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Weihnachtsbäume : Wie öko ist meine Tanne?

  • -Aktualisiert am

Wie grün sind deine Blätter? Tanne zum Selbstschlagen Bild: Rainer Wohlfahrt

Die meisten Christbäume werden in künstlichen Monokulturen gezüchtet und mit Pestiziden gegen Schädlinge und Pilze gespritzt. Wer die chemische Keule nicht mag, kann sich einen Ökoweihnachtsbaum kaufen. Oder er achtet beim Kauf auf zwei Dinge.

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          Mag ja sein, dass der Weihnachtsmann tatsächlich von draußen aus dem Wald kommt, der Weihnachtsbaum jedenfalls tut es in neun von zehn Fällen nicht. Die allermeisten der rund 29 Millionen Christbäume, die in unseren Wohnzimmern landen, haben Hunderte von Kilometern Anfahrt hinter sich und werden aus Plantagen gesägt, oft in Norddeutschland. Das sind künstliche Monokulturen, in denen die Bäume gespritzt werden mit Herbiziden, Fungiziden und Pestiziden gegen Schädlinge und Pilze.

          Die Schadstoffe dünsten sie dann in der Wohnung aus. Außerdem werden sie mit Mineralien gedüngt, die im Grundwasser versickern. Und damit sie nicht nur vom Wuchs her eine gute Figur machen, sondern auch frisch aussehen, kommen meist noch Farbverstärker ins Gießwasser. Nach Natur klingt das nicht.

          Viel natürlichere Weihnachten beschert ein Ökoweihnachtsbaum. Der ist ohne chemische Keulen groß geworden, und wenn er sogar aus anerkannt ökologischer Forstwirtschaft kommt, hat man dem Wald noch beim Wachsen geholfen. Nur sprießen Ökobäume spärlicher, als man denkt: Rund fünf Prozent aller Bäume tragen das Bio-Siegel. Man erkennt sie an den Wimpeln von FSC (Forest Stewardship Council), Naturland, Bioland oder Demeter. Wo man sie bekommt, listen Internetseiten von Naturland oder Robin Wood auf. Und wem der Weg zum Biobaumhändler zu weit ist, der sollte im Internet nach „ökologischen Christbäumen“ in der Region suchen, manche Baumschulen oder Biohöfe liefern die Bäume sogar.

          Wenn nun partout kein Ökobaum aufzutreiben ist, dann sollte man wenigstens auf zwei Dinge achten: Erstens einen Baum aus der Region kaufen – das erspart dem Klima viele CO2-Emissionen durch weite Transportwege. Der Papst ging nicht gerade mit gutem Beispiel voran, er bekam dieses Jahr einen Baum aus dem belgischen Spa geliefert. Zweitens eine heimische Baumart wählen, wie Nordmanntannen, Blaufichten und Rotfichten. Auf Douglasien aus Nordamerika kann man gut verzichten.

          Bäumchen im Topf sind übrigens oft nicht die grünere Wahl. Beim Eintopfen werden ihre Wurzeln verstümmelt, und im Wohnzimmer wird ihnen so warm, dass sie vom Winterschlaf auf den Frühlingsmodus schalten und aufknospen. Setzt man sie danach ins Freie, erfrieren sie. Und die Plastiktanne? Die vermeidet zwar, dass jedes Jahr ein Baum stirbt, aber bei der Menge an CO2, das Produktion und Transport in die Luft blasen, müsste man am Kunstbaum mindestens 17 Weihnachtsfeiern lang festhalten.

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