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Wellendorff : Ein zehnmal gespaltenes Haar in Gold

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          Die Liebe zum Detail und die Begeisterung für das Produkt, die Schmidt und seine Sinn-Uhren atmen, begegnen dem Besucher in Pforzheim wieder. Hier fertigt die Familie Wellendorff seit 1893 Goldschmuck. In der vierten Generation führt Christoph Wellendorff zusammen mit seinem Bruder das tägliche Geschäft der Manufaktur. Eltern, Ehefrauen und Kinder helfen allesamt mehr oder weniger aktiv mit. So ist die Manufaktur ein Familienbetrieb im wahrsten Sinne des Wortes. „Mein Bruder ist mein bester Freund geworden“, sagt Christoph Wellendorff, nicht ohne aufrichtig hinterherzuschieben: „Das war nicht immer so.“ Morgens spazieren die Brüder aus ihren nicht weit voneinander entfernt liegenden Häusern gemeinsam in die Firma, mittags gehen sie gemeinsam zum Essen nach Hause, und abends nehmen sie den Rückweg wieder zusammen. Die engen Bande, da sind sie sich sicher, sind ein Grundpfeiler des Erfolgs.

          Die Wellendorffs schätzen den Kontakt zu ihren Abnehmern, die nicht die großen Ketten der Branche sind. „Achtzig Prozent unserer Juweliere haben nur ein Geschäft, und da stehen sie jeden Tag selbst drin.“ Viele Reisen gehören deshalb zu Christophs Alltag, wohingegen sich sein Bruder Georg vor allem in der Produktion aufhält. „Die Kunden verlangen, dass die Familie hinter jedem einzelnen Schmuckstück steht.“ Die gesamte Wertschöpfung findet in Pforzheim statt. „Außer Gold und Brillanten kaufen wir nichts zu“, sagt Christoph Wellendorff. Von Protektionismus halte er nichts, schließlich sei die Manufaktur, deren Schmuck auch im japanischen Kaiserhaus getragen werde, ein Globalisierungsgewinner. Doch produziert gehöre ein derart wertvolles Produkt in Deutschland. Er könne nicht verstehen, sagt er mit einem Seitenhieb auf manch klangvolle Modemarke, „dass eine Jacke 5000 Euro kostet und trotzdem in China hergestellt wird“.

          Seiner Haltung kommt der Umstand entgegen, dass Wellendorff-Schmuck nach eigener Überzeugung andernorts so nicht herzustellen ist. Zum Beispiel, wenn 160 Meter Golddraht in einem Collier verarbeitet werden. „Handwerk kann ein Chinese auch, aber Hochtechnologie kann er nicht. Wir benötigen Präzision im Tausendstelmillimeter-Bereich. Das ist so, als ob ein Haar zehnmal gespalten würde. Dafür brauchen wir die besten Goldschmiede. Und selbst ein Goldschmiedemeister braucht ein bis zwei Jahre, bis er nach unserer Philosophie richtig mitarbeiten kann“, sagt Wellendorff.

          Hanspeter (r.), Georg und Christoph (l.) Wellendorff, Schmuckmanufaktur Wellendorff

          Fünfzig Goldschmiede, Kettenmacher, Fasser, Werkzeugmacher, Zurichter und Polisseure fertigen Gürtel aus „Gold wie Seide“ zu 111.000 Euro oder ein Collier für 49.500 Euro, an dem die verschiebbare Diamant-Ronde auch nach mehreren tausend Bewegungen keine Beschädigung hinterlassen darf. „Umsatz und Gewinn sind nicht die Materie, die uns antreibt. Wir haben eine inhaltliche Vision“, meint Wellendorff und trägt diese über die Firma hinaus. „Ich bringe mich über den Wirtschaftsrat der CDU in die Politik ein. Was er dort vorträgt, ist kein Geheimnis: „Wir brauchen nachhaltige, industrielle Wertschöpfung in Deutschland.“

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