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Amerikanische Elite-Unis : Harvard und MIT klagen gegen Trump-Regierung

Jubeln die Jura-Studenten an der Harvard-Universität bald nur noch digital? Bild: AP

Harvard und das Massachusetts Institute of Technology kämpfen um ihre ausländischen Studenten. Die Heimatschutzbehörde hatte zuvor eine umstrittene Entscheidung getroffen. Der Harvard-Präsident spricht von „Grausamkeit“ und „Rücksichtslosigkeit“.

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          Die amerikanischen Eliteuniversitäten Harvard und das Massachusetts Institute of Technology (MIT) wehren sich juristisch gegen die Ausweisung und Blockierung ausländischer Studenten. Gemeinsam klagen sie gegen die Heimatschutzbehörde, die für den Herbst eine Ausreise ausländischer Studenten angeordnet hat, wenn die Kurse komplett online abhalten werden.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Harvard gehört zu den amerikanischen Hochschulen, die komplett auf Online-Unterricht umstellen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. Mit der Klage wollen die beiden Universitäten eine einstweilige Verfügung erwirken, damit die Grenzbehörden ausländische Studenten weder an der Grenze zurückweisen noch ausweisen können.

          „Grausam und rücksichtslos“

          Der amerikanische Heimatschutz hatte am Dienstag einen entsprechenden Beschluss angeordnet. Harvard-Präsident Lawrence Bacow sagte: „Die Anordnung kam ohne Vorwarnung. Ihre Grausamkeit wird nur noch durch ihre Rücksichtslosigkeit übertroffen.” Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Massachusetts, Maura Healey, kündigte ebenfalls Klage gegen die Richtlinien an.

          Geht gegen die Trump-Regierung vor: Harvard-Präsident Lawrence Bacow
          Geht gegen die Trump-Regierung vor: Harvard-Präsident Lawrence Bacow : Bild: Picture-Alliance

          Bacow wertet die Anordnung als Versuch, Hochschulen unter Druck zu setzen, Unterricht mit physischer Präsenz der Studenten zu geben und gesundheitliche Bedenken zurückzustellen. Der Heimatschutz weist darauf hin, dass bei 100 Prozent Onlineunterricht ein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten nicht erforderlich sei und deshalb auch nicht gewährt werde. Die Studenten könnten wieder kommen, wenn die Hochschulen zu Präsenzveranstaltungen zurückkehrten.

          Ein Risiko bleibt

          Die Mehrheit der Hochschulen verfolgt Mischmodelle mit Präsenz- und Onlineunterricht. In einigen Hochschulen werden nun die Öffnungspläne revidiert und um Präsenzveranstaltungen ergänzt, um den Visastatus der Ausländer zu sichern. Solche Mischformen toleriert der Heimatschutz bis zu einem gewissen Maß, er verlangt von den Hochschulen zudem, dass sie von jedem ausländischen Studenten das Unterrichtsprofil dokumentieren.

          Es bleibt allerdings ein Risiko: Wenn die Hochschule kurzfristig etwa nach einem Krankheitsausbruch entscheidet, die ursprünglich als Präsenz-Seminare vorgesehenen Lehrveranstaltungen nur noch digital abzuhalten, müssen ausländische Studenten ebenfalls das Land verlassen.

          Die Elite-Universität Harvard
          Die Elite-Universität Harvard : Bild: AFP

          Von den Anordnungen betroffen sind Studenten der Visakategorien F1 und M1. In den Vereinigten Staaten studieren jedes Jahr rund eine Million Ausländer. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der Hochschulen, weil sie höhere Studiengebühren als  Amerikaner zahlen müssen. 

          Bildungsdienstleistungen für Ausländer spielen ein bedeutende Rolle in der amerikanischen Exportbilanz und gehören zu den wenigen Bereichen, in denen die Vereinigten Staaten einen Überschuss erzielen. Im September 2017 – das sind die jüngsten Zahlen, die vorliegen – betrug der Überschuss 3,3 Milliarden Dollar, rechnet die Zentralbank von St. Louis vor. Ausländische Studenten geben mehr als dreimal so viel Geld in den Vereinigten Staaten aus wie amerikanische Studenten im Ausland.

          Kritiker der Regierung werten die Visa-Beschränkungen als weitere Maßnahme, die Immigration in die Vereinigten Staaten zu erschweren. Die Trump-Regierung hat schon das Asylrecht stark beschnitten, die Rekrutierung von Spezialisten und Versetzungen innerhalb eines Konzerns oder einer Organisation erschwert und die Gewährung von Green Cards mit zusätzlichen Prüfschritten belastet, die zu einem großen Rückstau in der Bearbeitung geführt haben.

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