https://www.faz.net/-gqe-a6pvw

Bestellt bei Ebay : Welche Produkte wegen Corona plötzlich beliebt sind

Die Suchanfragen auf der Online-Auktionsplattform Ebay wichen im Corona-Jahr 2020 deutlich von den üblichen Zahlen ab. Bild: dpa

Die Pandemie hat das Konsumverhalten der Deutschen erheblich verändert. Dies geht auch aus den vom Online-Auktionator Ebay gesammelten Zahlen hervor. Welche Ladenhüter wurden zum Verkaufsschlager und umgekehrt?

          2 Min.

          Das Auktionshaus Ebay betrachtet sich mit seinen 18 Millionen Kunden in Deutschland als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Jährlich veröffentlicht das Unternehmen einen Jahresrückblick auf das Shoppingverhalten der Deutschen. Üblicherweise sind diese Daten nicht wirklich überraschend, aber bekanntermaßen ist in diesem Jahr alles anders. Und so hat sich Corona in den Ebay-Such-Statistiken nachhaltig niedergeschlagen – so nachhaltig, dass sich daran die Entwicklung der Pandemie nacherzählen lässt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Viele Produkte, denen der einzelne Verbraucher im vergangenen Jahr noch keine große Bedeutung beigemessen hat, gehören mittlerweile zum Alltag“, konstatiert die Handelsplattform. Dementsprechend zählten Produkte des medizinischen Bedarfs, wie Einwegmasken, Handschuhe und Mundschutz, zu den Toptrends in den Anfragen. Im Schnitt wurde 2020 alle 20 Sekunden eine Mehrfachpackung Mundschutz über Ebay gekauft.

          Die Schließungen von Friseursalons während des ersten Lockdowns bescherten der Kategorie Rasurzubehör eine hohe Nachfrage. Nicht jeder wollte sich mit einer Corona-Matte anfreunden, und so verbuchten Haarschneidemaschinen einen Zuwachs von 314 Prozent. Auf weniger Interesse stießen Schminkutensilien. Wer zu Hause bleibt, braucht keine Gesichtsverschönerung: Die Suche nach Make-up-Produkten sank um ein Viertel.

          Tickets völlig uninteressant

          Mangels Veranstaltungen ging auch das Interesse an den veranstaltungsbezogenen Kategorien nahezu gegen null. Die Suchanfragen nach Tickets sanken um 98 Prozent. Accessoires und Dekorationen für festliche Anlässe – wie Hochzeiten und Taufen – gingen um 85 Prozent zurück. Ebay kann mit seinen Anfragenzahlen beweisen, was viele ahnten: „2020 dreht sich alles um das eigene Zuhause.“

          Und zu Hause war für viele Homeoffice-Mitarbeiter erst einmal Aufrüsten angesagt. Wer virtuell an Konferenzen und Besprechungen teilnimmt, braucht eine Webcam: plus 2149 Prozent. Die Suchanfragen nach Notebook- und Desktopzubehör stiegen um 124 Prozent, die nach Bürostühlen um 100 Prozent. Drastisch weniger gefragt waren dagegen Schulranzen und Rucksäcke. Das Minus von 29 Prozent illustriert den Trend zum Homeschooling, zur Verlagerung des Schulunterrichts nach Hause.

          Und dort arbeiteten viele Deutsche nicht nur für die eigene Firma, sondern auch am eigenen Haus. „Die Kategorie Heimwerker hat in diesem Jahr den stärksten Anstieg der Suchanfragen verzeichnet“, konstatiert man von Seiten Ebays. Das Unternehmen mutmaßt, dass viele lange verschobene Reparaturen aufholten oder sich selbst „kreativ austoben“ wollten. Aus welchen Grund auch immer: „Malerbedarf“ legte um 645 Prozent zu, „Ersatzteile und Werkzeuge“ um 404 Prozent, „Installation: Wärme- und Klimatechnik“ um 225 Prozent, „Erneuerbare Energien“ und „Baustoffe und Bauelemente“ um jeweils 208 Prozent.

          Fitness hoch im Kurs

          In ähnlichen Größenordnungen schoss nur noch das Interesse an Fitness nach oben. Weil Studios schlossen, rüsteten viele ihre heimische Sportecke auf – was am Plus für Hanteln (605 Prozent), „Krafttraining und Gewichte“ (496 Prozent) sowie „Yoga & Pilates“ (216 Prozent) deutlich wird. Im heißen Sommer hatten Schwimmbecken und Pools eine Sonderkonjunktur mit einem Plus von 98 Prozent. Auch für Fahrräder und E-Bikes war das Corona-Jahr ein gutes Jahr. Die beiden Sektoren legten um 32 beziehungsweise 60 Prozent zu. Für Überraschung sorgten Golftrainingshilfen (plus 140 Prozent): Mit ihnen können Spieler ihr Handicap auch außerhalb des Platzes verbessern. Urkunden, Medaillen und Pokale für Sportveranstaltungen wurden ohne Wettkämpfe wiederum nicht benötigt: minus 97 Prozent. Ohne offene Pisten sparten sich zum Winter hin viele Ebayer den Blick auf Angebote an Skischuhen (minus 89 Prozent) und Snowboards (minus 71 Prozent).

          Für den Sektor Unterhaltung galt: VR-Brillen (plus 143 Prozent) statt Kino, Nintendo (plus 180 Prozent) statt Theater. Aber auch analoge Spiele kamen überdurchschnittlich an. Während des ersten Lockdowns stiegen die Suchanfragen nach Puzzles und Geduldspielen um fast 400 Prozent, im Herbst waren Sammelkarten noch gefragter. Sogar Altbekanntes geriet wieder in den Blick. Nach „Schach“ wurde 43 Prozent häufiger gesucht als 2019.

          F.A.Z.-Newsletter „Coronavirus“

          Die ganze Welt spricht über das Coronavirus. Alle Nachrichten und Analysen über die Ausbreitung und Bekämpfung der Pandemie täglich in Ihrem E-Mail-Postfach.

          Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Corona verändert unsere Rituale. Wir können nicht unbelastet trauern“: Elke Büdenbender, Mitte Januar in Schloss Bellevue.

          Elke Büdenbender im Interview : „Wir müssen über das Sterben reden“

          Mehr als 50.000 Corona-Tote: Wie gehen wir damit um? Elke Büdenbender, Juristin und Frau des Bundespräsidenten, spricht im Interview über einsame Abschiede, unbelastetes Trauern und das Bewusstsein für die eigene Endlichkeit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.