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Andreas Renschler : Trucker mit Kampfgeist

Weitreichende Absprachen über flexible Arbeitszeiten

Doch die Kritik wurde leiser, als in der Wirtschaftskrise offenbar wurde, dass die Nutzfahrzeugsparte hochgradig flexibel geworden war - unter anderem, weil Renschler ganz im Stillen weitreichende Verabredungen über flexible Arbeitszeiten mit den Belegschaftsvertretern getroffen hatte. Ein weiterer Baustein des Erfolgs ist das Baukastensystem, das die Produktpalette im Daimler-Nutzfahrzeuggeschäft durchzieht: So sehr sich ein deutscher Mercedes von einem chinesischen Aumann oder einem amerikanischen Freightliner unterscheidet - der Stuttgarter Konzern greift letztlich für alle Nutzfahrzeuge auf die gleiche Motorentechnologie zurück.

Bei VW wird das Baukastensystem längst gelebt wie sonst nirgends, allerdings bisher nur in der Autosparte. Unter Renschlers Führung wollen Winterkorn und Piëch das Prinzip nun auch im Nutzfahrzeugbereich durchsetzen. Geplant ist ein gemeinsamer Baukasten für schwere Fernverkehrslaster, also ein Sortiment baugleicher Teile, das in den kommenden Jahren sukzessive über möglichst viele Fahrzeuge von MAN und Scania ausgerollt werden soll. Diese technische Harmonisierung soll einen wesentlichen Beitrag leisten, um die angepeilten Verbundvorteile (Synergien) von mindestens 850 Millionen Euro zu schaffen, die VW sich durch ein besseres Teamwork der Marken verspricht.

Noch ist der TGX ein reiner MAN. In Zukunft werden auch Teile von Scania verarbeitet.

Richtig los geht es im kommenden Jahr: Ab dann soll MAN für seine großen Baureihen TGS und TGX sukzessive Getriebe von Scania verwenden. Das soll aber nur der Startschuss sein: In einem nächsten Schritt könnten Komponenten des Fahrerhauses aus dem gemeinsamen Baukasten kommen, von der Steuerungselektronik bis zum Fensterheber. Auch über einheitliche Motoren und Fahrgestelle wird nachgedacht. Zudem sollen MAN und Scania sich in der Forschung und Entwicklung sowie im Einkauf besser abstimmen.

Schnelle Erfolge wird Renschler aber nicht vorweisen können: In der Regel vergehen etwa 15 Jahre, bis bestehende Lastwagenmodelle von den Herstellern durch neue Varianten ersetzt werden. In der Autoproduktion ist die Schlagzahl mindestens doppelt so hoch. Entsprechend länger dauert es, bis Einsparungen in der Produktion sich im Ergebnis niederschlagen. Hinzu kommen die internen Befindlichkeiten der beiden Hersteller aus München und Södertälje. Gerade die Schweden pochen seit je auf ihre Unabhängigkeit.

Winterkorn und Piëch warten schon ein Jahr

Renschler, der in seiner Freizeit gerne Golf spielt und Modelleisenbahnen sammelt, muss einen schwierigen Drahtseilakt schaffen: Er muss die Brandmauern zwischen den einstigen Rivalen zumindest ein Stück weit niederreißen, ohne dabei ihre vielbeschworene eigene Identität aufs Spiel zu setzen. Die Hoffnung, dass es ihm gelingt, muss beim VW-Duo Winterkorn und Piëch ziemlich groß sein: Ein ganzes Jahr haben sie auf Renschler warten müssen. So lange galt die Konkurrenz-Ausschlussklausel von Daimler, von der die Stuttgarter nicht abgerückt sind: Jeder Tag Vorsprung ist wichtig, wenn die Gefahr droht, dass sich ein starker Gegner formiert.

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