78 für 2017 unzufrieden. Chinesische Offizielle übten Druck auf die Weltbank-Führung aus und kritisierten, dass Fortschritte nicht angemessen gewürdigt worden seien. Im Entwurf des Berichts für 2018 landete China nur auf Rang 85. Das empfanden Kim und Georgiewa offenbar als höchst  heikel in einer Phase, in der die Weltbank um eine Kapitalerhöhung warb und deshalb mächtige Länder als Verbündete nicht verprellen wollte.

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          Kims Assistenten gaben sich nicht mit dem Hinweis des Redaktionsteams zufrieden, dass China zwar Fortschritte verzeichnet habe, aber andere Länder mit noch größeren Reformerfolgen an dem Land vorbei gezogen seien. Kim und seine Mitarbeiter diskutierten mit den Autoren des Reports Möglichkeiten, das Land in besserem Licht dastehen zu lassen, unter anderem durch die Einbeziehung Hongkongs oder Taiwans. Später übernahm laut Bericht Georgiewa die Aufgabe, das Ranking zu schönen. Sie fand mit den Autoren eine Lösung, die China wenigstens auf wieder auf den alten Rang 78 vorrücken ließ. 

          Die Weltbank stellt den Report nun endgültig ein, nachdem sie ihn schon im Juni 2020 auf Eis gelegt hatte. Damals waren Unstimmigkeiten in den Daten intern gemeldet worden.  Weil interne Berichte zudem auf Fehlverhalten von Mitarbeitern und ehemaligem Führungspersonal der Weltbank deuteten,  betraute die eingeschaltete Ethik-Kommission der Weltbank die Anwaltsfirma WilmerHale, um etwaige Verfehlungen bei der Entstehung des Berichts aufzuspüren. Ein Weltbank-Sprecher wollte keinen weiteren Kommentar abgeben: „Der Bericht spricht für sich selbst.“

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