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Weitere Einsparungen nötig : Ford macht ein neues Abfindungsangebot

Ford will weiter sparen - obwohl das Unternehmen bislang vergleichsweise glimpflich durch die Krise kam Bild: dpa

Der Autohersteller Ford muss trotz seiner Fortschritte weiter sparen. Das Unternehmen hat ein für alle 41.000 Mitarbeiter in den amerikanischen Werken geltendes Abfindungspaket geschnürt. Es ist aber fraglich, ob viele Beschäftigte sich auf die Offerte einlassen.

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          Der amerikanische Autokonzern Ford Motor Co. sieht sich zu weiteren Einsparungen gezwungen und hat eine neue Abfindungsrunde in seiner amerikanischen Produktion eingeläutet: Ford hat ein für alle 41.000 Mitarbeiter in den amerikanischen Werken geltendes Abfindungspaket geschnürt und hofft nun darauf, dass viele Beschäftigte das Angebot annehmen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Offerte ist aber freiwillig, und nach Ansicht von Beobachtern ist es wenig wahrscheinlich, dass sehr viele Mitarbeiter sich darauf einlassen. Denn Ford hat in diesem Jahr schon einmal ein freiwilliges Abfindungsangebot gemacht, das am Ende nur von rund 1000 Mitarbeitern akzeptiert wurde. Angesichts der schwierigen Lage auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt dürften sich die meisten Beschäftigten an ihren Job klammern, auch wenn das Unternehmen mit einer Abfindungszahlung winkt. Zudem scheint ein Arbeitsplatz bei Ford mehr Zukunftssicherheit zu versprechen als anderswo in der Industrie: Ford gilt als der gesündeste der amerikanischen Autokonzerne und hat zuletzt mit Ergebnissen, die besser als erwartet ausgefallen sind, Hoffnung auf eine Stabilisierung des Geschäfts geweckt.

          Ford unterstreicht die Notwendigkeit, weiter sparen zu müssen

          Mit der abermaligen Abfindungsrunde unterstreicht Ford aber die Notwendigkeit, weiter sparen zu müssen. Das Unternehmen gab zu, gemessen an der derzeitigen Nachfrage im Automarkt noch immer Überkapazitäten in der Fertigung zu haben. Der Automobilhersteller hat seine Belegschaft in den vergangenen Jahren bereits dramatisch reduziert: In ganz Nordamerika hatte Ford Ende 2006 noch 90.000 Produktionsmitarbeiter. Im dritten Quartal dieses Jahres sind davon nur noch rund 50.000 verblieben. Obwohl auch Ford voll in den Sog der Wirtschaftskrise geraten ist, ist das Unternehmen zur Vorzeigeadresse in der amerikanischen Autoindustrie geworden. Denn im Gegensatz zu den Konkurrenten General Motors (GM) und Chrysler kam Ford ohne Staatshilfen durch die Krise und konnte auch als einziges der drei Unternehmen bislang eine Insolvenz vermeiden. Unter anderem hat Ford davon profitiert, sich schon im Jahr 2006 und damit vor der Wirtschaftskrise Zugang zu umfangreichen Kreditlinien gesichert zu haben.

          Ford hat sich aber auch im Markt gut geschlagen und seine Anteil in den Vereinigten Staaten in diesem Jahr ausgebaut. Die Absatzzahlen schrumpften zwar zwischen Januar und November gegenüber den Vergleichsmonaten im Vorjahr um knapp 19 Prozent. Auf dem Gesamtmarkt gab es allerdings ein Minus von fast 24 Prozent. Für das dritte Quartal meldete Ford überraschend einen Nettogewinn von fast einer Milliarde Dollar, während GM im vergleichbaren Zeitraum einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar erlitten hat. Selbst auf dem schwierigen amerikanischen Heimatmarkt, in dem Ford seit Jahren Verluste hinnehmen musste, schaffte das Unternehmen wieder einen Gewinn.

          Ford bietet allen seinen Mitarbeitern nun 50.000 Dollar an, wenn sie das Unternehmen verlassen. Dazu kommt entweder ein Gutschein für einen Autokauf im Wert von 25.000 Dollar oder weitere 20.000 Dollar in bar. Weiterhin verspricht Ford scheidenden Mitarbeitern das Fortbestehen einer Krankenversicherung für sechs Monate. Das aktuelle Angebot von Ford ist vergleichbar mit früheren Abfindungsrunden.

          Unterdessen macht Ford offenbar weitere Fortschritte beim geplanten Verkauf der schwedischen Tochtergesellschaft Volvo. Nach einem Bericht der „Financial Times“ nähert sich Ford einer Einigung mit dem chinesischen Hersteller Geely. Ford hat bereits vor einigen Monaten mitgeteilt, dass Geely der bevorzugte Verhandlungspartner bei Volvo sei. Der Ford-Vorstandsvorsitzende Alan Mulally sagte vor wenigen Tagen, die Verhandlungen machten gute Fortschritte, und es werde hoffentlich bald zu einer Vereinbarung kommen.

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