https://www.faz.net/-gqe-9ytrp

Wegen Corona-Stillstand : Kommen Nothilfen für Busunternehmen?

  • Aktualisiert am

Geparkte Reisebusse in Frankfurt Bild: dpa

Reisebusbetriebe stehen krisenbedingt still, doch die hohen Fixkosten für den Fuhrpark laufen weiter. Das Verkehrsministerium denkt daher laut einem Bericht über ein Förderprogramm nach.

          2 Min.

          Alle Busse auf dem Hof, keine Urlauber in Sicht: Für viele Reisebusbetreiber wird die Corona-Flaute bedrohlich. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant nun Nothilfen für die schwer gebeutelte Busbranche, wie die Nachrichtenagentur DPA Grundlage von Informationen aus Regierungskreisen berichtet.

          Die Lage der mittelständisch geprägten Branche wird wegen der einschneidenden Beschränkungen als dramatisch eingeschätzt. Die Busse seien „auf Null“ gesetzt worden, Personenverkehr und Bustouristik komplett zum Erliegen gekommen, hieß es. Reisebusse könnten nicht mehr fahren, auch die Schülerbeförderung dürfte nur langsam wieder in Gang kommen.

          Bus kostet eine halbe Million Euro

          Für viele Unternehmen sei dies existenzbedrohend. Zwar müsse derzeit keine Kfz-Steuer gezahlt werden, auch Versicherungsbeiträge könnten gestundet werden – die Fixkosten aber blieben. Dabei geht es um sogenannte Vorhaltekosten. So müssten Kredite weiterhin getilgt werden. Viele Busunternehmen hätten ihre Flotte in der vergangenen Zeit auf moderne und umweltfreundliche Fahrzeuge umgerüstet, die Anschaffung eines neuen Reisebusses koste 400.000 bis 500.000 Euro.

          Deswegen stünden viele Firmen „massiv in der Kreide“, hieß es in den Regierungskreisen. Das Verkehrsministerium arbeite deswegen an einem Förderprogramm, um die Firmen bei den Vorhaltekosten zu entlasten. Das Volumen stehe noch nicht fest.

          In einer Branchenumfrage äußerte jedes vierte Unternehmen die Befürchtung, wegen des Geschäftseinbruchs nur noch vier Wochen durchzuhalten. Rund 60 Prozent hält sich nach eigener Einschätzung noch drei Monate über Wasser, wie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer mitteilte.

          „Die Busbranche in Deutschland liegt am Boden“, sagte Bundesgeschäftsführerin Christiane Leonard. „Uns erreichen täglich Nachrichten von Geschäftsaufgaben.“ Schnelle Hilfe sei notwendig. Die bisherigen staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft reichten nicht aus. Der Verband ruft für die mittelständischen Unternehmen nach Zuschüssen, Steuererleichterungen und einer „Exit-Strategie“, damit wieder Reisen geplant werden könnten.

          In Bedrängnis

          In einer Resolution des Bustouristikgewerbes hieß es, die privaten bustouristischen Unternehmen seien sich ihrer Verantwortung bewusst, dass die Gesundheit der Kunden und Busfahrer oberste Priorität habe. Seit Beginn der Corona-Ausbreitung in Europa werde die Lage aber mit jedem Tag dramatischer. Inzwischen seien viele der fast 3000 privaten, zumeist familiengeführten Busunternehmen in Bedrängnis. Die Bustouristik sei die am frühesten betroffene Branche. Bereits Anfang März habe eine umfassende Stornierungswelle eingesetzt. Seit dem Verbot von Busreisen am 17. März lägen die Buchungszahlen bei null.

          „Damit wird es in der kurzen Saison derzeit unmöglich, die hohen Vorauszahlungen und die immensen laufenden Kosten etwa für die Fahrzeuganschaffung zu refinanzieren“, hieß es. Aufgrund der anhaltenden Unsicherheit sagten Kunden nun auch bereits Reisen weit in der Zukunft ab. Laut einer aktuellen Umfrage drohten Umsatzeinbußen in zweistelliger Milliardenhöhe, wenn sich die Buchungsrückgänge so fortsetzten.

          Weitere Themen

          Deutsche Bank trimmt sich für Fusionen

          Sparbemühungen : Deutsche Bank trimmt sich für Fusionen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte deutsche Filiale schließen, um zu sparen. In der Branche wird jetzt immer lauter über Zusammenschlüsse diskutiert. Offen ist, wie die Aufseher das Vorhaben sehen.

          Topmeldungen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte Filiale schließen.

          Sparbemühungen : Deutsche Bank trimmt sich für Fusionen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte deutsche Filiale schließen, um zu sparen. In der Branche wird jetzt immer lauter über Zusammenschlüsse diskutiert. Offen ist, wie die Aufseher das Vorhaben sehen.
          Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

          Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

          Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

          Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

          Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.