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Wechselkurse : Euro knackt die 1,40-Dollar-Marke

  • Aktualisiert am

Teuer wie nie zuvor: der Euro Bild: dpa

Die europäische Währung hat ein neues Allzeithoch erreicht. Der Kurs des Euro ist im Vormittagshandel zum ersten Mal seit seiner Einführung über die Marke von 1,40 Dollar gestiegen. Als Auslöser für den Höhenflug gilt die jüngste Leitzinssenkung in den Vereinigten Staaten.

          Nach der Senkung des Leitzinses in den Vereinigten Staaten ist der Euro am Donnerstag auf eine neue Rekordhöhe geklettert. Die europäische Gemeinschaftswährung übersprang am Morgen die psychologische Marke von 1,40 Dollar und notierte bei 1,4017 Dollar.

          Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte die amerikanische Notenbank Fed am Dienstagabend (Ortszeit) den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf 4,75 Prozent herabgesetzt. Da dies die Geldanlage in Dollar unattraktiver machte, verlor die amerikanische Währung gegenüber dem Euro seitdem stetig weiter an Wert.

          Kurse drohen die deutsche Wirtschaft zu belasten

          Zudem wurde der Diskontsatz, zu dem Banken bei der Fed Geld leihen können, ebenfalls um 50 Basispunkte auf 5,25 Prozent herabgesetzt. Diesen Satz hatte die Notenbank wegen der Turbulenzen am Interbankengeldmarkt schon am 17. August um 50 Basispunkte auf 5,75 Prozent gesenkt. Die bis dahin letzte Leitzinssenkung hingegen fand am 25. Juni 2003 statt.

          Ein hoher Eurokurs nützt Verbrauchern etwa bei Reisen in die Vereinigten Staaten, die billiger werden. Zugleich drohen hohe Eurokurse die deutsche Wirtschaft zu belasten, da sie Exporte ins Nicht-Euro-Ausland verteuern.

          „Jahresziel“ von 1,42 Dollar in Sichtweite

          Der Euro hat nach Ansicht von Experten auch nach dem Durchbrechen der „psychologisch wichtigen Marke“ von 1,40 Dollar weiteres Aufwärtspotential. „Anhaltend schwache Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und die starke Zinssenkung der amerikanischen Notenbank werden den Euro weiter beflügeln“, sagte Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank am Donnerstag. Das „Jahresziel“ von 1,42 Dollar pro Euro rücke damit in Sichtweite. Kurzfristig sei allerdings nicht mit einem weiteren markanten Anstieg des Euro zu rechnen.

          „Im Blickpunkt der kommenden Wochen werden weitere Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten und der geldpolitische Kurs der Federal Reserve stehen“, sagte Hellmeyer. Wichtig für die weitere Entwicklung des Eurokurses sei vor allem der private Verbrauch in der größten Volkswirtschaft der Welt, der sich bis zuletzt trotz zum Teil schwacher Konjunkturdaten robust gezeigt hatte.

          Eine große Rolle werde zudem die anhaltende Krise auf dem amerikanischen Immobilien- und Hypothekenmarkt spielen. Nach zuletzt unverändert schwachen Daten vom Häusermarkt der Vereinigten Staaten sei eine Trendwende auf dem für die amerikanische Konjunktur bedeutsamen Immobilienmarkt nicht zu erkennen, sagte Hellmeyer.

          Auch Björn Bender von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht prinzipiell weiteres Steigerungspotential für den Eurokurs, wenngleich der Markt derzeit Anzeichen einer „Überhitzung“ aufweise. „Der Euro ist vor allem angesichts der starken Zinssenkung der Notenbank etwas überkauft.“ Für weitere Kursgewinne des Euro sprächen indes vor allem Kursicherungsgeschäfte von Investoren: Nachdem sich diese vor wenigen Monaten in Form von Devisentermingeschäften noch für Kurse von deutlich unterhalb von 1,40 Dollar abgesichert hätten, könnte sie sich nunmehr zum Abschluss neuer Sicherungsgeschäfte gezwungen sehen. Dies könnte dem Euro einen zusätzlichen Schub geben.

          „Charttechnisch bewegen wir uns aufgrund des Durchbrechens der 1,40 Dollar-Marke nunmehr in Neuland“, betonte Bender. Dies erschwere eine Prognose über die künftige Entwicklung des Eurokurses erheblich. Auf deutlichen Widerstand treffe die europäische Währung aber bei einem Kursniveau von 1,45 Dollar.

          Rezession in den Vereinigten Staaten unwahrscheinlich

          Auch Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt verweist auf die Marke von 1,45 Dollar. Zwar könnte der Euro auf mittlere Sicht durchaus auf dieses Niveau steigen. „In diesem Bereich müsste man dann aber von einer Übertreibung sprechen, da ein solches Kursniveau fundamental kaum zu rechtfertigen ist.“

          Die derzeitige Eurostärke resultiert laut Sartoris aus der weiter verringerten Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und den Vereinigten Staaten sowie aus anhaltend schwachen amerikanischen Konjunkturdaten bei einer robusten Konjunktur im Euroraum. Zudem neige die Europäische Zentralbank trotz der Aussetzung ihrer ursprünglich für September angekündigten Zinserhöhung zu weiteren Leitzinserhöhungen, was dem Euro zusätzlichen Auftrieb verleihe. „Insoweit ist das aktuelle Kursniveau des Euro fundamental durchaus angemessen.“

          Von einem Abgleiten der amerikanischen Konjunktur in eine Rezession geht Sartoris indes nicht aus. „Voraussichtlich wird die amerikanische Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2008 wieder an Fahrt aufnehmen.“ Spätestens dann sollte der Dollar wieder merklich an Stärke gewinnen.

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