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Wechsel im Vorstand : In der Deutschen Bank überwiegt die Zustimmung

In den Vorstand der Deutschen Bank rücken der Österreicher Stephan Leithner und die beiden Amerikaner Henry Ritchotte und Bill Broeksmit. Risikovorstand Hugo Bänziger und Personalvorstand Hermann-Josef Lamberti müssen hingegen gehen. Bild: Setzer, Claus

Der anstehende Wechsel im Vorstand der Deutschen Bank stößt innerhalb des Kreditinstituts nur vereinzelt auf Kritik. Politiker aus Deutschland zeigen sich hingegen skeptisch.

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          Die beiden künftigen Vorstandschefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, stoßen mit ihrem Umbau des Vorstands in der Belegschaft überwiegend auf Zustimmung. Vereinzelt hört man aber auch Ablehnung. Kritisch äußert sich die Berliner Politik, weil eine Dominanz der Investmentbanker befürchtet wird. „Es war klar, dass es Verlierer geben wird, die nun die Maßnahmen kritisieren“, hieß es am Donnerstag im Umfeld des Führungsduos. Neu in den weiter sieben Mitglieder zählenden Vorstand rücken der Österreicher Stephan Leithner sowie die beiden Amerikaner Henry Ritchotte und Bill Broeksmit. Ihren Hut nehmen müssen Risikovorstand Hugo Bänziger sowie Personal- und Technologievorstand Hermann-Josef Lamberti.

          Für die deutschen Mitarbeiter ändert sich wenig

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Manch einer, dessen Position durch das Ausscheiden von Vorstandschef Josef Ackermann Ende Mai geschwächt wird, sprach von einer Übernahme durch die Investmentbanker. Leithner und Ritchotte haben bislang im von Jain verantworteten Investmentbanking gearbeitet. Jedoch gibt es auch Gewinner wie etwa die Fondsgesellschaft DWS, der das bislang dem Investmentbanking zugeordnete Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) zugeschlagen wird. Hier freut man sich über den Bedeutungszuwachs, denn das verwaltete Vermögen steigt um 36 auf 155 Milliarden Euro.

          Für die deutschen Mitarbeiter ändert sich wenig. Sie sind überwiegend im Privatkundengeschäft tätig, das unberührt bleibt. In der Frankfurter Zentrale überwog auch die Freude über den Aufstieg Leithners, der hier seit Jahren das deutsche Investmentbanking geleitet hat. Er wird nicht als Vertrauter Jains gesehen, sondern Fitschen zugerechnet. Dass im Vorstand künftig nur drei statt vier Mitglieder einen deutschen Pass haben, stört nicht. Das spiegle die internationale Aufstellung wider, sagte ein Abteilungsleiter. Anfang 2008 war im damals vier Mitglieder zählenden Vorstand mit Lamberti nur ein Deutscher vertreten. Zudem wird es begrüßt, dass künftig sechs Vorstandsmitglieder in Frankfurt sitzen. Nur Risikovorstand Broeksmit wird sein Büro in London haben.

          „Dadurch verstärken sich die Risiken“

          Dagegen zeigen sich Politiker skeptisch. Der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Meister, wertete die Besetzung als ein Signal in Richtung Investmentbanking. Er warnte: „Deutsche Einlagen dürfen nicht im Kasino landen.“ Der SPD-Finanzpolitiker Carsten Schneider sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, er sehe die Personalentscheidungen mit großer Sorge. Sie seien ein Indiz dafür, dass die Bank sich noch stärker auf das Investmentbanking ausrichte. „Dadurch verstärken sich die Risiken“, warnte Schneider. „Das ist nicht nur Sache der Aktionäre, denn wir haften als Bund für die Deutsche Bank. Sie ist systemrelevant und einfach zu groß, als dass sie kaputtgehen dürfte.“

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