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Weihrauchwirtschaft in Oman : Der Duft des Himmels

Bild: Fricke, Helmut

Weihrauchharz war im Altertum besonders wertvoll. Oman versucht, das Geschäft neu zu beleben. Eine Geschichte in Worten und vielen Bildern.

          Vereinzelt ragen aus der abgeschiedenen Steinwüste karge Bäume, die gleißende Sonne lässt den Boden flimmern. Ein paar fahle Sträucher trotzen der Wüste Leben ab und verleihen der eintönigen Hochebene etwas Farbe. Was heute wie eine trostlose Einöde wirkt, war einst mit Gold aufgewogen worden. Denn das Produkt des Boswellia genannten Baumes war in der Antike der begehrteste Rohstoff überhaupt und der teuerste.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Helmut Fricke

          Redaktionsfotograf.

          Wann immer die Ägypter ihre Pharaonen mumifizierten, heiligten sie den Raum mit Weihrauch. Wann immer römische Kaiser in eine Stadt schritten, wurde ihnen würdevoll Weihrauch vorausgetragen. Als die Heiligen Drei Könige, die Magier aus dem Morgenland, den neugeborenen Jesus mit den wertvollsten Gütern ihrer Zeit beschenkten, brachten sie neben Gold auch Weihrauch und die damit verwandte Myrrhe. Als der römische Kaiser Nero um seine verstorbene Frau Poppaea Sabina trauerte, ließ er als Zeichen seiner Liebe die Weihrauchproduktion eines ganzen Jahres verbrennen.

          Durchgehalten: Der 90 Jahre alte Hassan Massoud ritzt mit einer Spachtel die papierartige Rinde des 300 Jahre alten Baumes ein

          Seit der Antike haben sich die Menschen über den aromatischen Duft des Weihrauchbaumharzes die Nähe Gottes sinnlich erfahrbar gemacht. Die katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen setzen bis heute den Weihrauch in ihren Gottesdiensten als den Duft des Himmels ein und als ein Symbol für die Reinigung des Menschen. Der intensive Duft des Weihrauchs hat nicht nur Unheil abgewendet, er hat immer auch lästige Fliegen vertrieben und den Kloakengestank mancher Städte überdeckt.

          Bis zu 10 Kilogramm Harz von einem Baum

          Wie auch immer die Abnehmer am Ende der Weihrauchstraße das grobkörnige, kristallisierte Harz eingesetzt haben: am Beginn der Kette hat die Nachfrage zu einem sagenhaften Reichtum geführt. Dem Süden der Arabischen Halbinsel brachte er den Namen „Arabia felix“ ein, glückliches Arabien. Die kühle Moderne kommt heute jedoch ohne solche sinnlichen Erfahrungen aus, und so ist die Nachfrage nach dem Harz des Weihrauchbaums Boswellia eingebrochen.

          Wenn die beiden alten Männer zu ihren Bäumen gehen, sind ihnen solche Geschichten fern. Selbst mit dem Geländewagen ihrer Söhne ist die Hochebene im nördlichen Teil des Dhofar-Gebirges nur schwer zu erreichen. Hassan Massoud und sein Halbbruder Mussallem Sulaiman schreiten mit nur einer Spachtel in der Hand auf einen Baum zu. Hassan ist über 90 Jahre alt, Mussallem gibt sein Alter mit 85 an. Vorsichtig schlagen sie mit der Spachtel die papierartig abblätternde Rinde des 300 Jahre alten Baums weg. Nur so entlocken sie ihm das kostbare Harz und verletzen ihn nicht.

          Dazu singen die beiden in ihrer kehligen Mahari-Sprache Lieder, wie sie es über Jahrzehnte beim Schneiden des Weihrauchbaums getan haben. Sie singen von der harten Arbeit und der Hoffnung, dass sie die Kraft nicht im Stich lässt. Langsam perlt das erste weiße Harz heraus, wie Milch. Ende März beginnt der erste Schnitt, sein Harz ist noch minderwertig. Drei Wochen später sind die beiden wieder an dem Baum, um das nahezu eingetrocknete Harz einzusammeln. Beim zweiten Schnitt ist die Qualität bereits besser. Am besten wird sie beim vierten Schnitt im August, wenn das Harz klar und rein ist. Bis zu 10 Kilogramm Harz könnten sie in einem Jahr von einem Baum ernten, sagt Hassan.

          „Was ist das heute aber für ein Paradies.“

          Ein Geheimnis ist bis heute geblieben, weshalb der Baum nur in dieser lebensfeindlichen Steinwüste gedeiht. Alle Versuche, ihn an anderen Orten anzupflanzen, sind gescheitert. Der Boswelliabaum wächst zwar auch in der Hauptstadt Maskat, gibt dort aber kein Harz. Auch Hassan und Mussallem wollen wie der Baum nicht in der Stadt leben. Sie sind Beduinen, aber sesshaft geworden und keine Nomaden mehr. 1984 hatte Hassans Sohn dem Vater in den Bergen nördlich von Salalah ein Haus gebaut, dessen Luxus er längst zu schätzen weiß.

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