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Kommentar zu Chemikalien : Angstmacher in Weiß

  • -Aktualisiert am

Nanopartikel von Titandioxid in einer Falschfarbenaufnahme Bild: 55190444 © ISM / Agentur Focus

Unsicherheit zu schüren ohne klare Regeln zu benennen, kann keine Lösung sein. Titandioxid als „vermutlich krebserregend“ einzustufen, könnte weitreichende Konsequenzen haben.

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          Die Debatte um den Wunderweißmacher Titandioxid erinnert fatal an den Streit über die Feinstaubgrenzwerte an vielbefahrenen Straßen. Hier wie dort stehen sich wissenschaftliche Meinungen gegenüber, hier wie dort sind die Folgen für die Menschen gravierend.

          Tatsächlich könnte eine Kennzeichnungspflicht als „vermutlich krebserregend“ für den in der Öffentlichkeit bis dahin kaum diskutierten Stoff noch ein fulminanter öffentlicher Aufreger werden. Schließlich versteht wohl niemand, dass ein Weißmacher, der in Kindermalfarben verboten würde, in Kosmetika, Nahrungsmitteln oder gar Medikamenten weiterhin zugesetzt werden dürfte.

          So aber könnte es kommen, wenn die EU-Kommission am Donnerstag den Vorschlag ihrer eigenen Chemikalienagentur umsetzt. Die Einstufung würde automatisch weitreichende Rechtskaskaden nach sich ziehen. Bisher unkritischer Abfall wie Bauschutt, alte Fensterrahmen oder Tapetenreste würde wegen des Titandioxidgehaltes zu gefährlichem Abfall, müsste getrennt gesammelt und besonders verwertet werden.

          Gesundheit gegen wirtschaftliche Interessen auszuspielen kann in der Tat nicht das Ziel von Politik sein. Wirtschaftliche Interessen aber komplett außer Acht zu lassen und zugleich bei Verbrauchern große Unsicherheit zu schüren, ohne selbst klare Regeln zu setzen, kann auch keine Lösung sein.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

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