https://www.faz.net/-gqe-3pu2

Welt-Aidskonferenz : Pharmaindustrie profitiert von neuen Aids-Mitteln

  • Aktualisiert am

Auch wenn die Forschungskosten hoch sind, können die Pharma-Multis mit ihren Aids-Medikamenten viel Geld verdienen.

          2 Min.

          Bei der Entwicklung neuer Aids-Medikamente haben Pharmakonzerne weitere Fortschritte erzielt, wodurch sie künftig in den Industrieländern Umsätze in Millionenhöhe erwarten. Deutsche Firmen spielen bei der Aids-Forschung allerdings nach Einschätzung von Experten bis auf wenige Ausnahmen eine eher untergeordnete Rolle.

          Der weltweitgrößte Hersteller von Aids-Wirkstoffen, GlaxoSmithKline (GSK), berichtete auf der internationalen Aids-Konferenz in Barcelona über positive erste Resultate bei der Entwicklung einer völlig neuen Klasse von Wirkstoffen, den sogenannten Integrase-Hemmern. Bei ersten Anwendungen am Menschen sei der Wirkstoff erfolgreich getestet worden, teilte GSK mit.

          Am Vortag hatte bereits die schweizerische Roche ein neues Aids-Medikament mit der Bezeichnung T-20 vorgestellt. Nach Einschätzung von Experten dürften die meisten neuen Aids-Wirkstoffe aber wegen ihrer Preise wahrscheinlich außerhalb der Reichweite der meisten Betroffenen in den Entwicklungsländern bleiben.

          Neues Medikament 2006 auf dem Markt

          Nach Auskunft von GSK wurde der neue Wirkstoff mit der Bezeichnung GW810781 erfolgreich an 24 gesunden Freiwilligen ohne Auftreten ernsthafter Nebeneffekte getestet. Falls die Entwicklung erfolgreich verläuft, will GSK das Medikament nach eigenen Angaben um das Jahr 2006 auf den Markt bringen.

          Zuvor hatte bereits Roche auf der Konferenz Ergebnisse klinischer Studien zu seinem neuen Aids-Mittel T-20 präsentiert. Roche und sein US-Partner Trimeris wollen die Zulassung von T-20 noch in diesem Halbjahr in den USA beantragen.

          Experten rechnen mit einem Jahresumsatz für das Mittel zwischen 300 und 600 Millionen Dollar. T-20 soll vor allem Patienten helfen, die auf die übliche Therapie nicht mehr ansprechen. Mit einem geschätzten Preis von 10.000 bis 12.000 Dollar im Jahr pro Patient dürfte dies nach Einschätzung von Experten das bislang teuerste Aids-Mittel auf dem Markt werden.

          Branchenbeobachtern zufolge treten bis auf wenige Ausnahmen deutsche Firmen bei der Aidsforschung kaum hervor. „Bei der industriellen Aids-Forschung spielt Deutschland gegenwärtig keine große Rolle,“ sagte der Pharmaexperte Karl-Heinz Scheunemann vom Bankhaus Metzler.

          Geringe deutsche Beteiligung

          Dies gelte mit Ausnahme von Boehringer Ingelheim und dem Leverkusener Bayer-Konzern, der nach eigenen Angaben innerhalb seiner Virologie-Forschung auch an Aids forscht. Von den 16 zur Zeit auf dem Markt verfügbaren Aids-Mittel ist allein Viramune, bereits 1996 zugelassen von der US-Gesundheitsbehörde, ein Produkt der deutschen Boehringer. Alle anderen werden von GSK, Bristol-Myers Squibb, Roche, Pfizer oder weiteren internationalen Konzernen vermarktet.

          Für Pharmakonzerne ist die Aids-Forschung nach Einschätzung von Branchenexperten insgesamt mit hohem Risiko verbunden. „Aids-Forschung ist sehr aufwändig und das Risiko zu scheitern ist sehr hoch", sagte der Pharmaexperte Frank von Collani von der Behrenberg Bank. Dies gelte selbst noch für die Phase III der klinischen Erprobung, wenn bis dahin bereits bis zu 700 Millionen Euro investiert seien. Dazu komme das Problem, dass möglicherweise wegen der raschen Mutation des Virus sich Resistenzen zeigten und sich die Medikamente auf dem Markt nicht lang genug verwerten lassen.

          Dazu kommt auch das Problem, dass in den von HIV zunehmend betroffenen Weltregionen wie vor allem in Afrika teure Aids-Medikamente nicht profitabel absetzbar seien.

          Proteste gegen Pharmakonzern

          Deshalb kam es auf der Welt-Aids-Konferenz auch erneut zu Tumulten. Italienische Aids-Aktivisten besetzten zeitweise den Stand des US-amerikanischen Pharmakonzerns Gilead, bliesen in Trillerpfeifen, rissen Poster ab und enthüllten ein Transparent mit der Aufschrift „Freier Zugang zu Aids-Medikamenten“. Sie protestierten damit gegen die ihrer Ansicht nach mangelnde Kooperationsbereitschaft des Unternehmens mit Aids-Patienten und die hohen Arzneimittelkosten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Beim Grillfest der SPD in Rostock: Ministerpräsidentin Schwesig

          Schwesig im Wahlkampf : Als stünde sie allein im Ring

          Beflügelt durch die Beliebtheit der Ministerpräsidentin steht der SPD in Mecklenburg-Vorpommern ein historischer Sieg bevor. Wie ist das Manuela Schwesig gelungen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.