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Weitere Einschnitte : Commerzbank will noch mehr sparen

  • Aktualisiert am

Bis Anfang November will die Commerzbank ihre Strategie überprüft haben Bild: dpa

Angesichts der Schuldenkrise rechnet die teilverstaatlichte Commerzbank mit einer sich weiter eintrübenden Lage. Auch das Privatkundengeschäft kommt trotz der Übernahme der Dresdner Bank nicht voran. Ein neues Sparprogramm soll helfen.

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          Die Commerzbank geht auf einen drastischen Sparkurs. Angesichts der sich eintrübenden Konjunktur, der anhaltenden Euro-Schuldenkrise und des schwachen Privatkundengeschäfts soll die gesamte Kostenbasis überprüft werden. Bis November will die Bank vor allem das Geschäft mit den elf Millionen Privatkunden unter die Lupe nehmen, mit dem sie im zweiten Quartal kaum noch Geld verdiente, wie Vorstandschef Martin Blessing am Donnerstag in Frankfurt sagte.

          „Wir werden die strategische Weiterentwicklung des Segments vorantreiben“, erklärte Finanzvorstand Stephan Engels. Was das konkret heißt, ließ er zunächst offen. Die Bank verwies lediglich darauf, Anfang November die Ergebnisse ihrer Strategieüberprüfung vorzustellen. Spekulationen über einen Stellenabbau und Filialschließungen kursieren bereits seit einigen Wochen.

          Düstere Aussichten für das zweite Halbjahr

          Für das zweite Halbjahr rechnet die zweitgrößte deutsche Bank mit sinkenden Gewinnen, nachdem das Konzernergebnis schon im ersten Halbjahr um ein Drittel auf 697 Millionen Euro geschrumpft war. „Wir sehen derzeit keine Anzeichen dafür, dass sich der Druck auf das operative Ergebnis reduziert“, sagte Finanzvorstand Engels. Doch Blessing stellt den Gewinn ohnehin hintan, Priorität habe die Reduzierung der Risiken und das Kapitalmanagement, betonte er.

          Die Führung der Bank hat Angst vor einer Verschärfung der Euro-Krise, da sie vor allein in Spanien und Italien stark engagiert ist. Ihr Portfolio an italienischen und spanischen Staatsanleihen wolle die Commerzbank ohne allzu große Verluste abbauen, sagte Finanzchef Engels in einer Telefonkonferenz am Vormittag. Doch das könne dauern. „Ich sehe derzeit keinen liquiden Markt dafür.“

          „Größtes Abwärtsrisiko bleibt ein von einer Eskalation der Staatsschuldenkrise - also einem Auseinanderbrechen der Währungsunion - ausgelöster Unsicherheitsschock“, heißt es im Zwischenbericht. Doch dafür hat sich die Bank gewappnet, indem sie ihr Kapitalpolster seit Ende 2011 um 8,1 Milliarden Euro aufgestockt hat. Dabei hatten die EU-Aufseher von der EBA nur eine Lücke von 5,3 Milliarden Euro ausgemacht.

          Die Risiken in der Bilanz, für die die Commerzbank Kapital zurücklegen muss, seien im zweiten Quartal nochmals um 13 Milliarden auf 210 Milliarden Euro gedrückt worden. Vor allem dadurch habe sich die Kernkapitalquote auf 12,2 (Ende März: 11,3) Prozent erhöht. Wenn von Anfang 2013 an im Wesentlichen nur noch Aktien und Gewinnrücklagen als Kapitalstock zählen, werde die Bank auf eine Quote von mindestens 10 Prozent kommen, Übergangsregeln eingerechnet.

          Zwei Vorstände sollen Eurohypo und Schiffsbank abwickeln

          Mit dem Ende Juni beschlossenen Abbau des Geschäfts mit Schiffs- und Immobilienfinanzierungen sollen die Risiken weiter reduziert werden. Im ersten Halbjahr schrieb die Sparte mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust, vor allem weil die Rückstellungen für Schiffskredite drastisch aufgestockt werden mussten. Bis November soll feststehen, wie der Ausstieg vonstatten gehen und wie lange er dauern soll.

          Künftig werden sich gleich zwei Vorstände darum kümmern, Bestandteile des Portfolios aus den Bereichen gewerbliche Immobilienfinanzierung, Staats- und Schiffsfinanzierung loszuschlagen. Der erst im März 2012 gegründete Abbaubereich Non Core Assets (NCA) wird ab sofort von den Vorständen Ulrich Sieber und Jochen Klösges geführt. Sieber übernimmt die Aufgaben zusätzlich zu seiner Verantwortung für die Group Human Resources. Ende März waren bei der defizitären Immobilientochter Eurohypo noch 1200 Mitarbeiter beschäftigt.

          Selbst im Mittelstandsgeschäft hinter den Erwartungen

          Auch im Kerngeschäft mit Firmenkunden vor allem aus dem Mittelstand bekommt die Bank die dunklen Wolken am Konjunktur-Himmel allmählich zu spüren. Das Ziel, die Risikovorsorge 2012 unter 1,7 Milliarden Euro zu halten, sei „zunehmend ambitioniert“, räumte Finanzchef Engels ein. Mit 878 Millionen Euro verdiente die Mittelstandsbank im ersten Halbjahr zwar den Löwenanteil des Konzerngewinns, blieb damit aber hinter dem Vorjahr zurück. Im Privatkundengeschäft blieben nur noch 126 (195) Millionen Euro übrig, im zweiten Quartal ganze 14 Millionen Euro. Das sei „nicht zufriedenstellend“, kritisierte Engels. „Da die Erträge aber marktbedingt hinter unseren Erwartungen zurückbleiben, werden wir die strategische Weiterentwicklung des Segments vorantreiben.“

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