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RWI-Leibniz : Welche Klimaschutzmaßnahmen wirken – und welche nicht

  • -Aktualisiert am

Ein Teilnehmer hält während einer Demonstration des Bündnisses „Potsdam for Future“ ein Schild hoch. Bild: ZB

Deutschland braucht mehr Klimaschutz – doch wie genau soll der aussehen? Längst nicht jede staatliche Maßnahme ist wirksam und hilfreich.

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          Der Staat verfügt über viele Möglichkeiten, seine Bürger zu mehr Engagement im Klimaschutz zu motivieren. Er kann sie ermuntern, finanziell unterstützen oder sogar zwingen, mehr zum Schutz der Atmosphäre zu tun. Künftig könnte sogar eine neue Abgabe hinzukommen, die alle bezahlen müssen, die Kohlendioxid emittieren: also Autofahrer, heizende Wohnungsbesitzer oder Flugreisende, die Kerosin verbrauchen. Die Regierung will darüber im September entscheiden.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Doch längst nicht jede staatliche Maßnahme, ist wirksam und hilfreich. Darauf weist das RWI – Leibniz Institut für Wirtschaftsforschung in einer neuen Studie hin. Die Forscher haben sich die Wirksamkeit und Effizienz ausgewählter Instrument der Klimapolitik angesehen. Der Vergleich der Resultate zeigt, manche wirken gut, manche verkehren die gute Absicht ins Gegenteil. Den staatlichen Instrumentenkasten unterscheiden sie grob in drei Kategorien: solche zur Information der Verbraucher, solche, die über den Preis steuern sowie Ge- und Verbote.

          Gut schneiden im RWI-Vergleich Veröffentlichungspflichten ab. Dazu zählen etwa Informationspflichten wie der Gebäudeausweis, den Vermieter und Verkäufer von Immobilien vorlegen müssen. Der Ausweise lässt Rückschlüsse auf die Energiekosten etwa fürs Heizen zu. Wenig überraschend ist, dass Verkäufer von Häusern mit einer schlechten Energieeffizienz die Informationen darüber nur ungern herausrücken.

          Geringer Effekt von Energiesparbriefen

          Die Analysen des RWI zeigen, dass Verkäufer nach Einführung des Energieausweises die Preise ihrer Immobilien um rund 10 Prozent gesenkt hätten, besonders stark für Häuser mit einer niedrigen Energieeffizienz. Die Analyse bestätige, dass Veröffentlichungspflichten eine wichtige Maßnahme der Klimapolitik seien, um Informationsassymmetrien zu verringern. Käufer könnten damit die Energieeffizienz der Gebäude besser bewerten. Doch stiegen dadurch auch die Anreize für Hausbesitzer, bestehende Wohnungen energieeffizient zu modernisieren, weil künftige Käufer diese Investitionen entsprechend honorieren würden. Selbstredend sei es wichtig, solche Veröffentlichungspflichten durch Überprüfungen und klare gesetzliche Regelung auch durchzusetzen.

          Als hilfreich erachten die Forscher auch die Angabe von Energielabels zur Kennzeichnung des Stromverbrauchs von Haushaltsgeräten, etwa mittels Angabe der Energieeffizienzklassen von A+++ (sehr effizient) bis D (sehr ineffizient). Studienergebnisse zeigten, dass die Angabe der Betriebskosten häufiger zu Entscheidungen auch für energieeffiziente Produkte führe als nur die Angabe des EU- Energielabels. Die politische Bedeutung ist für die RWI-Forscher klar: „Das aktuelle EU-Label sollte um Informationen zu Betriebskosten ergänzt werden.“ Damit werde der Kauf energieeffizienter Haushaltsgeräte angereizt und geholfen, den Stromverbrauch privater Haushalte zu verringern.

          Kritisch setzen sich die Experten mit Energiesparbriefen auseinander. Dabei geht es darum, den Stromverbrauch ähnlicher Haushalte in einem Stadtviertel untereinander zu vergleichen und die Haushalte über die Unterschiede zu informieren. So würden diejenigen mit einem hohen Energieverbrauch „angestupst“, diesen zu senken und mehr für den Klimaschutz zu tun. Studien aus Amerika hätten die Wirksamkeit des Energiesparbriefs als Klimapolitikmaßnahme bestätigt. Allerdings konnten die Ergebnisse in Deutschland nicht wiederholt werden. RWI-Forscher hatten Haushalte ein Jahr lang mit Energiesparbriefen versorgt. Doch die Reaktionen waren gering. Im Vergleich zur Kontrollgruppe verringerten die Bezieher der Energiesparbriefe ihren Verbrauch nur um durchschnittlich 0,7 Prozent. Das sei „kein kosteneffektives Politikinstrument“.

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