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Deutsche Wälder und Felder : Ein weiterer Dürresommer hätte gravierende Folgen

In den trockenen Wäldern des Nationalparks Harz herrscht derzeit Waldbrandstufe 3. Bild: dpa

Die Wasserspeicher sind aufgebraucht, trockene Böden bereiten den Land- und Forstwirten große Sorgen. Was würde eine weitere Trockenphase für die deutsche Flora bedeuten?

          Der vergangene Dürresommer hat negative Spätfolgen für die Landwirtschaft und die deutschen Wälder. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) berichtet, sind in vielen Regionen die Böden deutlich trockener als üblich. Vor allem in Sachsen-Anhalt und Thüringen sei die Bodenfeuchte schon jetzt so niedrig wie im Juli 2018. Landwirte blicken daher mit Sorge auf das Wetter: „In den von der Trockenheit betroffenen Gebieten hat der Winterregen nicht ausgereicht, um die Bodenvorräte wieder aufzufüllen. Daher gibt es eine gewisse Nervosität“, sagt Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbands. Er hoffe jedoch auf den für die kommenden Tage angekündigten Regen.

          In den ersten drei Monaten ist dem DWD zufolge zwar mehr Regen gefallen als für diese Jahreszeit üblich. In den vergangenen Wochen war es jedoch sehr trocken. Vor allem der Norden, der Osten und Bayern seien von der Trockenheit betroffen. In diesen Regionen wurden in den vergangenen fünf Wochen nur 1 bis 10 Prozent des üblichen Niederschlagmittelwerts gemessen, wie der DWD mitteilt. Auch der nun angekündigte Regen dürften demnach nicht nachhaltig sein. Und selbst wenn es mehr regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen des DWD zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert.

          Schon im vergangenen Jahr hatten Pflanzen und Bäume wegen der Dürre zu kämpfen. Jedoch konnten sie damals zunächst noch auf Feuchtigkeit in tieferen Bodenschichten zurückgreifen. Dieser Speicher sei nach dem Dürresommer aufgebraucht und bisher nicht ausreichend aufgefüllt worden, heißt es vom DWD. Ob es in diesem Jahr abermals zu einer Dürre kommt, ist nicht vorhersehbar. Falls es aber so käme, hätte nicht nur die Landwirtschaft wieder ein Problem. Auch Pflanzen und Bäume, die tiefer wurzeln, litten, da ihnen der tiefer liegende Wasserspeicher fehlte. Betroffen wären also zum Beispiel Weinreben und Wälder. Schon im vergangenen Jahr sind viele neugepflanzte Bäume vertrocknet.

          Wald- und Flächenbrände häufen sich

          Und noch etwas wird zum Problem: Fichten können derzeit aufgrund der fehlenden Feuchtigkeit weniger Harz bilden, das gegen Schädlinge hilft. „Durch die lange Trockenheit haben wir ein riesiges Borkenkäferproblem“, sagt Torben Halbe, Projektmitarbeiter des Deutschen Forstwirtschaftsrats. Das Problem werde in diesem Jahr noch gravierender, da viele Larven im Winter überlebt hätten; in Nordrhein-Westfalen seien es etwa 90 Prozent gewesen. Sollte 2019 wieder so trocken werden wie 2018, könnten viele Bäume vertrocknen.

          Dies habe finanzielle Folgen für die Forstwirtschaft. Wenn Bäume in ihren besten Jahren gefällt und verkauft werden, sinke der Preis, sagt Halbe. „Das ist eine Hypothek in der Zukunft.“ Schließlich könne man das Holz andernfalls später für mehr Geld verkaufen. „Das ganze Holz wird auf den Markt gespült“, sagt Halbe und spricht von „schweren wirtschaftlichen Schäden“. Die Preise für Kiefern und Fichten etwa seien stark gesunken. Manche Holzerlöse deckten die Kosten der Aufarbeitung nicht mehr. Diese diene dann nicht mehr dem Gewinn, sondern nur noch dem Waldschutz.

          Auch für die Landwirte hat Trockenheit wirtschaftliche Folgen. Der Bauernverband spricht von einem Schaden von 3Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Aufgrund der Dürre hatte es staatliche Hilfen für existenzbedrohte Betriebe gegeben. Dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft zufolge sind bisher 9500 Anträge eingegangen, etwa 5400 Anträge wurden schon bewilligt und Auszahlungen in Höhe von etwa 132 Millionen Euro veranlasst.

          Angesichts der aktuellen Waldbrandgefahr in Teilen Ost- und Norddeutschlands hat sich auch der Deutsche Feuerwehrverband in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ zu Wort gemeldet und abermals mehr große Löschhubschrauber gefordert. Seit Tagen kommt es vermehrt zu Wald- und Flächenbränden. Um der Waldbrandgefahr etwas entgegenzusetzen, wird nach Angaben des Deutschen Forstwirtschaftsrats auf einen Waldumbau gesetzt, um mehr Mischwälder entstehen zu lassen. Dies sei aber ein langwieriger Prozess. Eine Statistik der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zeigt, dass die Zahl der Waldbrände in Deutschland trotz des Klimawandels in den neunziger Jahren höher war als nach der Jahrtausendwende. Jedoch fehlen in der Statistik Vegetationsbrände.

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